fudders kleine Nerd-Typologie: Sechs Merkmale, an denen man Nerds erkennt

Martin Jost

Nerds sind überall und beherrschen mittlerweile die Welt. Hört man jedenfalls so. Sie werden gern kopiert von solchen, die nur klug und hip wirken wollen: Hipster. Die Grenzen sind fließend, aber mit unserem Bestimmungsbuch solltest du einen echten Nerd hundert Pro erkennen können.

 

1. Den Nerd erkennst du sicher, wenn er seinen tragbaren Computer aufklappt.

Sieht aus wie ein Traktor Marke Eigenbau. Ist robust und gepimpt oder wenigstens mit Stickern tapeziert. Hast du Gelegenheit, ihm über die Schulter zu schauen, fährt er wahrscheinlich ein Betriebssystem hoch, das du noch nie gesehen hast – und schreibt irgend etwas in Code.

Nerds finden das effizienter als „idiotensichere“ Benutzeroberflächen. Nerds verstehen Computer, denn Computer wurden von anderen Nerds gebaut. Es ist billig, aber Nerds im Freundeskreis sind Garant für ein sorgenfreies digitales Leben.

2. Der Nerd hat aller Wahrscheinlichkeit nach einen technischen Beruf.

Ingenieur, Informatiker, Matheprof, so was in der Art. Dass er etwas Naturwissenschaftliches studieren würde, war in der Schule schon klar. In den Laberfächern Deutsch und Kunst oder in Glücksfächern wie Sport schlug er sich weniger gut.

3. Der Nerd hat eine Leidenschaft.

Auf irgendeinem Gebiet ist er spitze und denkt und disputiert auf höchstem Niveau. Haben wir das nicht alle? Nein, der Unterschied zwischen uns und einem Nerd ist: Er wird kaum an etwas anderes denken. Es fällt ihm schwer, nicht über sein Leib- und Magen-Thema zu reden – seien es nun Linux-Server oder Spulwürmer –, während wir Normal-Leidenschaftlichen zu unserem Hobby ausgefragt werden wollen.

4. Meistens pflegt der Nerd neben seiner technischen Expertise auf Weltniveau eine popkulturelle Leidenschaft, die auf den ersten Blick unter aller Kanone ist.

Tim-und-Struppi-Fanfiction? Babylon 5? TKKG?  Alles  Kinderkram? – Ist es nicht, und der Nerd kann es dir beweisen. Er betreibt sein Hobby ernsthaft und mit einer Strenge, die man sonst nur bei Kindern findet. Das Spielerische und die Neugier haben ihn ja in seinem Fach so gut gemacht. So gesehen sind Comics sammeln und Videospiele zocken das Geheimnis des genialen Nerds.

5. Der Nerd gibt einen feuchten Kehricht darauf, was hip ist.

Er wird ein T-Shirt mit einem Linux-Joke tragen, praktische Cargohosen und darunter Superman-Boxer. Er schläft in kuscheliger Dinosaurierbettwäsche. Die Brille ist nicht modisch, die Frisur nicht unbedingt „in“ – den Nerd stört das nicht. Wäre ja auch unpraktisch, auf so einen Humbug wie Mode zu achten.

Ironisch ist nur: Wie sich der Nerd das ehemalige Schimpfwort für seine Gattung zu eigen gemacht und in ein Lob verwandelt hat, so hat die Welt da draußen seine Attribute an sich gerissen. Wie ein Nerd zu wirken ist heute hip. Obacht! Nerdig aussehen kann jeder. Aber Comic-Unterwäsche macht noch keinen Ingenieur!

6.  Der Nerd ruft jeden Montag, Mittwoch und Freitag sein xkcd-Lesezeichen auf.

Die Webcomics des ehemaligen NASA-Ingenieurs Randall Munroe sind hintergründig, sarkastisch – und ohne naturwissenschaftliches Studium oft nicht zu entziffern. Erst neulich musste man wissen, wo die Statistik der Häufigkeit der bayesischen Statistik widerspricht, um die Pointe zu verstehen.

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