fudders Fußballphilosoph über Freiburger Pazifismus

Veit-Lorenz Cornelis

Der SC Freiburg steht auf Rang 17. Darf man da bei Toren überhaupt noch jubeln? fudder-Autor Veit-Lorenz Cornelis hat den Pazifismus satt und erklärt, wie lernte, die Bombe zu lieben:



Wir sind wieder unten. Endlich. Der ersehnte Rang 17, Abstiegsplatz. Lange nicht gesehen. Heimlich - wie Romeo und Julia - mussten wir uns in unseren Vorstellungen die Tabelle vor das geistige Auge rufen. Jetzt, am neunten Spieltag sind wir wieder vereint! Für ewig? Vielleicht...


Der Grund für dieses saisonale Wiedersehen: ein Pazifismus, der Ban Ki-moon Freudentränen in die Augen treibt. Wir sind nicht untätig, wir spielen gut. Doch vor dem Tor sind Mehmedi, Schmid und Co. so harmlos wie eine Knallerbse an Silvester. Nicht zu vergleichen mit der atomaren Aufrüstung so manch eines direkten Konkurrenten: Mainz, Paderborn, Hoffenheim - das ist die Achse des Bösen der Bundesliga!

Ich will mich jetzt nicht falsch verstanden wissen: Ich bin Pazifist! Bin stets auf der Seite der Redensführer und Diplomaten! Doch mein Verständnis für Dr. Seltsam, der lernte die Bombe zu lieben, steigt. Gegen den pazifistischen Fußball, den die Freiburger Offensive abliefert, ist (leider) ein friedlicher Ostermarsch eine radikale Revolution.

Streich als Dr. Seltsam

Als letzten Samstag beim Spiel gegen Wolfsburg die Granate von Sebastian Kerk im Tor von Diego Benaglio einschlug, war man sich im Schwarzwaldstadion richtig unsicher: Darf man jubeln? Immerhin haben wir... ähm... also... wir haben... sorry... ein Tor geschossen! Es tut uns natürlich endlos leid, aber wir müssen uns ja verteidigen und so... und... naja! Die Spiele zuvor endeten vor Justitia - im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil: Unentschieden! Der SC hat die Kosten für das Verfahren zu tragen, die Sitzung ist geschlossen. Alle stehen auf und reichen sich die Hände. Puh... Noch mal Glück gehabt!

Ich will mich jetzt nicht falsch verstanden wissen: Ich bin Pazifist! Habe ich doch schon so manchen Abend den Sinn und Unsinn verschiedenster Interventionen diskutiert, so manche Kneipe zur UNO-Vollversammlung erklärt und hin und wieder eine Regenbogen-Fahne über die Straßen dieser Stadt getragen. Doch wenn's um Fußball geht...

Wir sollten zurückschlagen: fair und mit erlaubten Mitteln, im Sinne der Genfer Konventionen. Die Stadt steht hinter diesem Angriff, welcher der eigenen Verteidigung gilt! Morgen greifen wir nicht zum roten Telefon - wir greifen an. Augsburg sollte es schwer haben, wenn Christian Streich zu Dr. Seltsam wird. Was wären sonst die Folgen?!

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  [Foto: dpa]