fudder-Glosse: Warum es albern ist, gegen die Facebook-Timeline zu rebellieren

Manuel Lorenz

Demnächst wird auf Facebook ein neues Design eingeführt: die sogenannte Timeline. Heerscharen an Facebook-Usern begehren dagegen auf. fudder-Redakteur Manuel findet das albern. Und erklärt den Rebellen, wie Facebook funktioniert:



Ein Aufschrei geht durchs soziale Netzwerk Facebook. Innerhalb der kommenden Wochen wird die sogenannte Timeline zwangseingeführt - ein neues Design, welches das gesamte Leben der einzelnen Facebook-User zu erfassen versucht und jede seiner Aktionen in eine Chronik einordnet. (Ein punktuelles Datum dafür gibt es nicht. Facebook hat dementiert, dass die Umstellung am 1. Februar stattfinden soll.) Dass nicht wenige Facebook-Benutzer sich dagegen auflehnen, ist nicht nur albern, sondern zeigt, dass sie eine wesentliche Eigenschaft jenes Online-Dienstes noch nicht begriffen haben: Facebook funktioniert nicht nach den Spielregeln der Demokratie, sondern nach denjenigen der Monarchie.


Facebook ist ein Königreich, auf dessen Thron ein 27-jähriger Nerd namens Mark sitzt. In seine Knechtschaft haben sich seit 2004 mehr als 800 Millionen Menschen begeben - nennen wir sie Bauern. Dies haben sie aus freiem Willen getan, wahrscheinlich, um Freiheit zu erlangen. Und tatsächlich: Endlich konnten sie sich mit anderen Bauern austauschen, ohne dafür ihren Acker verlassen zu müssen. Konnten ihre Kartoffeln herumzeigen und mitteilen, wann und wo sie dieselbige gerade geerntet hatten. Konnten das ganze Königreich zum Kartoffelfest einladen. Und hatten den Kartoffelkalender immer im Blick. Und soweiter und sofort.

Jetzt aber also die Timeline. Das heißt: König Mark hat befohlen, dass die Ackerfurchen in seinem Reich fürderhin anders aussehen sollen als bisher. Und dass ein jeder Bauer bekommt, was sintemal dem Adel vorbehalten war: eine eigene Chronik. Das ist kein Vorschlag, sondern ein Befehl. Wer glaubt, darüber abstimmen zu können, hat das Königreich Facebook noch nicht verstanden. Genauso wenig wie seine benachbarten Königreiche: Google, Twitter und YouTube. Hier geht es nicht darum, gemeinsam Altes zu bewahren oder Neues zu schaffen. Hier geht es darum, den Reichtum einiger weniger Machthaber zu mehren.

Wenn man glücklich ist, mit dem, was man im Gegenzug dafür bekommt: super. Wenn nicht, sollte man auswandern und woanders sein Glück suchen. Oder ganz aussteigen, aus der (digitalen) Gesellschaft. Das wird aber kaum ein Bauer tun. Denn: Wo finden sie, was sie im Königreich Facebook finden? Schon bald werden sie sich an die neuen Ackerfurchen und die chronistische Darstellung ihres Lebens gewöhnt haben. Und schon bald werden ihm selbst die rebellischsten Bauern wieder zujubeln: ihm, unserem König Mark Zuckerberg.

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[Bild: dpa/Bearbeitung: fudder]