Ahoii Festival 2019

Frittenbude im Interview: "Wir wollten ein Album über Liebe schreiben"

Anika Maldacker

Sie wollen sich nicht politisch einordnen lassen, machen aber dennoch linken Elektro-Punk: Frittenbude. Am Sonntag spielen sie beim Ahoii-Festival im Waldsee. Anika Maldacker sprach mit Jakob Häglsperger von Frittenbude.

Ihr werdet oft als Band mit einer linken Einstellung oder als Links-Sympathisanten beschrieben? Trifft das zu?

Ja, viele Themen von uns sind links und wir sind ganz massiv gegen rechts. Aber eigentlich will ich gar nicht eingeordnet werden. Ich will mir nichts auf die Fahne schreiben. Ich will keine Fahne. Ich will die Welt neu denken können und kein vorgefertigtes Gedankenmuster übernehmen, sondern die Welt immer wieder neu entdecken und bewerten.

Ihr seid in Bayern aufgewachsen? Was macht das mit kreativen Menschen?

Es war oft arschlangweilig auf dem Land, aber ich denke, dass das zur Kreativität beigetragen hat. In den Momenten, in denen ich früher vor Langeweile angefangen habe etwas Kreatives zu produzieren, finde ich heute durch Konsum, den vielen Möglichkeiten der Stadt, aber auch durch die digitale Zeit, schneller Ablenkung. Auf dem Land sitzt man da, überlegt, dann schmeißt man vielleicht eine Technoparty – und die Leute kommen, weil es nicht viele Alternativen gibt. In Berlin muss man selbst nicht zwingend etwas erschaffen, da gibt es genug Angebot, dafür trifft man dort aber auch fast die ganze Welt.



Gleichzeitig gab es bei uns früher auf dem Land viele rechtskonservative Leute, mit denen wir immer wieder Probleme hatten und was uns natürlich beeinflusst hat. In dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, Johannesbrunn, sind heute wohl eher Alt-Hippies in der Mehrheit. Aber früher war ich dort Außenseiter und habe mich oft gefühlt wie in dem Film "Sommer in Orange" von Marcus Rosenmüller. Wenn ich diesen Film sehe, sehe ich meine Kindheit.

Was ist das Leitmotiv des neuen Albums "Rote Sonne?

Wir wollten anfangs ein Album über Liebe schreiben. Aber Hass gehört eben auch zur Liebe. Jetzt geht es um Liebe, Hass, um Revolution und die Sucht.
Jakob Häglsperger, 33 Jahre, aus dem bayerischen Johannesbrunn, ist auch als Solokünstler Kalipo, früher auch als Das Basslaster, aktiv.

"Dies sind die einzigen Waffen, die wir noch haben" singt ihr auf dem Album Rote Sonne. Braucht man heute noch Waffen?

Generell wäre eine Welt ohne Waffen die bessere Welt. Waffen sind dafür gemacht, um Menschen zu töten. In dem Song sprechen wir aber nicht explizit von Schusswaffen. Es geht um Waffen, die wir in uns tragen, die uns keiner nehmen kann, egal wie sehr man geknechtet wird. Unsere Gedanken, Emotionen, Liebe, Hass, Freude und Wut.

In "Vida" singt ihr gar von Krieg. Ist Gewalt eines der Leitmotive dieser Platte?

Nein, das sollte ja eine Platte über Liebe werden. Der Text ist offen geschrieben, so dass jeder Hörer sich selbst darin finden kann. Wir haben schon viele unterschiedliche Auslegungen gehört. Deine Auslegung ist auch interessant. Vielleicht ist das auch etwas, was dich beschäftigt. Man sagt ja, das Auge findet, was das Herz sucht. Man könnte den Text auch auf eine Stadt oder eine Beziehung beziehen, am ehesten einfach auf das Leben – oder eben politisch. So ist der Text ganz bewusst geschrieben. Ich finde, es gibt auf der Welt viele Zustände, die so nicht hinnehmbar sind und gegen die man definitiv was machen muss. Um einen Normalzustand herbeizurufen, in dem wir alle friedlich und frei leben können, muss man auch mal harte Worte finden. Das darf und soll Musik. Es muss nicht alles realpolitisch sein. Es geht oft um Utopien.



Müssen sich Künstler heutzutage politisch äußern?

Was ist politisch und was ist nicht politisch? Wenn man beispielsweise das Thema Liebe nimmt und man bedenkt, dass die Homo-Ehe vor noch nicht allzu langer Zeit verboten war, ist Liebe in dem Fall automatisch politisch. Ich denke schon, dass es wichtig ist, dass Menschen sagen, wie sie sich eine Welt vorstellen und dass sie auch sagen, was richtig und was falsch ist. Deswegen sollte sich jeder dazu äußern, egal ob Musiker oder nicht.

Welches politische Statement sollen die Leute von euch behalten?

Wenn man auf diese Welt blickt, könnte man oft schnell resignieren, weil man merkt, dass man als einziger wenig gegen viele Missstände ausrichten kann. Wir wollen aber nicht daran verzweifeln. Wir wollen auch mal feiern, hedonistisch sein und dennoch nie den Blick für gewisse Dinge verlieren. Kein Bock auf Sexismus, Rassismus, Homophobie und Antisemitismus. Party, Politik und Drogen vielleicht? (lacht)

Empfindest du das so als Musiker, dass du wenig ausrichten kannst?

Natürlich kann jeder ein wenig machen – in dem Bereich seiner Möglichkeiten. Mir wurde bewusst, dass wir viel im Kleinen ausrichten können, als ein Freund, der im sozialen Bereich arbeitet, abgeschoben werden sollte. Das ist schon etwas länger her. Er war total gefestigt in seiner Umgebung. Wir haben dann als Band Stimmen gesammelt und letztendlich durfte er dann doch bleiben. Trotzdem stehen wir manchmal dieser Welt ohnmächtig gegenüber. Da kann Musik ein Mittel sein, um positive Utopien dieser Welt aufzuzeigen, einem Kraft geben um in dieser Welt klar zu kommen.

Wieso macht ihr Musik, wenn ihr in Wirklichkeit Politik machen wollt?

Nein! In erster Linie wollen wir Musik machen. Ich glaube, wenn wir Musik machen würden, um Politik zu machen, müsste wir es viel radikaler angehen, viel revolutionärer. Aber das Musikmachen soll nicht an der Politik scheitern. Wir wollen manchmal eben auch einfach nur tanzbare Musik oder auch mal Liebeslieder machen. Die Musik steht immer an erster Stelle!



Euer Album Rote Sonne ist ein wenig glatter und braver als das Album davor, Army of Küken. Seht ihr das auch so?

Ich weiß nicht, ob es braver ist. Ich finde eher, dass das Album davor braver ist. Rote Sonne funktioniert vielleicht dennoch auf einer breiteren Ebene und man findet leichter Zugang, da es schneller auf den Punkt kommt. Es ist das erste Album, bei dem wir alle drei denken: Wow, das ist das erste Album, das wirklich fertig geworden ist. Ich kann mich noch erinnern, als ich meinem Vater unser Debüt-Album Nachtigall gab und er damit überhaupt nichts anfangen konnte. Ich verstehe heute, wieso er mit damit nichts anfangen konnte. Weil es rebellisch, radikal und auf eine gewisse Weiße dilettantisch war. Er durfte damit nichts anfangen können, weil er zur Generation davor gehört. Wir hätten etwas falsch gemacht, wenn er es verstanden hätte. Nun geht die Zeit aber auch nicht spurlos an uns vorbei und das aktuelle Album gefällt ihm jetzt besser. Man kann sagen, dass es vielleicht etwas reifer ist.

Wie sähe die perfekte Revolution für euch aus?

Eine, die uns nicht auf den Kopf fällt.

Ist das dann noch eine Revolution?

Eine perfekte Revolution müsste bewirken, dass wir alle in einer freien Welt leben, im Einklang mit der Natur. Jeder hat seine Freiheit, wird akzeptiert, wie er ist und lebt frei.

Wie hat euch die Produktion dieses Albums begleitet?

Es war eine gute Zeit. Wir hatten davor etwas Pause. Wenn man so lange zusammen Musik macht, ist eine Pause auch mal gut. Danach haben wir uns zusammengesetzt, Rotwein getrunken, uns inspiriert, geflasht und hatten wieder Bock aufeinander. Dadurch ging die Produktion wahnsinnig schnell und ist uns leicht gefallen. Am Ende waren alle ziemlich happy damit.

Was ist das Grundrezept für eine harmonisch, kreative und langwierige Zusammenarbeit in einer Band?

Ich glaube, dass man sich mehr inspiriert, als kritisiert. Dass jeder seine Aufgabengebiete hat und den anderen darin auch vertraut – und jeder drin auflebt und glänzen kann.

Welche Musik hast du in letzter Zeit gehört?

Viel Filmmusik, zum Beispiel von Johann Johannson. Das mag ich gerne zum Lesen oder zum durch die Stadt rennen. Auch die Filmmusik von Babylon Berlin habe ich oft gehört. Wenn man damit durch die Stadt rennt, ist man automatisch in einem Film.



Eure beste Erinnerung an Freiburg?

Es ist ein besonderes Städtchen im Süden. Vor mittlerweile schon etwas längerer Zeit waren wir mal in der KTS und im Jazzhaus. Die Stadt trägt ein leichtes Freiheitsgefühl, die Leute sitzen draußen auf dieser blauen Brücke, das Wetter ist immer schön. Man fühlt sich gut dort.

Wie sieht für dich eine richtig gute Party aus?

Die richtigen Leute sind da, möglichst viele meiner Freunde, die ich alle lange nicht mehr gesehen habe. Am besten Diskomusik, zur späten Stunde dann gute Schlager. Hildegard Knef finde ich super, ich mag aber auch den Vicky-Leandros-Song "Ich liebe das Leben". Am Ende sind wir natürlich alle Arm in Arm.
Verlosung

Unter allen Mitgliedern in fudders Club der Freunde verlosen wir 2 Mal 2 Tickets für das Konzert von Frittenbude am Sonntag, den 19. Mai um 20 Uhr Uhr im Jazzhaus. Um zu gewinnen, schicke eine E-Mail mit deinem Namen und dem Betreff "Frittenbude" an gewinnen@fudder.de

Sollten zu wenige Club-Mitglieder an der Verlosung teilnehmen, werden die Karten unter den restlichen Einsendungen verlost. Teilnahme ab 18 Jahren, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsendeschluss ist Freitag, der 17. Mai, um 12 Uhr. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt.


Ahoii Festival 2019

Das Ahoii Festival 2019 findet vom 16. Mai bis 19. Mai in verschiedenen Locations in Freiburg statt. Los geht’s am Donnerstag, 16. Mai mit International Musik im Räng Teng Teng. Am Freitag, 17. Mai, folgen Say Yes Dog, Impala Ray, Neufundland und Das Moped im Jazzhaus. Am Samstag, 18. Mai, spielen Kid Simius, Rikas und Ilgen-Nur, ebenfalls im Jazzhaus. Den Festivalabschluss bilden Frittenbude am Sonntag, 19. Mai, im Waldsee.

  • Was: Frittenbude auf dem Ahoii Festival
  • Wann: Sonntag, 19. Mai, 20 Uhr
  • Wo: Waldsee

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