Freispruch für drei Funpark-Türsteher

Aljoscha Harmsen

Seit langem kursieren Gerüchte über einen Nebenraum in der Freiburger Diskothek Funpark, in dem Übergriffe von Türstehern auf Gäste erfolgen sollen. Heute wurde im Amtsgericht Freiburg ein Fall verhandelt, bei dem laut Anklageschrift drei Türsteher einen Gast ohne ersichtlichen Grund in besagten Nebenraum verschleppt und dort misshandelt haben. Hier der Bericht vom Prozess mit geänderten Namen.

Tathergang

Auf den Anklagestühlen sitzen drei Funpark-Türsteher: Michael B., ein 34-jähriger gelernter Industriekaufmann, Abteilungsleiter der Security und Vater eines Kindes, Frank F., ein 33-jähriger, lediger gelernter Kaufmannn, sowie der 31-jährige, ledige Jens W. ohne Berufsausbildung. Frank und Jens arbeiten mittlerweile nicht mehr als Türsteher.

Ihnen wird vorgeworfen, am Morgen des 23. Juli 2006 gegen 4.30 Uhr Paul A. unbegründet in einen Nebenraum des Kassenbreichs geführt, dort an die Wand gedrückt und auf den Boden geworfen zu haben. Dabei sollen sie das am Boden liegende Opfer außerdem getreten haben, wobei Prellungen an der rechten Schulter und am Oberkörper entstanden sind. Die Anklage lautet auf Körperverletzung und Freiheitsberaubung.

Michael sagt aus, dass Gäste üblicherweise in den Nebenraum geführt werden, wenn sie nicht zahlen können, damit ihnen dort, abseits des Gästeverkehrs, eine Rechnung ausgestellt wird. Er gibt an, bei den Geschehnissen der Nacht nicht dabei gewesen zu sein, sondern nur gesehen zu haben, wie Paul in den Nebenraum geführt wurde. Die beiden anderen Angeklagten machen keine Aussage zum Tathergang.

Paul selbst kann sich nicht sehr genau an den Abend vor eineinhalb Jahren erinnern. Er hatte laut Polizeibericht 2.08 Promille Alkohol im Blut und behauptet, dass er von mehreren Securitys im "Purzelbaum" grundlos ergriffen und in den Nebenraum geführt und an die Wand gedrückt wurde. Schließlich habe er sich auf dem Boden wiedergefunden, wobei er auf Nachfrage der Anwälte nicht sicher sagen konnte, ob er nur das Gleichgewicht in Folge seines Alkoholpegels verloren habe, oder zu Boden gestoßen wurde. Auch hält er es  für möglich, dass nicht auf ihn eingetreten wurde, als er am Boden lag, sondern dass jemand über ihn gestolpert ist - vielleicht auch mehrmals. Er habe dann an der Kasse bezahlt und sei durch den Haupteingang rausgegangen.



Paul spricht leise und lässt sich vom Richter fast jedes Wort aus der Nase ziehen. Die Angeklagten schaut er so gut wie nie an. Nachdem deutlich wird, dass er sich an kaum etwas sicher erinnern kann, stellt der Verteidiger von Michael den Antrag, die Beweisaufnahme abzukürzen, da ohnehin alles auf einen Freispruch hinauslaufe. Auf Intervention des Staatsanwaltes wird sie dennoch fortgeführt, da noch zu klären ist, ob der Tatbestand der Freiheitsberaubung erfüllt sei oder nicht.

Zwei geladene Zeugen, die gesehen haben wollen, wie Paul abgeführt wurde, sind heute zur Verhandlung nicht erschienen. Die Zeugin Regina E., die zu besagtem Zeitpunkt im Funpark am Grill im Außengelände vor dem Purzelbaum arbeitete, berichtet, dass im Juni oder Juli eine Schlägerei zwischen zwei Personen stattfand, wobei eine aus dem Purzelbaum herauskam und ihrer Statur nach dem Angeklagten ähnlich sah. Die Person, die die Schlägerei begonnen hat, wurde ihrer Aussage nach von Frank und Jens abgeführt. Dass es sich hierbei um die Vorgeschichte des heute verhandelten Falls handelt, kann sie aber nicht mit Sicherheit sagen.

Geschäftsführer Günther W., der sich auch in dem ominösen Nebenraum aufgehalten haben soll, kann sich an den Vorfall nicht mehr erinnen, sondern bestätigt lediglich, dass öfter Kunden in den Nebenraum geführt werden, wenn sie nicht zahlen können, damit dort mit ihnen abgerechnet wird.

Die Ungereimtheiten

Es gibt eine Kamera, die den Nebenraum, in dem Paul die Verletzungen zugefügt worden seien sollen, überwacht. Das Video dieses Abends ist allerdings abhanden gekommen. Als die Polizei am gleichen Abend nach den Videoaufzeichnungen gefragt hat, erhielt sie ein Band vom Vortag. Als sie daraufhin zurückkam und das richtige Videoband verlangte, gab es keins. Das Problem, dass manchmal kein Band eingelegt wurde oder Aufnahmen verschwunden sind, gab es im Funpark nach Aussage von Michael schön öfter.

Das Urteil

Die Angeklagten werden in allen Anklagepunkten freigesprochen. Grund dafür ist, dass der Tathergang aufgrund der fehlenden Videoaufzeichnung und der Erinnerungen der Zeugen nicht eindeutig zu rekonstruieren ist.

Ein Zitat

Das fehlende Videoband wird vom Richter zur Sprache gebracht, wobei sich Michael zu Wort meldet: "Aus meiner Erfahrung werden solche Vorfälle per Video dokumentiert.
Der Richter: "Aus meiner nicht."