fudder-Serie

Freiburgs schönste Stüble: "Zum Fuhrmann" in der Oberau

Andreas Meinzer

Sie sind urig, gemütlich und meistens die letzte Heimstätte für Raucherinnen und Raucher: In der fudder-Serie "Freiburgs schönste Stüble" stellen wir Kneipen in Freiburg vor, die diesen Titel verdient haben. Heute: Zum Fuhrmann in der Oberau.

Stüble – oder: Eckkneipen – sind ein Reservoir der Ruhe und Gemütlichkeit, gerade auch dann, wenn andere Kneipen und Bars mal wieder ungerechtfertigterweise aus allen Nähten platzen. Sie sind außerdem eine der letzten Heimstätten für Raucherinnen und Raucher, die nicht gerne in der Kälte stehen, wenn sie qualmen wollen. Die ungern dafür die bierselige Runde oder die Theke verlassen.


"Der schönste Platz ist immer an der Theke", dieser Karnevalsschlagertitel gilt programmatisch für jedes gute Stüble – und ganz besonders bei Ludwig Malic im "Fuhrmann". Vor 52 Jahren "als kleiner kroatischer Bauernlümmel", wie dieser selbst sagt, in Tomislavgrad (Thomasstadt), Bosnien-Herzegowina, geboren, kam er als Dreijähriger nach Deutschland, wo sein Vater bereits seit 1964 im Zuge der Anwerbung von Arbeitskräften auf dem Bau schuftete. Als diesem eine Granitplatte auf die Füße krachte und er seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte, war er einer der ersten ehemaligen Gastarbeiter, die in Freiburg eine Konzession für den Betrieb einer Gaststätte bekamen. Seine letzte Station als Gastwirt war ab 1990 die Lokalität "Zum Fuhrmann", die vor elf Jahren Sohn Ludwig von seinem Vater übernahm.

Spezialitäten aus der Balkan-Küche

Gemeinsam mit seiner Frau Manda (48) serviert er hier neben Bier, Sliwowitz, Schnitzel, Steaks und Vesper-Gerichten insbesondere Spezialitäten aus der Balkan-Küche: Hacksteak gefüllt mit Fetakäse, Djuvec-Reis – und natürlich Cevapcici. Alles hausgemacht und hinsichtlich Geschmack und Portionsgröße für 10 bis 12 Euro sehr preisgünstig. Das Rezept für die köstlichen, saftigen Hackfleischwürstchen mit Schweinefleisch stammt von Ludwigs Mutter (83) – und ist streng geheim. "Des koscht eine Million – dann kann man mit mir verhandeln", gibt Ludwig Malic mit badischem Akzent zu Protokoll. Er bezeichnet sich selbst als einen "der integriertesten Ausländer in der Stadt", doch sehe er "keinen Grund, meine Herkunft zu verleugnen".

Diese Haltung spiegelt sich auch in der Einrichtung dieses urgemütlichen Stübles – zuletzt renoviert 1979 – wider, in dem sich neben Bilder und Devotionalien des SC Freiburg auch Erinnerungsstücke aus Ex-Jugoslawien finden. Wie der Stein aus einer Kirche in Jajce, Wallfahrtsort für den Heiligen Johannes, die im Krieg zerstört, doch wieder aufgebaut wurde, oder ein Baumpilz aus der alten bosnischen Heimat.

Witzige Anekdoten und historisches Wissen

Wo sich Vergangenheit in der Gegenwart bewahrt, treffen sich Alt und Jung, Arbeiter und Student, Ingenieur und Hartzer. "Mein Konzept ist einfach, einen heterogenen Laden zu machen, in dem alle miteinander quatschen", fasst Malic die Philosophie des "Fuhrmann" zusammen. Und wahrlich, hier kommt der Gast, sobald er den Laden betritt und freundlich begrüßt wird, gleich mit allen ins Gespräch und "ist gleich mit jedem per Du", wie Peter Alexander einst in seinem Klassiker "Die kleine Kneipe" heiter-anrührend sang. Die Vielfalt, Heterogenität und Altersspanne des Publikums ist recht passend in der ausliegenden Zeitschriften-Auswahl repräsentiert, von der großen bunten Zeitung mit vier Buchstaben, über den "Rolling Stone", das SC-Stadionmagazin "Heimspiel", bis hin zur "Apotheken-Umschau" ("Rentner-Bravo") reicht das Sortiment an Lesestoff.

Aber eigentlich bietet Ludwig Malic, studierter Germanist und Anglist, schon genug Entertainment durch seine ganze Persönlichkeit, witzige Anekdoten, historisches Wissen, seine Playlist – von Stones, über Prince bis Deutschpunk – oder kenntnisreiche cineastische Ausführungen. Man spreche ihn nur auf Stanley Kubrick an! Spielautomaten und Sky gibt es hier nicht mehr – und braucht es auch nicht. Im "Fuhrmann" wird hingegen gern Dart gespielt – bis in den späten Abend respektive nachts. "Ich lass so lange auf, wie Leute hier sind. Es hängt von der Atmosphäre ab, nicht von der Anzahl der Leute", bemerkt Ludwig zu den Öffnungszeiten seines Lokals. Und: "Es muss mir Spaß machen. Zum Glück fällt mir immer was ein – und sind immer nette Leute da."

Der "Fuhrmann" bietet auch für größere Runden Platz. Neben dem Thekenraum mit (nicht mehr regelmäßig besetztem) Stammtisch gibt es noch einen größeren, in dem – im Gegensatz zur Theke – nicht geraucht werden darf. In den warmen Monaten lädt zusätzlich ein Biergarten zum Verweilen ein.

Fazit: Leckeres, preiswertes Essen, gemütliches Interieur, angenehmes Publikum, grundsympathische Betreiber und es darf fleißig geraucht werden – was will man mehr? Okay – das Bier ist von Ganter. Aber ansonsten gilt, um eine andere bekannte fudder-Rubrik zu zitieren: "Ausgehbefehl!"

Adresse und Anfahrt

Zum Fuhrmann
Bleichestraße 2
79102 Freiburg
0761 / 34 700
E-Mail: fuhrmann-freiburg@web.de

Linie 1 (Littenweiler/Landwasser) bis Alter Messplatz, "Fuhrmann" an der Ecke Schwarzwaldstr./Bleichestraße gleich in Sichtweite.

Öffnungszeiten

Dienstag bis Freitag 14 bis 24 Uhr
Samstag und Sonntag 14 bis 2 Uhr
Montag Ruhetag