Nach Protesten

Freiburgs OB Martin Horn stoppt Fällung der 190 Bäume am Keidel-Bad

Manuel Fritsch & Simone Höhl

Es hagelte Kritik und Proteste, nun hat Oberbürgermeister Horn den vorläufigen Stopp der Rodung von 190 Bäumen am Eugen-Keidel-Bad angeordnet. Die Fällungen sind bis auf Weiteres verschoben.

Die anhaltenden Proteste gegen die Fällung von 190 Bäumen am Keidel-Bad haben Wirkung gezeigt: Oberbürgermeister Martin Horn hat die Pläne vorerst gestoppt und will die Lage noch einmal prüfen lassen – auch im Bezug auf mehr Busse ins Bad. Im Gemeinderat wurde die Entscheidung, nochmals über Alternativen zu Baumfällungen und Parkplätzen nachzudenken, begrüßt.


Eine nüchterne Pressemitteilung leitete am Dienstag Nachmittag den taktischen Rückzug ein: Oberbürgermeister Martin Horn hat die geplante Teilrodung im Mooswald erstmal gestoppt, auch der geplante Parkplatz wird erstmal nicht gebaut – bis auf Weiteres. Am Keidel-Bad sollten für die neue Parkfläche 190 Bäume fallen.

Während die Rodungen ausgesetzt sind, könnte der öffentliche Nahverkehr ins Bad schon jetzt ertüchtigt werden; entsprechende Untersuchungen hat der OB in Auftrag gegeben. In Abstimmung mit den Nachbarn des Bades sollen die Parkplätze in Zukunft bewirtschaftet werden – also Geld kosten –, außerdem könnten häufiger Busse ins Bad fahren. Möglicherweise werden die Ticketgebühren für den öffentlichen Nahverkehr dann mit dem Eintrittsgeld ins Keidel-Bad verrechnet.

Sowohl die städtische Wohnbaugesellschaft Stadtbau als auch das Finanzdezernat seien angehalten, "die konkreten Erfordernisse vor dem Hintergrund der vorherrschenden Parkplatzsituation am Eugen-Keidel-Bad erneut zu überprüfen", so die Mitteilung. Anfang nächster Woche sollen Alternativen in einem Fraktionsgespräch diskutiert werden. Anschließend werde geprüft, ob sie auch praktikabel sind. Und: "Die Wirksamkeit des Gesamtkonzeptes wird nach einer Testphase evaluiert."

Im Gemeinderat wurde die Entscheidung begrüßt. Stadtrat Michael Moos (Eine Stadt für alle), der sich unter anderem in der BZ für einen Erhalt der Bäume ausgesprochen hatte, sagte, er freue sich, "dass die Bewegung, an der auch wir beteiligt waren, Erfolg hatte und es nun Zeit gibt, nochmals nachzudenken." Nun gelte es, diese Zeit zu nutzen, um Alternativen zu neuen Parkplätzen zu prüfen. Es sei wichtig, dass mit der Entscheidung jetzt ein Zeichen für den Klimaschutz gesetzt wurde.

"Eine Taktverdichtung des 34er-Busses halte ich nach wie vor für Quatsch." Stefan Schillinger (SPD/Kult)

Grünen-Stadträtin Maria Viethen äußerte sich ähnlich. "Für uns waren die Gründe von Stadtbau und Stadtverwaltung nicht stichhaltig und das haben wir dem Oberbürgermeister am Montag auch nochmals dargelegt", sagte sie der BZ. Seitdem habe bei diesem wohl ein Umdenken eingesetzt. "Ich hoffe, dass wir dazu auch ein wenig beigetragen haben", so Viethen. Nun müsse die Lage am Bad nochmals durchdacht werden. "Wir wollen ein neues Verkehrskonzept", sagte Viethen.

Die Ankündigung, nochmals Alternativen zu den geplanten Parkplätzen zu prüfen, begrüßte auch Stefan Schillinger (SPD/Kult), der die geplanten Fällungen in der BZ verteidigt hatte. Seine Fraktion habe vorgeschlagen, ein vierstöckiges Parkhaus zu prüfen und auch mit der benachbarten Klinik und dem Hotel zu sprechen. "Eine Taktverdichtung des 34er-Busses halte ich nach wie vor für Quatsch", sagte Schillinger zu den Plänen, die ÖPNV-Anbindung zu verbessern. Schließlich fahre der Bus nicht an einer zentralen Stelle ab. Stattdessen könne er sich einen Shuttlebus vom ZOB vorstellen. Er freue sich nun auf das Fraktionsgespräch kommenden Montag, an dem solche Alternativen besprochen werden sollen.


Die Vorgeschichte

Betreiberin des Keidel-Bads ist die Freiburger Kommunalbauten GmbH, eine Tochter der städtischen Wohnungsgesellschaft Stadtbau. Seit 2016 läuft die aktuelle Sanierung, die 18,4 Millionen Euro kostet. Mitte Juli wird bekannt, dass der Parkplatz auf 400 Plätze verdoppelt werden soll. 190 Bäume sollen weichen. Viele BZ-Leserinnen und Leser reagieren mit empörten Zuschriften – bis heute.

Am 8. August verteidigt die Stadtverwaltung ihr Vorhaben als sachlich und rechtlich klar. Die ehrenamtliche Naturschutzbeauftragte Dagmar Reduth sieht zwar den Artenschutz nicht tangiert, warnt aber vor den langfristigen Folgen fürs Klima. Es gibt eine Online-Petition gegen das Abholzen.

Am 21. August bekräftigt Oberbürgermeister Martin Horn, an den Plänen festzuhalten, und kündigt an, für jeden gefällten Baum zwei neue zu pflanzen.

Der Widerstand wächst. Die Fraktionen von "Eine Stadt für alle" und JUPI sprechen sich am 30. August gegen die Rodung aus. Am vergangenen Samstag radeln 200 Demonstranten zum Bad.

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