Freiburger Web-Fernsehen in Echtzeit: Zaplive.tv

Jan Funk

Das Internet wird immer schneller und aktueller: WebTV in Echtzeit ("Live-Broadcasting") heißt das Zauberwort. Die junge Freiburger Firma "Zaplive.tv" ist auf diesen Zug aufgesprungen - und programmiert in diesen Tagen ein Online-Portal für all diejenigen, die etwas live im Internet zeigen wollen, egal von welchem Ort der Welt. Jan Funk stellt euch Zaplive.tv vor.



Wir befinden uns im elften Stock eines Bürogebäudes in der Karlsruher Straße im Stadtteil Zähringen. Große Fenster, viel Licht und ein toller Blick über Freiburg. In der Mitte des Raums steht ein großer Tisch, darauf: Bildschirme, PC, Camcorder, Batterien und Kabel, Kabel, Kabel…  Alles wirkt ein bisschen durcheinander und halbfertig. Der Schein trügt nicht: Zaplive.tv geht erst in wenigen Tagen wirklich auf Sendung. Es herrscht Deadline-Fieber!


„Jeder kann bei uns mit einem Camcorder und einem PC mit Internetzugang von überall her live zeigen, was er gerade macht, und was bei ihm passiert“, sagt Christian Steiger (Bild unten), einer der Geschäftsführer und Mitbegründer von Zaplive.tv, einer Live-Streaming-Plattform mit Sitz in Freiburg, die am kommenden Samstag, (12. April) online geht.

Und so funktioniert es: Ein Online-User muss einen Camcorder an einen PC mit Internetzugang anschließen. Die Aufnahmen werden dann über das Zaplive-Studio direkt ins Internet übertragen und so in Echtzeit live im Netz gezeigt. Ein physischer Datenträger, auf dem die Daten gespeichert werden, ist also nicht mehr nötig, da das Signal und die Bilder „direkt ins Studio geschleift werden“. Zuschauen kann jeder. Um Zaplive als Sender und Produzent nutzen zu können, muss man sich (kostenlos) bei der Plattform anmelden.



User werden bei Zaplive aus über 20 verschiedenen Channels – zum Beispiel Autos & Verkehr, Sport, Kirche oder Nightlife – auswählen können. Producer (also diejenigen, die die Sendung filmen) haben die Möglichkeit, einen eigenen Fernsehsender zu produzieren, auf dem theoretisch täglich 24 Stunden lang das eigene Programm zu sehen ist. Ganz wichtig: Alles ist live! Der Producer kann trotzdem entscheiden, ob sein Live-Stream während der Übertragung aufgezeichnet wird. In diesem Fall kann die Aufzeichnung zu einem späteren Zeitpunkt nochmals abgespielt werden.



24 Stunden live auf Sendung

Die Idee für das Live-Streaming stammt aus den USA. Dienste wie Ustream.tv, Mogulus.com oder Stickam.com bieten dort schon seit längerer Zeit Live-Broadcasting an. Der Erfolg solcher Websites ist vor allem am Beispiel Justin.tv zu sehen.

Justin Kan, der Gründer von Justin.tv, setzte sich im März 2007 eine Kamera auf den Kopf und begann 24 Stunden lang sieben Tage die Woche live ins Internet zu übertragen. Nur sechs Monate später wurde die Site offen für freie Livestreams.

Auf Ustream.tv beispielsweise stehen Live-Streams vom eigenen Arbeitsplatz , aber auch Radiosendungen ganz hoch im Kurs. Übrigens: Auch fudder hat (obgleich ohne Bewegtbild) schon ein erstes Experiment im Bereich Live-Broadcasting gestartet - das Playoff-Radio der Wölfe Freiburg (Konserve zum Anhören: Ausschnitte aus der entscheidenden 7. Partie im Viertelfinale Wölfe - Hannover).

Live-TV per Handy: Mobile Broadcasting

Inzwischen funktioniert Live-streaming sogar schon über das Handy. Hier gibt es extra Websites, die sich nur darauf spezialisiert haben. Qik.com ist eine davon. Dabei ersetzt das Handy den Camcorder, vorausgesetzt, das Mobilfunkgerät erfüllt die entsprechenden Video-Funktionen. Streamen mit dem Handy ist bei der Freiburger Firma Zaplive noch nicht möglich. „Aber spätestens bis Juli 2008 wollen wir das im Programm haben“, ist sich Thomas Häfner (Bild unten), ebenfalls Geschäftsführer und Gründer, sicher.



Häfner (44) studierte Jura in Karlsruhe und machte sein Referendariat am Landgericht Karlsruhe, bis er nach dem zweiten Staatsexamen in der IT-Branche landete. Zusammen mit Christian Steiger (34), Diplominformatiker aus Freiburg, gründete er 2007 die Zaplive Media GmbH. Später stieß Christian Steiner (32) dazu, ein studierter Journalist aus Laupheim bei Ulm. Er übernahm den Posten des PR- und Marketing-Mannes.

Mit einem Team von insgesamt elf Mann, verteilt auf Villingen-Schwenningen Berlin und die Zentrale in Freiburg, wird seit November 2007 fieberhaft an der Realisierung des Projekts gearbeitet.

Doch was ist mit der möglichen Verletzung von Urheber- oder Persönlichkeitsrechten? „Für die Inhalte der Sendungen sind ausschließlich die Producer verantwortlich“, sagt Thomas Häfner. Dies sei auch durch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) abgesichert. Sobald ein „zu beanstandender Inhalt“ entdeckt werde, werde er gelöscht und der User, der ihn ins Netz gestellt hat, ermahnt oder gesperrt. Allerdings soll es bei Zaplive keine regelmäßigen Kontrollen geben. Es wird darauf gesetzt, dass die User anstößige oder justitiable Inhalte melden.

Was kann man mit Zaplive.tv machen?

Spannend ist vor allem die Frage, wie die User die neue Freiburger Plattform  nutzen werden. Werden sie Fußballspiele aus Kreisligen übertragen? Spieleabende in den eigenen vier Wänden? Oder den Auftritt der eigenen Band? "Wir geben jedem eine Plattform, um sich der Welt zu präsentieren", sagt Christian Steiger.



Zaplive wird ähnlich funktionieren wie die amerikanischen Live-Streaming-Plattformen. Ein Unterschied bestehe laut Häfner darin, dass den Producern geholfen wird. „Wir geben Tipps, was man besser machen kann, aber ohne unsere Meinung aufzudrücken." Zusätzlich wird es die Plattform in vier Sprachen geben.

Auch bei der Werbung gibt es Unterschiede. Diese soll nicht einfach auf der Seite erscheinen, sondern passend zu jedem Kanal geschaltet werden. Ein Werbekunde kann sich einen Channel aussuchen, und diesen dann für eine Zeit mieten, zum Beispiel „Auto & Verkehr“ für eine Woche. Dann wird vor jedem Live-Stream ein kurzer Werbespot dieser Firma (maximal zehn Sekunden) gezeigt, ein sogenannter „Openerspot“. So soll die Werbung zur Thematik passen und nicht wahllos auf der Seite „hängen“.

Geplant sei auch, die Producer nach Abschluss der „Beta-Phase“ an den Werbeeinnahmen zu beteiligen. Wie hoch dieser Anteil tatsächlich sein wird, steht allerdings noch nicht fest. Genauso wenig ist der Erfolg von Zaplive vorherzusehen. Die Aussicht aus dem 11. Stock allerdings ist nicht die schlechteste. Und das Terrain, das die Freiburger Firma betritt, ist eines der aufregendsten, das das Internet in diesen Tagen zu bieten hat.

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