Freiburger, warum wollt Ihr nicht zum EM-Public-Viewing?

Joachim Röderer

Die deutsche Nationalelf steht im Viertelfinale der Europameisterschaft - doch beim Public Viewing in Freiburg bleiben viele Plätze frei. Warum?



Der Jubel war groß und laut, als Boateng, Gomez und Draxler am Sonntagabend gegen die Slowakei ins Tor trafen. Tausende haben in Freiburg in Dutzenden von Lokalen und Biergärten gemeinsam Fußball geschaut. Aber: Die Besucherzahlen – so zeigt eine Umfrage nach den ersten vier Spielrunden – bleiben deutlich hinter denen der Fußball-WM 2014 und noch deutlicher hinter dem Fußballsommermärchen von 2006, als das Public Viewing förmlich durch die Decke ging.


"Es wird zunehmend besser", meint Christoph Römmler von Karo Events, der die Fanmeile an der Messe ausrichtet und dort die Spiele mit deutscher Beteiligung überträgt. Dafür hat er mit seinen Partnern einen sechsstelligen Betrag in die Hand genommen. "Bislang kommen wir plus/minus null raus", sagt er. Getrübt hat seine Bilanz das schlechte Wetter.

Schlechtes Wetter, keine Fans

Schon bei der WM vor zwei Jahren kämpfte der Public-Viewing-Veranstalter mit Wetterpech: "Da dachte man, es geht nicht schlimmer – aber da haben wir uns getäuscht." Immerhin: Am Sonntag war es besser. Da kamen dann auch 6000 Besucherinnen und Besucher. Doppelt so viele haben auf dem Gelände Platz.

Doch Freiburg ist kein Einzelfall. Denn Karo Events und die Firma SDS Sicherheit richten auch Public Viewing in Emmendingen und Lahr aus. Auch dort lag die Auslastung bislang bei maximal 50 Prozent. Römmler setzt jetzt auf die Kracherspiele ab dem Viertelfinale und ein stabiles Hoch, um die Ausgaben wieder einzuspielen. "Public Viewing ist immer auch ein Risiko", sagt der Veranstalter.

Klar ist aber auch: Endet die Veranstaltung an der Messe im Minus, wird es in Freiburg vermutlich in Zukunft keine XXL-Fanmeile mehr geben. Außer Römmler und seinen Mitstreitern hatte sich niemand um die Ausrichtung beworben – wie auch schon 2014. Damals ist es finanziell gut gegangen. Beim Endspiel schaffte Jogi Löw den WM-Sieg – und verhalf der Freiburger Fanmeile durch das Finale zum Sprung in die Gewinnzone.

Freie Plätze selbst bei deutschen Spielen

Anderswo in der Stadt zeigt sich ebenfalls im Vergleich zur WM 2014 ein Rückgang beim Zulauf der Fans. Die "Mehlwaage" am Martinstor ist sonst bei deutschen Spielen immer ausgebucht – drinnen und draußen. Am Sonntag war das anders, da blieben noch ein paar Plätze frei. "Insgesamt war es bei der EM zwar gut, aber so richtig die Hölle war nicht los", meint Gastronom Orhan Celik, in dessen Lokal alle Spiele gezeigt werden.

"Es ist okay", lautet das Zwischenfazit von Gerhard Spiecker vom "Ganter Hausbiergarten". Der Biergarten war am Sonntag voll, bei den deutschen Spielen davor füllten sich die Reihen nur halb oder bis zu zwei Dritteln. Auch Spiecker verweist auf das schlechte Wetter – und die allgemeine Stimmungslage: "Die Euphorie ist im Moment einfach noch nicht so da, wie es etwa 2014 war."

Beim Enchilada am Karlsplatz schauten am Sonntag 1060 Fans draußen und 200 drinnen. "Das war schon mal ganz gut", so Geschäftsführer Mark Antal. Aber auch beim Enchilada kommen weniger Zuseher als vor zwei Jahren. Es fehle insgesamt eben an Stimmung. "Aber beim Viertelfinale am Samstag müsste es eigentlich funktionieren", so der Enchilada-Chef. Er spricht aus, worauf viele Gastronomen und Veranstalter bauen: "Hoffentlich kommt Deutschland weiter."

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[Foto: Patrick Seeger/dpa]