Freiburger Warenwelt: Schuhreparatur von Hans Kiefer und Maria Beate Schend

Stephan Elsemann

Hans Kiefer und Maria Beate Schend reparieren Schuhe, Hans Kiefer seit 55 Jahren, Maria Beate Schend seit sechs Jahren. Ihr Werdegang ist sehr unterschiedlich. In einem Punkt sind sie sich einig: Schuhe reparieren lassen lohnt sich. [2015 wurde das Geschäft Hans Kiefers aufgelöst.]



Hans Kiefer – 8000 Paar Schuhe im Jahr

[2015: Das Geschäft wird aufgelöst.]

"Sagen Sie nicht Schuster!" – Schuhmacher heißt er Beruf, in dem er ausgebildet wurde. Hans Kiefer ist Schuhmacher seit 55 Jahren. Tagein, tagaus macht er nichts anderes, als Schuhe zu reparieren, manchmal bis spät in den Abend.

Es sind 8000 Paare im Jahr. Und er kann sich ein bisschen darüber aufregen, dass so viel Schuhe weggeworfen werden. Zehn Tonnen Schuhe landen in der Ökohauptstadt Freiburg im Müll. Jeden Monat.

Es rechnet sich nämlich kaum, zwanzig Euro in eine Reparatur zu investieren, wenn die Schuhe nur vierzig Euro gekostet haben. Dabei lässt sich fast jeder Schuh reparieren, wie Hans Kiefer an einem motzigen silbernen No-Name-Turnschuh beweist, dem er furchtlos eine neue, stabilere Gummisohle verpasst.

Wie viele Schuhe in seinem Geschäft stehen, weiß Hans Kiefer nicht einmal ungefähr. Aber finden tut er sie alle. Manchmal stehen sie lange bei ihm, bis sie abgeholt werden. Und in einem Fall warteten sie vergeblich. Der Besitzer wurde von seiner Gattin, die sie noch kurz zuvor zum Besohlen abgegeben hatte, erschossen. Er brauchte seine Schuhe nun einfach nicht mehr.

Maria Beate Schend – Traumberuf mit Spitzen und Absätzen

Bei Maria Beate Schend geht es übersichtlicher zu. Vor sechs Jahren eröffnete sie ihre Werkstatt in dem kleinen Häuschen am Wiehrebahnhof und fand nach einigen Umwegen endlich zu ihrem Traumberuf. Schon als Kind wollte sie Schuhe reparieren, warum, kann sie heute nicht mehr sagen. Doch als Abiturientin sollte sie studieren und wurde zuerst einmal Grafik-Designerin.



Sie betreibt ihren Beruf mit Augenmaß. Aufgeräumt, hell und freundlich geht es zu. Platz ist da zum Arbeiten, Platz auch für Blumen, die gelegentlich auch Kunden mitbringen. Platz auch zum Leben, denn die nette Atmosphäre überträgt sich und immer wieder kommen Menschen auf ein Schwätzchen herein und sie selbst gönnt sich einen Kaffee oder auch mal einen Rotwein zwischendurch. Bis elf Uhr abends in der Werkstatt zu stehen, käme für sie nicht in Frage.



So, wie es Hans Kiefer macht, das könne sie nicht, sagt sie mit großer Bewunderung für den Kollegen. Einmal in der Woche besucht sie ihn in seiner Werkstatt, um dort an speziellen Maschinen zu arbeiten, die sie in ihrer Werkstatt nicht hat.

Notizen für den Einkaufszettel

Bei den Preisen halten sich die beiden bedeckt. Denn es kommt immer auf den Einzelfall an und vieles ist auch individuell verhandelbar. Man sollte den Weg aber nicht scheuen. In beiden Betrieben herrscht ein extrem hohes Berufsethos. Und auch schwierigste Patienten werden so schnell nicht abgewiesen.



Nicht mal Billigschuhe, die bei der Reparatur sogar verbessert werden können. Hans Kiefer versucht sich immer wieder daran. Vor allem am Unterbau wird bei der Herstellung gespart – mit Material vor allem. Mit hohlen Absätzen aus Hartplastik, etwa. In solchen Fällen schleift Herr Kiefer den Absatz ab, baut ihn wieder auf und klebt einen soliden Gummiabsatz drauf.



Ein bis zwei Wochen müssen je nach Schwere des Falles für die Behandlung einkalkuliert werden

Wegbeschreibung

Zum Absatzmarkt fährt man auf der Kajo in Richtung Günterstal bis zur Haltestelle Lorettostraße, biegt links die Urachstraße ein und fährt bis zum Alten Wiehrebahnhof. Der Absatzmarkt ist das kleine Häuschen auf dem Platz hinter dem Bahnhof.



Adressen und Öffungszeiten

Kiefer Schuhreparatur
[Geschäft wird 2015 aufgelost]

Absatzmarkt
Maria Beate Schend
Adalbert-Stifter-Straße 15
79102 Freiburg
0761-7049726

Neue Öffnungszeiten ab Februar 2017:
nur an Markttagen
Mittwoch 9 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr
Samstag 9 bis 13 Uhr
und nach Vereinbarung

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Foto-Galerie: Stephan Elsemann