Freiburger Warenwelt: Schirm Wagner

Stephan Elsemann

Ein Laden für Schirme muss eine fremde seltsame Welt sein für Menschen, die nie einen Schirm tragen. Oder sich für zwei Euro einen kaufen, erst, wenn es schon schüttet. Und doch, Maximilian Aumiller verkauft nicht nur viele Schirme, er repariert sie sogar. Er ist einer von rund einer Handvoll Schirmmachern in Deutschland.



Maximilian Aumiller und die Schirmmacherei

Viele tausend Schirme gehen jährlich durch die Werkstatt im Keller des Geschäfts in der Schusterstraße. Und es werden immer mehr. Der Schirmmachermeister wurde jetzt auch noch Generalreparateur für Baden-Württemberg. So ein prächtiger Titel kann ja nur aus Österreich kommen und tut es auch, denn dort sitzt die Firma Doppler, die unter anderem den bekannten Knirps produziert und ihn mit Reparaturaufträgen versorgt.

Seither bekommt Herr Aumiller nicht nur lädierte Schirme aus Freiburg gebracht, sondern aus ganz Baden-Württemberg zugeschickt. Die Wehwehchen sind immer die gleichen, meist sind Stangen oder Gelenke gebrochen. Fünf bis sechs Schirme schafft er in der Stunde. Das ist erstaunlich schnell dafür, dass die Arbeiten nicht ohne sind. Hauptproblem ist die Ersatzteillage. Oft will es einfach nicht passen. Gerade für ältere stabile Schirme sind Ersatzteile schwer zu bekommen, denn bei Schirmen gibt es keine Norm. Und obwohl das Ersatzteillager im Keller recht umfangreich ist, müssen immer wieder Stücke angepasst werden – Stangen gekürzt, Löcher gebohrt und Nieten geklopft.

Nicht wenige Kunden fühlen sich selbst zu Reparateuren berufen und wollen dann Ersatzteile kaufen, um sich ein paar Euro zu sparen. Das klappt meistens nicht, denn der Teufel steckt im Detail und der Frust ist recht groß, wenn der Schirm nach der Selbsthilfe seinen Dienst versagt.



Maximilian Aumiller macht den Reparatur-Job aus Spaß an der Sache und, weil er findet, dass zu einem ordentlichen Schirmgeschäft auch eine Werkstatt gehört. Das 113 Jahre alte Geschäft, das immer noch den Namen des Gründers trägt, wurde von den Aumillers in der 1960er Jahren erworben. Damals war es noch in der Kajo. Vor sieben Jahre zog es um die Schusterstraße.

Dass Herr Aumiller aus Bayern stammt, merkt man, wenn er über die Kundschaft grantelt, die ihm Schirme zur Reparatur bringen, die sie zuvor wo anders gekauft haben.

Hier und sonst nirgends

 
Denn selbstverständlich ist Schirm Wagner ein Geschäft zum Erwerb von neuen Schirmen. Rund tausend verschiedene stehen hier zur Wahl. Sie machen das Schaufenster im nüchternen Bau, der den Hof des Landgerichts zur Schusterstraße begrenzt, so farbenfroh.

Sehr gegensätzliche Erwartungen werden an einen Schirm gestellt. Groß soll er sein, um effektiv vor Regen zu schützen. Gleichzeitig soll sich klein machen, damit er in die Handtasche passt. Er muss stabil sein, damit er bei Wind nicht umklappt und dabei leicht wie eine Feder – alles auf einmal. Das geht natürlich nicht, auch wenn es Neuerungen bei Schirmtechnik gibt.

Die "Stangen", die das "Dach", aufspannen, werden häufig aus Fiberglas hergestellt, was elastischer ist als Stahl und außerdem nicht rostet. Zudem, hat Aumiller festgestellt, sind die aktuellen Stahlgestelle nicht mehr das, was sie mal waren, denn der Stahl stammt nicht mehr von Krupp in Essen sondern aus Fernost.



Auch bei der Bespannung hat sich viel getan, Kunstfaser ist Standard. Das trocknet schneller. Schirmseide, wie die Baumwolle genannt wird, die dicht genug gewebt ist, um den Regen nicht durchzulassen, ist teureren Schirmen vorbehalten.

Doch ein Schirm ist ein Gebrauchsartikel, sagt Maximilian Aumiller. Aber niemand habe Lust, Geld für etwas auszugeben, was man mit Regen und schlechtem Wetter verbinde. Und falls doch, werde erwartet, dass der Schirm unendlich haltbar sei und irgendwann zur "Erbmasse" gehöre. Die Erwartung an die Lebensdauer sei riesig, anders als bei Schuhen, die auch nicht ein Leben lang halten müssen.

Ursprünglich waren Schirme Sonnenschirme. Seit Ozonloch und Hautkrebs kommt diese Verwendung wieder in Mode und einige Schirmseiden werden bereits mit Lichtschutzfaktor beworben. Den entgegengesetzten Weg gehen transparente Polyesterschirme, die freie Sicht voraus erlauben, ohne, dass der Regen ins Gesicht peitscht. Naheliegend, doch aus Sicherheitsgründen dringend abzuraten und außerdem verboten wäre es, den durchsichtigen Polyesterschirm beim Fahrradfahren zu benutzen.

Notizen für den Einkaufszettel

Der Durchsichtschirm kostet 19 Euro. Das Verfallsdatum ist aber schon eingebaut, denn die PVC-Bespannung wird nach einiger Zeit unweigerlich spröde und rissig und lässt sich auch nicht reparieren.



Neue stabile, haltbare und reparaturfähige Taschenschirme bekommt man hier ab 30 Euro, Stockschirme mit Fiberglasstechnik ebenfalls. Ab 60 Euro bekommt man einen Stockschirm aus Stahl, teurer noch sind Schirme mit Holzstock. Nur drei, vier Firmen in Europa stellen überhaupt noch Schirme her.

Einfache Reparaturen, der Austausch einer Stange oder das Nieten eines Gelenks zum Beispiel, kosten zwischen 10 und 20 Euro. Sofort wieder mitnehmen kann man den Schirm allerdings nicht. Denn die Dienste von Herrn Aumiller sind begehrt und es wird nach Auftragseingang repariert.

Wegbeschreibung

Vom Bertoldsbrunnen Richtung Siegesdenkmal laufen, erste Straße rechts abbiegen. Das ist die Schusterstraße. Nach 200 Metern folgt Schirm Wagner auf der rechten Seite. Zwei Minuten.



Adresse

Schirm Wagner
Schusterstraße 24
79098 Freiburg
0761-39820

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag
10:15 bis 18.30 Uhr

Samstag
10:15 bis 16 Uhr

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