Freiburger Warenwelt (55): Feri Braun - Schuhe nach Maß

Stephan Elsemann

Maßschuhe sitzen wie angegossen. Der Tragekomfort persönlich angefertigter Schuhe kostet allerdings einige hundert Euro. Dafür dankt der Schuh mit langer Lebensdauer. Feri Braun, Schuhmacher im Vauban, übt ein altes Handwerk aus. Er arbeitet mit "Pech", "zwickt Schäfte" und schlägt "Quartiere" über "Leisten". Stephan war beim Rahmennähen dabei.



Feri Braun und die Erotik des Handwerks

Feri Braun kam auf Umwegen zur Schuhmacherei. Dabei war es ihm in die Wiege gelegt. Sein Großvater, der als Angehöriger einer ungarischen Minderheit in Kroatien lebte, war Schuhmacher und Landwirt zugleich. Sein Vater sollte es ihm gleichtun, wollte aber nicht und warf das Schuhmacher-Werkzeug in den Brunnen. Sohn Feri, der eigentlich Ferenç heißt, wurde zunächst Elektriker.

Erst nach dem Tod des Vaters besann er sich auf die Familientradition und begann, Schuhe herzustellen. Er fand zu den Leisten und auch zu sich selbst. Seit acht Jahren lebt er im Vauban und macht den gelassenen Eindruck eines Menschen, der angekommen ist. Wohnung und Arbeit liegen direkt beieinander, ein Mittagsschläfchen ist immer drin. Sein Auftragsbuch ist fürs nächste halbe Jahr gefüllt.



Die Kunden kommen gern zu ihm, sei es auch nur zum Plausch. Oder zum Maßnehmen. Denn das hat "auch was Erotisches", findet Feri Braun und einige seiner Kundinnen haben es "ganz gern", sich ihre Füße vermessen zu lassen. Dabei wird der Umriss der Füße auf einem Blatt Papier aufgezeichnet und die Werte für den Umfang genau notiert.

Wie ein Maßschuh entsteht

Die genauen Maße stehen am Anfang eines jeden Maßschuhs. Doch gleich mehrere Handwerkstraditionen kommen zusammen, wenn ein Maßschuh angefertigt wird: Leistenbauer, Schäftemacher und Schuhmacher.

Damit der Schuh später genau passt, wird ein Leisten angefertigt, ein Holznachbau des Fußes. Meistens ist schon ein halbwegs passender Leisten im Archiv vorhanden, der angepasst wird – hier und da etwas abgeschliffen oder mit Leder aufgepolstert.



Nun werden die Schäfte zugeschnitten – auch das war früher ein eigenes Handwerk. Schäfte sind die Lederstücke fürs Oberleder. Sie bestehen aus einem hinterem und vorderen Teil, "Quartier" und "Blatt".

Danach kommt das Zwicken – die provisorische Befestigung von Oberleder und Brandsohle am Leisten mit Nägeln. Die Brandsohle ist das "Herz des Schuhs". Sie muss von besonders gutem Leder sein, denn sie hält Oberleder und Sohle zusammen. Bei industrieller Fertigung wird hier kräftig gespart, was die Lebensdauer entscheidend verkürzt.

Nach dem Zwicken erkennt man schon den Schuh, der einmal daraus werden soll. Und jetzt folgt das Rahmennähen. Ein schmaler Streifen Leder wird umlaufend mit Brandsohle und Oberleder vernäht – mit einem extra starken Zwirn, den Feri Braun selbst herstellt aus Hanffasern, die mit "Pech", einem Harz getränkt werden.



Es fehlt noch die Sohle. Hohlräume werden mit Kork aufgefüllt und eine metallene Gelenkfeder untergebracht. Danach wird die Laufsohle von außen mit dem Rahmen vernäht. Es ist diese Naht, die man beim fertigen Schuh sieht.

Rund fünfzehn Stunden Arbeitszeit benötigt Feri Braun für ein Paar rahmengenähter Schuhe.

Notizen für den Einkaufszettel

An dieser Stelle sei die Anekdote vom Geizhals erwähnt, der aus Sparsamkeit einen Rolls Royce fährt. Weil der ja nun mal am längsten hält. Diese Einstellung ist recht hilfreich, wenn man ernsthaft daran denkt, sich Maßschuhe anfertigen zu lassen.

Denn Maßschuhe sind teuer. Die Preise beginnen da, wo Konfektionsware aufhört. 380 Euro ist der Einstiegspreis bei Feri Braun. Damit liegt er eher am unteren Ende. Rahmengenähte Schuhe kosten wegen der vielen Arbeitsstunden noch einmal rund 450 Euro mehr.



Man kann davon ausgehen, dass die Schuhe mindestens zehn Jahre halten. Daher gehören extrovertiert modische und zeitgebundene Designs eher zu den seltenen Wünschen.

Feri Braun repariert auch Schuhe, dies zu den Preisen der anderen Schuhmacher der Stadt.

Wegbeschreibung

Stadtauswärts über die Basler Straße oder vom Bahnhof aus über die Heinrich-von Stephan-Straße fahren und weiter über die Merzhauser Straße Richtung Vauban.

Von der Merzhauer Straße rechts in die Wiesentalstraße abbiegen, bei der ersten Straße links abbiegen und schon ist man in der Marie-Curie-Straße. Das Haus an der rechten Seite mit der Werkstatt von Feri Braun ist unverkennbar. Zehn bis 15 Minuten mit dem Fahrrad.



 

Adresse

Feri Braun
Marie-Curie-Straße 7
79100 Freiburg
0761-1377916
feri.braun@web.de

 

Öffnungszeiten

Dienstag, Mittwoch, Donnerstag von 9 bis 13 Uhr
und 15 bis 18.30 Uhr
und nach Vereinbarung

Mehr dazu:

Freiburger Warenwelt: Schuhreparatur Hans Kiefer und Beate Maria Schend
fudder-Serie: Freiburger Warenwelt

 

Foto-Galerie: Stephan Elsemann