Viele Investitionen, großes Defizit

Freiburger Verkehrs-AG muss sparen – Gibt es bald höhere Ticketpreise?

Simone Lutz

Die Freiburger Verkehrs-AG muss sparen – und das heftig. Ihr Defizit ist auf mehr als 22 Millionen Euro gestiegen. Jetzt stehen Veränderungen an: Fahrkarten werden wohl teurer, der Ausbau neuer Strecken ist auf Eis gelegt und das Liniennetz wird gestrafft.

Die Freiburger Verkehrs-AG muss sparen – und das heftig. Weil das Defizit des Verkehrsunternehmens auf mehr als 22 Millionen Euro gestiegen ist und nicht mehr über die Stadtwerke ausgeglichen werden kann, stehen Veränderungen an: Fahrkarten werden aller Wahrscheinlichkeit nach teurer werden, der Ausbau neuer Strecken ist auf Eis gelegt, das Liniennetz wird gestrafft und die anderen Unternehmen im Regio-Verkehrsverbund Freiburg sollen mehr an die VAG zahlen(Kommentar). Oberbürgermeister Dieter Salomon: "Wir müssen konsolidieren."


In den vergangenen Jahren hat die VAG ein großes Rad gedreht: hat unter anderem Gleise saniert wie in der Schwarzwaldstraße, eine Tram zur Messe gebaut, die Stadtbahn nach Zähringen verlängert, derzeit laufen die Bauarbeiten für die neue Linie über den Rotteckring. Fünf neue Stadtbahnlinien in den letzten 13 Jahren, dazu große Sanierungsmaßnahmen, und das alles in relativ kurzer Zeit, weil sonst nämlich Zuschüsse aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz – immerhin 65 Prozent der Kosten – verloren gegangen wären.

OB Salomon: "Kommen in Schieflage"

Diesen großen Brocken muss das Unternehmen jetzt erstmal verdauen. Denn auch den Stadtwerken stößt das Investitionsprogramm der VAG inzwischen sauer auf. Die Stadtwerke sind ein steuerlicher Querverbund, in dem die Verluste der VAG (und der Bäder) mit den Gewinnen des Energieunternehmens Badenova ausgeglichen werden. Doch nun, da die VAG immer mehr Minus macht, "kommen wir in eine Schieflage", wie Oberbürgermeister Dieter Salomon am Donnerstag sagte.

Die Zahlen sind deutlich: Hochgerechnet 17,4 Millionen Euro Gewinn überweist Badenova in diesem Jahr, insgesamt rund 26,3 Millionen Verluste werden VAG (22,3 Millionen) und die Bäder (4 Millionen) ansammeln. Bleibt für die Stadtwerke, die das verrechnen muss, ein Defizit von 9,6 Millionen Euro – im vergangenen Jahr waren es noch rund 6 Millionen Euro.

"Wir müssen uns über Tarife Gedanken machen." Oliver Benz
Um gegenzusteuern, hat Finanzbürgermeister Otto Neideck zusammen mit den VAG-Vorständen Stephan Bartosch und Oliver Benz einen Konsolidierungskurs für das Jahrzehnt ab 2020 verabredet. Und der hat es in sich. "Wir müssen uns über Tarife Gedanken machen", kündigt Oliver Benz an. Klar sei, "dass wir in der Stadt tariflich an Grenzen gestoßen sind", wie OB Salomon sagt. Das heißt: Wer als Freiburger eine Regiokarte kauft, findet sie teuer – wer im Umland wohnt und eine kauft, empfindet sie als günstiger. Die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis werde man diskutieren.


In absehbarer Zukunft wird es außerdem keine neuen Linien der Straßenbahn geben. "Die Linie nach St. Georgen, die immer mal wieder herumgeistert, wird in den 20er Jahren definitiv nicht laufen", so OB Salomon. Sollte dennoch eine neue politisch gewünscht sein, müsste sie aus dem städtischen Haushalt finanziert werden – und steht da in direkter Konkurrenz zu anderen städtischen Projekten. Das wird auch bei der Verlängerung der Straßenbahn ins neue Baugebiet Dietenbach der Fall sein. Salomon: "Dort muss der ÖPNV aus dem städtischen Haushalt kommen."

Das Liniennetz, das in den letzten Jahren immer dichter wurde, soll gestrafft werden. "Wir haben samstags verdichtet, abends, die Linie 1, das können wir nicht mehr beliebig machen", sagt Oliver Benz. "Wir müssen das Liniennetz neu überdenken."

"Personalabbau ist keine Option." Oliver Benz
Busse sollen weiterhin erst nach 14 Jahren neu beschafft werden, zusätzliche Investitionen in Barrierefreiheit sind nach den Maßnahmen bis 2020 gestrichen, es sei denn, sie werden etwa über den städtischen Haushalt finanziert. Die Digitalisierung soll nur soweit als möglich umgesetzt werden. Und: 5,5 Millionen Euro soll das Unternehmen ab 2020 selbst sparen. Wie, ist noch nicht klar, aber "Personalabbau ist keine Option", sagt Benz.

Die VAG will auf jeden Fall einen größeren Anteil der Einnahmen aus dem Topf des Regio-Verkehrsverbunds Freiburg (RVF). Dem Vernehmen nach handelt es sich um 4 Millionen Euro. Laut Otto Neideck biete die VAG immer mehr Fahrleistung an, ohne dass die Geldverteilung dem Rechnung trage: "Das kann nicht sein." Demnächst, kündigte Neideck an, werde man mit den Unternehmen des RVF sprechen.
Stadtwerke GmbH

Die Stadtwerke Freiburg GmbH ist als Holding für die Freiburger Verkehrs
AG, die Stadtwerke Freiburg Bäder GmbH, die Flugplatz Freiburg-Breisgau GmbH und die Abwasser Freiburg GmbH tätig und hält eine Beteiligung am Energiedienstleister Badenova. Über die Stadtwerke werden Gewinne (Badenova) und Verluste (vor allem VAG) verrechnet. Zum letzten Mal Gewinn verzeichneten die Stadtwerke 2014; In diesem Jahr wird das Defizit wohl 9,6 Millionen Euro betragen.

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