Freiburger Studierende veranstalten "Dr.-House-Abende"

Merlin Gröber

Jeden zweiten Mittwoch veranstalten Freiburger Medizinstudenten Filmabende der besonderen Art: Sie zeigen die US-Serie "Dr. House", die den Studierenden den medizinischen Alltag locker erklären soll. Wir waren dabei:



Plötzlich bricht Jeff Foster zusammen. Er sitzt auf dem Rennrad, liegt in Führung, keucht, stürzt und bleibt im Staub liegen. Schnitt. Was ist passiert? "Ganz klare Sache, hier liegt eine plötzlich auftretende Dyspnoe vor", ruft eine Studentin aus der hintersten Reihe. Eine Packung Gummibärchen fliegt durch den Hörsaal. "Dankeschön!", tönt es zurück.


Es ist Mittwochabend im Virologie-Hörsaal der Medizinischen Mikrobiologie, Hermann- Herder-Straße 11. Ein sechsköpfiges Team um den Medizinstudenten Tim Brennemann zeigt hier alle zwei Wochen eine Folge der Serie Dr. House. Immer wieder wird das Bild angehalten; die auftretenden medizinischen Geschehnisse werden besprochen, Symptome analysiert und Behandlungen erläutert.

"Die Idee zu den Dr.-House-Abenden kam mir im Sommer 2013", erinnert sich der 31-jährige Tim Brennemann. "Die Serie ist eine großartige Möglichkeit, Medizin auf eine lockere Art zu vermitteln". Zu Beginn mussten einige Steine aus dem Weg geräumt werden. Medizinisches Fachwissen aus einer US-Serie lernen? "Das Dekanat war nicht sehr begeistert", gesteht der angehende Mediziner. Schlussendlich wurden die Skeptiker überzeugt. Die 700 Euro für die Lizenz zum Vorführen der Serie, übernahm der Innovationsfond der Universität Freiburg. Nachdem ein Hörsaal gefunden wurde, ging es im April 2014 los.

Mischung aus Universität und Freizeit

Seither kommen mehr und mehr Leute zu den Dr.-House-Abenden. Heute führt Sebastian Küchlin durch den Abend, mit Carolin Hentze ist auch eine fertig ausgebildete Ärztin mit dabei. Mehr als 100 Studierende füllen den Hörsaal. "Die Abende sind an der medizinischen Fakultät ein richtiges Event geworden", freut sich die Medizinstudententin Hanna Kuzior. "Hier lernt man etwas, egal in welchem Semester man ist". Tobias Hack studiert ebenfalls Medizin und ist bereits zum dritten Mal dabei. Ihm gefällt die Mischung aus Universität und Freizeit. "Hier erhält man Einblicke in das klinische Arbeiten. Man lernt sehr viel". Und die Pizza und das Bier? "Das hilft beim Denken", schmunzelt er.

Das entspannte Umfeld ist den Organisatoren sehr wichtig. "Das hier ist Uni von Studenten für Studenten. Ganz entspannt, ohne Klausuren, mit Bier und Pizza", erklärt Solveigh Köncke, die im 10. Semester Medizin studiert, und von Anfang an im Orga-Team dabei war. Viel Arbeit steckt in der Vorbereitung, fast 40 Stunden braucht es, um einen Abend zu gestalten. Die Folge wird angeschaut, Fragen vorbereitet und medizinisches Wissen aufbereitet.

Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement

Dass sich der Aufwand lohnt, zeigt der Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement, den die "Dr.-House- Abende", gewonnen haben. Die mit 500 Euro dotierte Ehrung der Uni wurde dem Team bei der Eröffnung des akademischen Jahres verliehen. An Aufhören denkt man daher noch lange nicht. "Wir haben in den zwei Jahren 21 Folgen angeschaut, es gibt noch 156 weitere", freut sich Tim Brennemann, "es gibt also noch viel zu sehen". Er wird nächstes Semester noch dabei sein, dann muss er ins Praktische Jahr. "Es wird mir schwerfallen zu gehen, die Abende sind mein Baby".

Und der Radfahrer? Der konnte geheilt und aus dem Krankenhaus entlassen werden. Er litt an einer nomochromen, normozyntären Anämie ohne Retikulozyten.

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[Foto: Merlin Gröber]