Freiburger Start-Ups: ENIT Systems

Anna Germek

Energie sparen und kontrollieren – das können Industriebetriebe mit einem kleinem Kästchen, dem ENIT Agent. Wir stellen das Freiburger Start-Up ENIT Systems vor, das auch gemeinsam in den Urlaub fliegt.

Das Produkt

Der ENIT Agent hilft mittelständischen Industriebetrieben Energiekosten zu reduzieren und die Energie zu kontrollieren. Alle Zähler des Betriebs werden damit erfasst und die Daten analysiert. Anschließend wird gezeigt, wo sich noch Energie sparen lässt.

Das Besondere: Das System ist sehr schnell installiert. "Wir schließen das System an die Zähler an und am ersten Abend bekommt der Kunde schon eine Analyse", sagt Pascal Benoit, einer der Gründer. Bei anderen Systemen dauere das oft drei bis sechs Monate.

Der Kunde könne mit dem ENIT Agent feststellen, dass er Energie sparen kann. Außerdem verstehe er seine Energiekosten besser. Einige Betriebe kaufen Systeme dieser Art auch um ihr Image zu verbessern. Die liebsten Kunden sind ENIT aber diejenigen, die etwas Gutes tun wollen. "Die beste Energie ist die, die nicht verbraucht wird", sagt Benoit.

Die Gründer

Hendrik Klosterkemper, Simon Fey, und Pascal Benoit sind die drei Gründungsmitglieder von ENIT Systems, Kai Klapdor kam später dazu. Sie sind zwischen 29 und 31 Jahre alt und nicht nur Kollegen, sondern auch Freunde – teilweise sogar aus dem Kindergarten. Außer der Liebe zu Freiburg verbindet sie auch die Begeisterung für Sport. Daher sponserten sie ein Radteam oder fahren in der Mittagspause auch gerne gemeinsam Rad.

Im Rahmen von Abschlussarbeiten führte sie der Weg an das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg, Simon und Pascal schrieben dort Doktorarbeiten. "Sehr motiviert hat uns das Interesse mehrerer Firmen an den entwickelten Technologien", sagt Pascal. Passenderweise sagte Mitgründer Hendrik schließlich, dass er etwas Neues suche. Er wollte selbst etwas aufbauen und nicht nur andere beraten. Dieser Weg führte zu ENIT.

Das Geschäftsmodell

Firmen haben die Möglichkeit, eine dreimonatige Testphase für rund 1.800 Euro zu nutzen. Danach können sie entweder weiterhin jeden Monat bezahlen, den Agent leasen oder ihn kaufen. Im ersten Jahr hat ENIT Systems bereits 50 Kunden gesammelt, zu den ersten gehörte Schwarzwaldmilch.

Mittlerweile arbeiten 21 Menschen tatkräftig mit: "Vor ein paar Wochen war der Konferenzraum voller motivierter Kollegen. Als Gründer war das ein emotionaler Moment. Denn am Anfang hatte man nur eine Idee, von der man gar nicht sicher war, ob sie funktionieren kann.", sagt Pascal.

Der nächste große Schritt steht bevor: Bis Ende des Jahres wollen sie insgesamt 70 Kunden gesammelt haben. Nächstes Jahr soll mehr Öffentlichkeitsarbeit und Marketing betrieben und mehr Partnerkontakte geknüpft werden.

Die Finanzierung

Anfangs mussten die Gründer auf eigene Rücklagen zurückgreifen. Sie hatten aber das Glück, durch Fördergelder des "Exist" Programm der Uni Freiburg und ein Förderprogramm der EU unterstützt zu werden.

Mit dem erwirtschafteten Geld soll aber nicht nur das Geschäftsmodell vorangetrieben werden: "Wir wollen auch dem Team etwas zurückgeben. Beispielsweise sind wir gemeinsam in den Iran geflogen, in die Heimat eines Mitarbeiters und haben seine Familie besucht.", sagt Pascal.

Was sagt Mama zur Start-Up Gründung?

Das Umfeld hat ihnen manchmal mehr zugetraut, als sie sich selbst. "Wir haben die gesamte Komplexität und die Herausforderungen gesehen. Familie und Freunde fanden es mutig, aber meinten immer: Ihr schafft das schon!", sagt Pascal.

Er selbst stand anfangs vor einer Zerreißprobe: Es bestand die Chance, etwas Neues zu beginnen, aber gleichzeitig musste er auch seine Doktorarbeit schreiben. "Mein Doktorvater hat mich da sehr gestützt. Er meinte: Wenn das Ganze erfolgreich oder gescheitert ist, kannst du zurückkommen und die Arbeit fertig schreiben."

Was spricht für oder gegen eine Gründung in Freiburg?

Der Standort Freiburg sei in der "Cleantech"-Branche (saubere Technologien) beneidenswert. Die Ausbildung ist durch das Fraunhofer Institut oder die Uni Freiburg sehr hochwertig. "Wir hätten auch Räumlichkeiten in Berlin gehabt, aber haben uns bewusst für Freiburg entschieden. Die Fachkenntnis ist hier deutlich besser. Und auch HiWis der Uni übertreffen immer unsere Erwartungen", sagt Pascal. Im betriebswirtschaftlichen Bereich oder im Vertrieb hingegen sei es dagegen schwierig, Leute zu finden.

Tipps für andere Gründer

"Ich denke das Wichtigste ist: Nie aufhören, zu hinterfragen und immer weiter zu schleifen", sagt Pascal. Und lernen mit der eigenen Gründermentalität umzugehen: Auch wenn man komplett überzeugt von seiner Idee ist, sollte man in der Lage sein, offen für konstruktive Kritik zu bleiben.

Außerdem sollte man nicht nur ein Geschäftsmodell entwickeln, sondern auch eine Art, miteinander zu arbeiten. "Das ist mindestens genauso wichtig. Wir wollen nicht nur eine coole Firma haben, die Geld verdient, sondern auch eine, wo sich die Menschen wohlfühlen. Wo man auch mal ein Bier miteinander trinken geht", sagt Pascal.

Website: ENIT Systems
Facebook: ENIT Systems