Freiburger Schauspielerin Christina Schlögl: "Männerrollen machen mehr Spaß"

Brigitte Rohm

In der Schall und Rauch-Produktion "Fiesta" steht Christina Schlögl dieses Wochenende als "Jake" auf der Bühne. fudder hat mit ihr über die Wilden 20er, Absinth aus Waldmeistersirup und die Herausforderung gesprochen, als Frau einen Mann zu spielen.

Ihr spielt mit der Gruppe Schall und Rauch das Stück "Fiesta" nach einem Roman von Ernest Hemingway. Worum geht es?

Christina Schlögl: In "Fiesta" geht es um die Generation in den "Wilden 20ern". Um Leute, die alle traumatisiert sind und mit Trinken und Party überspielen, was ihnen im Ersten Weltkrieg widerfahren ist. Von der Handlung her geht es um Brett Ashley, eine Frau, die von allen umgarnt wird, was zu gewissen Komplikationen führt – kulminierend in Pamplona bei der "Fiesta".

Du spielst Jake Barnes. Wie würdest Du diese Rolle beschreiben?

Christina Schlögl: Im Roman ist Jake auf jeden Fall die Hauptfigur, er ist ja der Ich-Erzähler. In unserer Inszenierung ist das Ganze ein bisschen komplizierter, weil wir die Erzählerrolle quasi ausgelagert haben auf den Barkeeper. Jake ist auf jeden Fall der Kern dieser Gruppe von jungen Leuten und der Beobachter. Und ich würde mal sagen, er ist meistens unglücklich, weil er die Liebe seines Lebens, Brett Ashley, nicht kriegt.

Hemingway selbst tritt in eurer Inszenierung als Barkeeper in Erscheinung. Inwiefern ist er mit Deiner Figur verknüpft?

Christina Schlögl: Es ist so, dass Jake letzten Endes in diesem Stück festhängt und sich nicht dessen gewahr wird, dass Hemingway – oder "Hem", wie er bei uns heißt – die Fäden zieht und auch Sachen verändert oder eingreift. Er schwebt immer hinter mir wie ein guter oder böser Geist, und ich selbst bin in dieser Geschichte gefangen.

Du spielst eine Männerrolle. Wie kam es zu dieser Besetzung und worin bestand dabei die Herausforderung?

Christina Schlögl: Zu der Besetzung kam es, weil die Regie der Meinung war, dass ich am geeignetsten für diese Rolle bin, unabhängig vom Geschlecht. Und es war für mich natürlich sehr schwierig, denn ich hatte noch nie so eine große Männerrolle. Man muss auf jeden Fall gewisse Manierismen ablegen. Die Regie hat mir immer wieder gesagt: "Nein, die Augen anders, die Augenbrauen anders, die Zigarette anders halten, anders gehen." Wir hatten auch Lindy Hop-Tanzunterricht und ich wollte immer mitschwingen und die Arme fancy durch die Gegend wedeln. Aber ich musste mich dann doch zusammenreißen, damit das Ganze ein bisschen männlicher aussieht.

Du meintest, es sei deine erste größere Männerrolle gewesen. Wie oft standest Du schon als Mann auf der Bühne?

Christina Schlögl: Ziemlich oft sogar, vor allem im Schultheater und in frühen Studi-Jahren. Ich hab mal in "Glaube Liebe Hoffnung" von Ödön van Horváth einen Kriegsinvaliden gespielt – das war so ein älterer Typ mit nur einem Bein.

Die anderen Schauspieler mussten sich auch darauf einstellen, dass Du einen Mann spielst. Wie hat das im Ensemble funktioniert?

Christina Schlögl: Man sagt ja immer "Das Volk spielt den König", also: Ich werde dadurch männlich, dass mich die anderen behandeln wie einen Mann. Genauso hat das bei uns funktioniert – und es hat uns allen Riesenspaß gemacht!

Die Traumata und Probleme in "Fiesta" sind die der "Lost Generation" vor fast hundert Jahren. Wie aktuell ist das Seelenleben der Figuren heute noch?

Christina Schlögl: Ich glaube, dass es so anders gar nicht ist, weil auch bei uns momentan dieser krasse Gegensatz herrscht von wegen "Ich verwirkliche mich selbst und habe Spaß, ich bin ich und genieße mein Leben", während dabei quasi die Welt untergeht – ein bisschen dramatisch formuliert. Deswegen denke ich, dass das durchaus aktuell ist. Sich da reinzufühlen und das zu spielen ist allerdings schwierig, weil vor allem wir Jüngeren keinen Weltkrieg miterlebt haben und in einer Zeit des Friedens großgeworden sind.

Alkohol spielt bei "Fiesta" eine wichtige Rolle. Wie viel müsst ihr während der Aufführung trinken und was trinkt ihr da eigentlich?

Christina Schlögl: Ich bin die Getränkebeauftragte bei uns, die "Giftmischerin", und mache Tee und Traubensaft zu Rotwein, Waldmeistersirup zu Absinth und Ananassaft zu Pernod. Wir trinken sehr, sehr viel. Ich glaube, ich trinke so zwei Liter während des Stücks, das ist schon auch eine kleine Herausforderung.

Du hast schon in vielen Uni-Theaterproduktionen mitgespielt. Was waren bisher Deine spannendsten Projekte und Rollen?

Christina Schlögl: Ich habe in Freiburg ein paar Mal bei den ManiACTs mitgespielt. Bei "Who"s afraid of Virginia Woolf?" durfte ich zum Beispiel eine dumme, junge Betrunkene spielen. Dabei hatten wir sehr viel Freude, weil man einfach rumtanzt und irgendwie albern ist, über alles lachen darf. Das war schon ziemlich cool. Bei Schall und Rauch hab ich bei "Woyzeck" so eine Meta-Figur mit Mantel gespielt, die ein bisschen aussah wie Trinity von Matrix – das war auch sehr witzig.

Macht es mehr Spaß, einen Mann oder eine Frau auf der Bühne zu spielen?

Christina Schlögl: Mir hat "Fiesta" unglaublich viel Spaß gemacht, weil man sich die ganze Zeit so cool vorkommt mit dem Rauchen und Trinken… Vielleicht macht es tatsächlich mehr Spaß, einen Mann zu spielen. Prinzipiell sind ja in vielen Theaterstücken die Männerrollen einfach dominanter und handeln mehr von sich aus. Auch hier habe ich es so empfunden, dass Jake eine komplizierte Figur ist, die mit viel Respekt behandelt wird. Es geht da innendrin sehr viel vor. Der Typ leidet ja wie ein Hund und es ist sehr wichtig, dass man versucht, das rüberzubringen.

Was wäre Deine Traumrolle, die Du unbedingt mal auf der Bühne spielen möchtest?

Christina Schlögl: Auf jeden Fall Shakespeare-Sachen! Ich fände es mega geil, "Hamlet" zu spielen oder auch "Laertes". Aber die eine Traumrolle gibt es eigentlich gar nicht, die wechselt dauernd.

Was machst Du im "normalen Leben" abseits der Bühne? Möchtest Du professionelle Schauspielerin werden?

Christina Schlögl: Im "echten" Leben bin ich noch Studentin und schreibe demnächst meine Masterarbeit in Germanistik. Und ich würde später gern als Dramaturgin ans Theater, weil das für mich der begehrenswertere Job ist als die Schauspielerei – obwohl es mir schrecklich, schrecklich viel Spaß macht.
Was: "Fiesta" von Ernest Hemingway, von der studentischen Theatergruppe "Schall & Rauch"
Wann: Freitag, den 3. Februar bis Sonntag, den 5. Februar, je 20 Uhr
Wo: TheaterFISTung, Hörsaal unter dem Rektorat am Fahnenbergplatz, Friedrichstraße 39
Kosten: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, Vorverkauf bei der Buchhandlung Schwanhäuser, Bertoldstr. 23

Infos zur Person:

Christina Schlögl wurde 1990 in Passau geboren und hat Anglistik und Deutsche Literatur in Regensburg und Freiburg studiert. Parallel spielt sie in diversen Produktionen verschiedener deutsch- und englischsprachiger Theatergruppen. Ihr neuestes Projekt mit drei bühnenverrückten Kollegen startet im Februar: Das "Theater Spielzimmer", das für private Aufführungen im Wohnzimmer gebucht werden kann.