Freiburger Latino-Club Mamita feiert ersten Geburtstag

Sebastian Klaus

Vor einigen Wochen hat das "Mamita" an der Nußmannstraße seinen ersten Geburtstag gefeiert – mit Salsa und Cocktails, wie es sich für einen Latino-Club gehört. Im Interview spricht Betreiber Ricardo Rivera Cubas über sein Lokal und das Nachtleben.

Fudder: Ricardo, was zog Dich als gebürtigen Peruaner nach Freiburg?
Ricardo Rivera Cubas: In Peru bin ich schon mit 18 Jahren bei meiner Familie ausgezogen. Um Geld zu verdienen, habe ich in der Gastronomie in Lima gearbeitet. Erst in Restaurants, dann in Hotels. Denn eigentlich wäre ich gerne Koch geworden. Aber es kam anders: Mein Vater ist Anwalt, deshalb fühlte ich mich verpflichtet, ebenfalls Anwalt zu werden. Ein Freund, der bereits in Deutschland gelebt hat, hat mir erzählt, dass es hier möglich ist, zu studieren und gleichzeitig zu arbeiten. So kam ich im Dezember 2003 her, um Jura zu studieren. Aber nach vier Semestern habe ich aufgegeben: Die Sprache war einfach zu schwer. Dann habe ich lange nach etwas gesucht, das mehr zu mir passt. Ich habe mich dann für Soziologie und IberoCultura entschieden. Letzteres, weil es viel mit meiner eigenen Herkunft zu tun hatte.


Fudder: Und wie bist Du zum Mamita gekommen?
Cubas: Das Lokal gibt es seit fünf Jahren. Ich bin seit knapp drei Jahren dabei. Erst ein paar Monate als Barkeeper, anschließend wurde ich Teilhaber. Bis vor einem Jahr war es allgemein noch unter dem Namen "Mamacita" bekannt. Damals habe ich es übernommen und in "Mamita" umbenannt. Der Club richtet sich in erster Linie an die Latinos hier vor Ort. Schließlich bin ich als Peruaner in der Freiburger Latino-Szene fest etabliert. So hatte ich bereits fünf Jahre im Palladium im Hauptbahnhof gearbeitet. Dort kamen damals alle Freiburger Latinos hin. Zudem bin ich seit zwei Jahren Vorsitzender von "Nuestra America", einer lateinamerikanischen Vereinigung hier in Freiburg. Wir haben eine Schule, die meine beiden Söhne auch besuchen. Der Unterricht findet auf Spanisch statt und die Kinder lernen die Geschichte und Kultur Lateinamerikas kennen.

"In Freiburg gibt es immer noch 23 Clubs. Einer macht dicht und schon versucht es der nächste mit einem anderen Namen und etwas anderem Konzept. Für die Größe der Stadt ist das Angebot viel zu groß."


Fudder: Wie hat sich die Freiburger Gastro-Szene verändert, seit Du hier bist?
Cubas: Clubs und Discotheken waren früher total angesagt. Jetzt nicht mehr. Heute spielt sich das Nachtleben in Kneipen oder Restaurants ab. Oder die Leute sind draußen. Alles ist informeller geworden. Viele Partys werden heute illegal organisiert. Für die Clubs ist das natürlich fatal. Und die Stadt sieht nur zu. Alleine in diesem Jahr sind vier oder fünf Pleite gegangen.

Fudder: Wie sieht es denn heute aus?
Cubas: In Freiburg gibt es immer noch 23 Clubs. Einer macht dicht und schon versucht es der nächste mit einem anderen Namen und etwas anderem Konzept. Für die Größe der Stadt ist das Angebot viel zu groß. Schließlich kommen noch die Restaurants und Kneipen als Konkurrenz dazu. Die Clubszene in Freiburg konzentriert sich auf die Studenten. Immerhin machen die hier rund 70 Prozent aller Partygänger aus. Der kleine Rest sind Arbeiter. Für Leute über 30 gibt es im Grunde keine Angebote. Vielleicht ist das unser Vorteil im Mamita: Die Musik ist nicht dafür gemacht, wild abzugehen. Man kann sich auch hinsetzen und in Ruhe Musik hören, ohne dass einem die Ohren abfallen. Deshalb kommen viele ältere Menschen zu uns. Wir versuchen auch gar nicht erst, in Konkurrenz um die jüngeren Leute zu treten. Schließlich ist der Markt gesättigt. Dazu kommt, dass Singles früher noch in Clubs gegangen sind, um jemanden kennenzulernen. Heute trifft man sich über Tinder und geht dann erstmal in ein Café oder meinetwegen ins Kino.

Fudder: Warum kommen viele Latinos ins Mamita?
Cubas: Vor dem Mamita hat es in Freiburg noch nie einen wirklich lateinamerikanischen Club gegeben. Es gab Versuche von Italienern, Deutschen oder Türken. Aber kein Latino hat je selbst versucht, einen authentischen Latino-Club zu gründen. Ich spreche in jedem Sinne ihre Sprache. Unsere Mentalität ist dieselbe.

Fudder: Das heißt, die Leute kommen wegen Dir?
Cubas: Nein. Zumindest nicht nur. Viele sind meine Freunde oder Freunde meiner Angestellten. Aber sie kommen vor allem, weil ihnen der Club mit seinem Ambiente ein Stück Heimatgefühl vermittelt. Bei uns spricht zum Beispiel jeder Mitarbeiter Spanisch. Das ist unglaublich wichtig, um dieses Gefühl von Heimat und Geborgenheit zu vermitteln.

Fudder: Warum zieht es so viele Latinos nach Freiburg?
Cubas: Vor allem aufgrund des Klimas. Es ist hier so viel wärmer, als in anderen Teilen Deutschlands. Außerdem ist Freiburg unglaublich familienfreundlich. Das entspricht sehr unserer Einstellung zum Leben. Dazu kommt die große Sicherheit hier. Da fühlt man sich wohl. Und nicht zu vergessen: Es gibt Arbeit und eine Uni mit sehr gutem Ruf.

Fudder: Wie bewertest Du die Salsa-Szene in Freiburg?
Cubas: Auch die hat sich in den letzten zehn bis zwölf Jahren sehr verändert. Als ich hier ankam, habe ich zunächst im Palladium im Hauptbahnhof gekellnert. Das war damals das einzige Tanzlokal für Latinos. Der Besitzer besaß auch eine Tanzschule, er war mit einer Peruanerin liiert und war selbst lange Zeit in Lateinamerika unterwegs. Er war so etwas wie der Salsa-Pionier in Freiburg. Und der Einstieg war auch nicht so schwer, schließlich hatte er hier im Grunde keine Konkurrenz. Und alle, die es doch versucht haben, sind schnell gescheitert. Das Palladium lief gut, die Besucherzahlen waren hoch. Aber aus eher persönlichen Gründen musste es schließlich aufgegeben werden. Und damit war der Weg endlich frei für die Konkurrenz: Einige seiner Tanzschüler machten sich selbstständig, eröffneten eigene Tanzschulen und veranstalten schließlich auch selbst Salsa-Partys. Innerhalb kürzester Zeit multiplizierte sich die Anzahl an Salsa-Läden in der Stadt. Heute sind es etwa zehn Schulen. Dazu kommen unzählige private Salsakurse.

"Tanzen gehört zu unserer Kultur einfach dazu. Hier ist es anders. Für den Abiball wird zwei Jahre lang Standardtanz gelernt und das war es dann."


Fudder: Woher kommt diese Salsa-Faszination der Deutschen?
Cubas: Das habe ich mich auch oft gefragt. In Lateinamerika wird zu allen Anlässen getanzt. Nicht nur zu Salsa. Bereits die Kinder werden von der Verwandtschaft zum Tanz aufgefordert. Tanzen gehört zu unserer Kultur einfach dazu. Hier ist es anders. Für den Abiball wird zwei Jahre lang Standardtanz gelernt und das war es dann. Aber auf Familienfesten wird hier nicht getanzt, stattdessen viel geredet, gegessen und getrunken. Es ist einsamer. Die Salsa bietet nun vielen Deutschen, vor allen Singles, die Chance auf etwas Kontakt. Schließlich ist es ein Tanz, der zusammen mit einem Partner getanzt wird. Und den lernt man dann beim Tanzen kennen. Für Männer ist es paradiesisch, schließlich gibt es beim Salsa einen enormen Frauenüberschuss.

Fudder: Aber können die Deutschen denn überhaupt tanzen?
Cubas: Ich kenne viele Deutsche, die sich dabei vor den Latinos nicht verstecken müssen. Alles hängt vom Rhythmusgefühl ab. Und da gibt es auch in Lateinamerika viele Leute, die einfach keines besitzen.

Fudder: Wie sieht Dein persönliches Fazit zum ersten Geburtstag des Mamita aus?
Cubas: Eigentlich ganz positiv. Meine Frau Silke und ich hatten damals mit dem Mamacita ein Lokal übernommen, was nicht gerade den besten Ruf hatte. Auch wenn seinerzeit bereits "Club Latino" dranstand, war kein Latino drin. Oder die Leute kamen einmal, um sich den Laden anzugucken und danach nie wieder. Alle, die in andere Clubs nicht reinkamen, waren hier versammelt. Das Vertrauen des Publikums zurückzugewinnen war harte Arbeit. Aber ich denke wir waren erfolgreich.