Kulturszene

Freiburger Kulturaggregat im "hilda 5" hofft auf Fördergelder

Dietrich Roeschmann

Erfolg und Niederlage liegen beim Freiburger Kulturraum "hilda 5" eng beieinander. Die momentane Ausstellung läuft gut, doch dem tragenden Verein Kulturaggregat geht das Geld aus.

Es ist ein echtes Dilemma. Gerade erst feierten knapp 300 Leute im Freiburger Kulturraum "hilda 5" ausgelassen die Eröffnung der Ausstellung von Janine Machiedo, einer jungen Fotografin, die sich per Selbstauslöser gern als Elfe oder als düsteres Blumenkind in retroromantischen Traumsettings inszeniert.


Mal sehen ihre Bilder aus wie eines dieser entrückten Frauenporträts der Präraffaeliten, mal wie ein Plattencover von CocoRosie oder Karen Elson, die Haare zum surrealen Nest auftoupiert oder mit nackten Füßen über staubige Bücherberge wandelnd wie durch die Ruinen einer Welt vor Kindle und iPad. Gleich im Entrée hängt ein dynamisches Profilbild in sepiafarbenem Blütenregen, gerahmt von einem alten Fenster mit geöffnetem Flügel, den der Frühlingswind so kräftig aufgeschlagen hat, dass sich die Scherben der zersprungenen Scheibe auf dem Boden verteilen. Das ist eine hübsche Inszenierung – dekorativ, lustig, leicht morbide – und taugt zugleich als dezente Anspielung auf den voyeuristischen Blick, mit dem Janine Machiedo gerne kokettiert. Neben dem Rahmen klebt seit ein paar Tagen ein roter Punkt – verkauft! –, wie an diversen anderen Arbeiten auch. Läuft also für Janine Machiedo.

Das Geld wird immer knapper

Und für "hilda 5"? Auch – allerdings erst mal nur bis Ende Mai. Und genau das ist das Dilemma. Denn bis dahin wird dem Verein Kulturaggregat, der "hilda 5" betreibt, das Geld ausgehen, um die Miete und die Nebenkosten für die Ausstellungsräume im ehemaligen Pianohaus Lepthien samt Shop, Bar, Büros, Kellerbühne und Kinosaal aufzubringen. Ohne Finanzspritze von außen ist hier trotz 1.200 Facebook-Likes und gut besuchten Vernissagen und Events in zehn Wochen Schluss. Bewilligt der Gemeinderat hingegen den ersehnten Mietzuschuss in Höhe von 25.000 Euro im Jahr, für den sich neben der Unabhängigen Liste und der JPG auch die Grünen stark machen, könnte für ein anderes Projekt in der Stadt Schluss sein. Das zumindest brachten die Grünen kürzlich ins Spiel, die das Kulturaggregat in ihrem Antrag als "Aushängeschild für junge Kunst, Streetart und Jugendkultur" würdigten, und angesichts der für die kommenden Jahre erwarteten angespannten Haushaltslage schon jetzt Fördergelder für die Kultur lieber umverteilen als aufstocken möchten.

Tanz- und Theater gegen das Kulturaggregat

Dass die Unterstützung des Kulturaggregats möglicherweise die Streichung des Internationalen Tanz- und Theaterfestivals bedeuten würde, sieht auch Kulturaggregats-Vorstand Michelangelo Mochi als ein Dilemma, das er jedoch nicht lösen kann. "Natürlich wünsche ich mir, dass die Stadt mehr Geld für Kultur ausgibt, denn Kultur kommt allen zugute", sagt Mochi. "Superbitter aber wäre es, wenn klar werden würde, dass für neue Projekte wie unseres kein Geld da ist, weil nur das Bewährte gefördert wird."

Seit drei Jahren bietet der Verein jungen Freiburger Kunst- und Kulturschaffenden ohne Auftrittsmöglichkeiten ein Forum für Ausstellungen, Konzerte, Lesungen oder Filme. Zunächst bespielte das Kulturaggregat dafür sanierungsbedürftige Immobilien in Zwischennutzung. Seit März 2016 hat es dank der äußerst günstigen, allerdings bis Ende Mai auslaufenden Konditionen seitens des Vermieters seinen festen Sitz in der "hilda 5". "Wir haben hier viel erreicht", sagt Mochi, "dahinter will keiner von uns zurück." Und wenn der Antrag auf institutionelle Förderung des Kulturaggregats im Gemeinderat dennoch keine Mehrheit findet? "Ich denke, dann wird die Enttäuschung bei vielen so groß sein, dass sie sich zurückziehen werden." Für Freiburg wäre das sicher eine ebenso schlechte Nachricht wie das Ende des Tanz-und Theaterfestivals.

hilda5, Hildastr. 5, Freiburg. Bis 29. März, Mo, Mi und Sa 13–18 Uhr.

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