Universität Freiburg

Freiburger Forscher landen mit schwimmenden Würsten YouTube-Hit

Jannik Jürgens

Computergraphiker der Uni Freiburg haben ein Programm entwickelt, mit dem sich zähe Flüssigkeiten verblüffend echt abbilden lassen. Die Animations-Videos wurden bereits 160 000-mal geklickt. Doch wozu taugt das?

Der Rummel um die Videos wird den Freiburger Computergraphikern fast zu viel. Die E-Mails kommen vor allem von Nicht-Wissenschaftlern, die zum Beispiel wissen wollen, ob sie die Simulations-Software bekommen können. "Diese Kommunikation nimmt viel Zeit in Anspruch. Mehr wissenschaftliche Aufmerksamkeit wäre mir da lieber", sagt Professor Matthias Teschner.


Zusammen mit drei Kollegen hat Teschner einen Aufsatz zum Thema Viskosität veröffentlicht. Viskosität ist ein Maß für die Zähflüssigkeit eines Materials. Die Wissenschaftler berechnen, wie viskose Flüssigkeiten sich bewegen - und illustrieren das im Video.

Besonders stolz ist Teschner auf die Mixer-Simulation: "Das ist unsere Spezialität. Die Szene hat viele Partikel, eine komplexe Geometrie und alles bewegt sich sehr schnell." Die Berechnungen seien sehr aufwändig.



Wasser hat zum Beispiel eine recht geringe Viskosität, Teer eine recht hohe. Während gering viskose Flüssigkeiten einfach zu simulieren sind, stellen stark viskose Flüssigkeiten die Graphiker vor größere Herausforderungen.

Auch die Sequenz mit den drei verschiedenfarbigen, schmelzenden Gürteltieren, die an Monster erinnern, sei kompliziert zu simulieren gewesen, weil die Viskosität der Tiere sich während des Clips verändere.



Woher kommt die Aufmerksamkeit für das Video?

Die Freiburger Wissenschaftler stellten den Aufsatz und das Video im vergangenen Jahr in den USA auf der weltweit wichtigsten Computergraphik-Tagung (SIGGRAPH) vor. Auf dem Youtube-Kanal "CG Freiburg" lassen sich noch andere viskose Videos anschauen. Da ist zum Beispiel ein Schloss im Walt-Disney-Design, das plötzlich schmilzt. Es hat knapp 3.000 Aufrufe.

Woher kommt also die große Aufmerksamkeit für das eine Video? Teschner kann sich das auch nicht recht erklären. Er tippt auf ein wissenschaftliches Publikum, zum Beispiel die Teilnehmer der Computergrafik-Tagung. Dagegen spricht, dass die Kommentare unter dem Video hauptsächlich von Leuten kommen, die nicht wissen, was sie mit der Simulation anfangen sollen. Von "different types of shit" ist da die Rede. Der Kommentar bezieht sich auf die bunten Würste, die unterschiedlich viskose Materialien in einer mit Wasser gefüllten Box darstellen.



Ein anderer Kommentator hofft, dass er selbst nie viskos werde. Und immer wieder fragen Leute, wo sie die Simulations-Software runterladen können. Teschner antwortet dann so: "Wir entwickeln üblicherweise kein vollständiges Softwarepaket, das man bei sich installieren und starten kann. Dies ist sehr aufwändig und nicht durch unseren Forschungsauftrag abgedeckt."

Simulationen werden in der Autowerbung genutzt

Genutzt werden die Simulationen insbesondere von der Film- und Werbeindustrie. "In den Werbeclips werden heute 90 Prozent der Flüssigkeiten simuliert", sagt Teschner. Wenn die Schokolade in der Werbung auf dem Löffel zerfließt, ist diese Sequenz höchstwahrscheinlich am Computer hergestellt. "Rendern" nennen die Computergrafiker das.

Auch in der Autowerbung werde fast ausschließlich gerendert, sagt Teschner. Einzelne Firmen spezialisierten sich auf bestimmte Teile eines Werbeclips, wie zum Beispiel das Auto oder die Landschaft. Die Personen werden dann nachträglich eingesetzt. Die Freiburger Wissenschaftler haben sogar eine Firma gegründet, die für Autohersteller arbeitet und die Bewegung eines Öl-Luft-Gemischs im Getriebe simuliert.