Freiburger AfD-Politiker soll Neonazi-Party auf Burschenschaftshaus gefeiert haben

Sebastian Kaiser

Mit Hitlergruß und Nazi-Rock soll der Freiburger Rechtsanwalt, Burschenschafter und AfD-Politiker Dubravko Mandic an rechtsradikalen Feiern bei seiner Burschenschaft Saxo-Silesia teilgenommen haben. Sein Parteivorstand hält still.



Es muss hoch hergegangen sein, an jenem Wochenende im Februar 2014, im Haus der Burschenschaft Saxo-Silesia am Lorettoberg in Freiburg. Von "mutwilligen Zerstörungen von Gläsern und Flaschen" ist die Rede. Überall Scherben. Die Putzfrau sieht sich nicht mehr imstande, das Haus zu reinigen.


In einem Schreiben des Vorsitzenden des Hausvereins an das Ehrengericht der Saxo-Silesia, das der Badischen Zeitung vorliegt, heißt es: "Am heutigen Montag um 09.00 Uhr befanden sich immer noch ,feiernde’ Personen auf dem Haus; gleichzeitig wurden Nazilieder abgespielt und ,Heil Hitler’ gebrüllt und dies alles so lautstark, dass es auch die Nachbarschaft und Passanten auf der Straße hören konnten." Eingeladen habe demnach Dubravko Mandic – "Alter Herr" der Saxo-Silesia, Rechtsanwalt und Politiker der Alternative für Deutschland (AfD). Er habe die Vorfälle in einem Gespräch nicht bestritten und von einer "normalen Wochen(en)dfeier" gesprochen, so das Schreiben weiter.

AfD bestreitet Duldung von Rechtsradikalismus

Die AfD bestreitet, Rechtsradikalismus in ihren Reihen zu dulden. Das hat auch ihr Spitzenkandidat Jörg Meuthen im Landtagswahlkampf immer wieder getan. Wie passt dazu Dubravko Mandic? In der AfD hat er einen einschlägigen Namen – einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt, mitunter auch ausfällig wird. Er sitzt im Landesschiedsgericht der AfD und ist Mitglied der Jungen Alternativen (JA), der AfD-Jugendorganisation.

Vor kurzem ist Mandic in den Bundesvorstand der Patriotischen Plattform gewählt worden – ein Zusammenschluss auf dem rechten Flügel der AfD. Die Plattform bezeichnet sich gerne als das Gewissen der Partei, diejenige, die darauf achtet, dass die AfD sich nicht zu sehr an der bürgerlichen Mitte orientiert, wie es der Kurs des früheren Vorsitzenden Bernd Lucke gewesen sei. "Die Patriotische Plattform begreift sich als Gegengewicht zu denjenigen, die Parteimitglieder disziplinieren und die Partei in eine bestimmte Richtung zum etablierten Parteiensystem hin lenken wollen", bestätigt Mandic im Gespräch in seiner Kanzlei am Rand der Freiburger Altstadt – der Lärm der Straße dringt bis hinauf in sein Büro. Über die Vorfälle bei der Saxo-Silesia redet er nur ungern.

In einem anderen Dokument der Burschenschaft vom Dezember 2015 ist von einem weiteren Vorfall im Haus der Saxo-Silesia die Rede. Zwei Bundesbrüder hätten auf dem Balkon Lautsprecher aufgestellt und Musik der verbotenen Neonazi-Rockband Landser laut abgespielt. Einer der beiden, erfährt man aus dem Umfeld, sei Dubravko Mandic gewesen. Es seien rechte Parolen skandiert und mehrfach der Hitler-Gruß gezeigt worden. "Ganz offen und selbstverständlich", so der Brief, "generierten sich Bbr. Bbr. (Abkürzung für ,Bundesbrüder’, d. Red.) als auch die Gäste unseres Bundes als Sympathisanten des Nationalsozialismus." Und: "Ist den anderen Bbr. Bbr. und insbesondere ist dem Vorstand bekannt, dass sich der Bund radikalisiert? (...) Ist diese fehlgeleitete politische Indoktrination junger Menschen adH. (Abkürzung für ,auf dem Haus’, d.Red.) mittlerweile Programm?"

Die AfD sagt, sie wisse nichts von rechtsradikalen Feiern

Mandic bestreitet die Vorwürfe. "Diese angeblichen Vorfälle konnten bei uns in der Burschenschaft so nicht bestätigt werden. Bei uns wird so ein Verhalten – beispielsweise das Zeigen des Hitler-Grußes oder Neonazi-Partys – nicht geduldet." Ihm sei auch nicht bekannt, dass die Burschenschaft deswegen ein Verfahren gegen ihn anstrebe. Er selbst sehe sich auf dem Boden des Grundgesetzes: "Ich komme aus Bosnien. Meine Eltern sind Serben und Kroaten. Meine Familien haben unter dem Nationalsozialismus gelitten – ich denke nicht im Traum daran, mit diesen Verbrechen zu sympathisieren." Er vermutet "eine interne Schmutzkampagne, die von interessierter Seite genutzt wird, um auch der AfD zu schaden".  

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    [Bild 1: Ingo Schneider; Bild 2: Privat]