Freiburger Abiturient dreht Dokumentarfilm über den Münsterplatz

Sophia Hesser

In der Bombennacht 1944 wurde der Freiburger Münsterplatz zerstört. Der 18-jährige Leonard Wölfl aus Merzhausen hat einen Dokumentarfilm über seinen Wiederaufbau gedreht.



Wie oft läuft man über den Freiburger Münsterplatz und denkt sich: Ach, wie schön. Diese herrlichen alten Häuser, die Schnörkel an den Wänden, die historischen Türen. Doch ist das wirklich alles so alt wie es aussieht? Leonard Wölfl aus Merzhausen wollte wissen, was der Platz erzählen kann. Für seinen historischen Dokumentarfilm beschäftigte er sich mit zwei Gebäuden des Münsterplatzes genauer und bekam dafür jüngst vom Land Baden-Württemberg eine Anerkennung. Den Schülerpreis für Heimatforschung hat er knapp verfehlt.




Der 18-Jährige liebt es, dreidimensionale Animationen am Computer zu erstellen. In den Sommerferien hat er gemeinsam mit Freunden, die als Schauspieler fungierten, einen Kurzfilm gedreht – ein Liebesdrama. Das Drehbuch hat er geschrieben, Kamera, Schnitt und Licht übernahm er, später wurden noch Special Effects eingearbeitet. Auch die Filmmusik machte Leonard Wölfl selbst, spielt er doch Klavier. Seit er die Film-AG am Friedrichgymnasium in Freiburg besuchte, war er fasziniert vom Filmemachen. "Diese Vielseitigkeit beim Filmemachen ist toll, wobei mir der Dreh am meisten Spaß macht", erzählt er. Seine vielfältigen Hobbys und Interessen befruchten sich gegenseitig, sagt er selbst.

Im Stadtarchiv durchforstete Leonard Wölfl Aufnahmen des Münsterplatzes

Geschichte fand er bisher gar nicht so spannend. Doch für den Seminarkurs in der Oberstufe des Friedrichgymnasiums sollten die Schüler Lokalgeschichte über die eigenen Wurzeln erzählen und einen Dokumentarfilm drehen. Schnell hatte Leonard Wölfl sein Thema gefunden und Feuer gefangen. Er wollte etwas thematisieren, das ihn täglich umgibt. Die ersten Schritte führten ihn ins Stadtarchiv, wo er Film- und Bildaufnahmen des Münsterplatzes vor und nach dem Bombenangriff 1944 auf Freiburg und zum Wiederaufbau durchforstete.

Zufällig traf er dort eine Bekanntheit der Dokumentarfilmszene, den Freiburger Filmemacher Dirk Adam. Leonard Wölfle unterstützte den Profi bei seinen Recherchen und den Kontakten zu Zeitzeugen und konnte so auch für seinen Film Menschen zu den Angriffen und dem Wiederaufbau befragen. Ihre Erlebnisse arbeitete Leonard Wölfl in seinen Film ein. Um das Thema anschaulicher zu machen, animierte er Bilder des zerstörten Münsterplatzes, der im Film nun dreidimensional erscheint.

Überrascht war der Abiturient, der nach seinem Schulabschluss nun ein Praktikum macht, über die Schönheit, die in den Trümmern versteckt war. "Ich habe Ausschnitte des verlorengegangenen Filmes ’Wohin die Züge fahren’, der in den Trümmern gedreht wurde, gesehen. Da entstanden schöne Bilder in den Trümmern, weil jahrelang Blumen und Gräser zwischen den Steinen wuchsen", erzählt der junge Filmemacher.

Er hat viel gelernt bei seinen Recherchearbeiten, etwa dass das Gebäude, das heute Breuninger beheimatet, viel tiefschichtiger ist als er zunächst annahm. "Als es 1973 wiederaufgebaut wurde, hat man sich viel dabei gedacht." Die Architektur erinnere in abstrakter Form an die kleinen Giebelfenster und Strukturen der drei Gebäude, die vor dem Bombenangriff an selbiger Stelle standen. Das Kornhaus dagegen wurde 1970 in historischer Optik errichtet. "Deshalb wirkt es wie ein erhaltenes historisches Gebäude."

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