Freiburg kriminellste Stadt Baden-Württembergs

Carolin Buchheim

Heute Mittag stellte die Polizeidirektion die Kriminalitäts- und Unfallstatistik für Freiburg für das Jahr 2006 vor. Die guten Nachrichten: Weniger Verkehrstote, weniger Straftaten gegen das Leben, weniger Sexualstraftaten und weniger einfache Diebstähle. Die schlechten Nachrichten: Die Gesamtzahl der Straftaten ist gestiegen, es gab im vergangenen Jahr gleichbleibend viele Körperverletzungen, mehr schwere Diebstähle, Vermögensdelikte, Sachbeschädigungen, Beleidigungen und Hausfriedensbrüche. Und die 'kriminellste' Stadt Baden-Württembergs ist Freiburg auch.

"2006 war ein arbeitsreiches Jahr: 60.000 Einsatzstunden haben unsere Beamten geleistet", erklärte Polizeidirektor Joachim Metzger, Leiter des Führungs- und Einsatzstab in der Pressekonferenz.  Allein 30.000 Stunden entfielen dabei auf Einsätze während der Fußball-Weltmeisterschaft; Sowohl bei Public Viewing-Veranstaltung, zum Schutz der niederländischen Nationalmannschaft und bei Feiern in den Straßen der Stadt.


"Alle unsere Befürchtungen in Bezug auf die WM sind jedoch nicht eingetroffen", erklärte er weiter. "Dafür gibt es meiner Meinung nach vor allem zwei Gründe: Zum einen die allgemeine Euphorie, zum anderen aber auch ganz klar unsere konzentrierten, präventiven Einsätze."

Im Anschluß stellte Metzger, zusammen mit Kriminalhauptkommissar Reinhard Eble als Referent für Kriminalitätsbekämpfung und dem Ersten Polizeihauptkommissar Wolfgang Hepting als Referent für das Verkehrswesen die Zahlen zur Kriminalitäts- und Verkehrssicherheitslage 2006 in Freiburg und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald vor.

Die schlechteste Nachricht gab es gleich zu Beginn: In Freiburg wurden so viele Straftaten registriert, wie nie zuvor, insgesamt 27.788 Delikte. Das sind 1.054, 3,9%, mehr als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote lag 2006 mit 53,3% 2,9% unter dem Wert des Vorjahrts.

Der Grund für die fallende Aufklärungsquote : Gerade die Zahl der schwer aufklärbaren Straftaten wie Fahrraddiebstähle und Sachbeschädigungen sind angestiegen, ein paralleles Sinken der Gesamt-Aufklärungsquote nur logisch.
Auch Freiburgs Häufigkeitszahl, die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner ist gestiegen und liegt mittlerweile bei 12.908, eine Steigerung um 3% im Vergleich zu 2005.
Mit dieser Häufigkeitszahl liegt Freiburg vor Mannheim (11.171), Karlsruhe (9.6.89) und Ulm (8.997) in der Landesstatistik ganz vorne. Freiburg, Baden-Württembergs kriminellste Stadt.


Rückläufig waren:

  • Straftaten gegen das Leben;
  • Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung; und
  • Einfacher Diebstahl, insbesondere Wohnungsdiebstahl.
Zugenommen haben:
  • Roheitsdelikte wie Raub und Körperverletzungen;
  • Diebstahl unter erschwerdenden Umständen;
  • Vermögens- und Fälschungsdelikte;
  • Sonstige Straftaten nach dem StGB wie Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Beleidigung; und
  • Straftaten gegen strafrechtliche Nebengesetze wie BetäubungsmittelGesetz oder Aufenthaltsgesetz.
Den größten Teil der in Freiburg gemeldeten Delikte machen Vermögens- und Eigentumsdelikte aus; 64,1% aller in Freiburg gemeldeten Delikte fallen in diese Kategorie. Allein die Diebstahlsdelikte machen 45,2% der Gesamtstraftaten aus.



Besorgniserregend ist vorallem die Lage bei den Roheitsdelikten. Roheitsdelikte, das sind Körperverletzungen, Raub und Straftaten gegen die persönliche Freiheit.

Diese Straftaten machen zwar nur 10,9% aller gemeldeten Delikte aus und obwohl 72% dieser Straftaten, ganze 2.173 Fälle 'einfacher' Natur sind, ist die Lage beunruhigend: In den letzten 10 Jahren haben die Körperverletzungsdelikte um 131,8% zugenommen.

Polizeidirektor Metzger sieht den leichten Rückgang von 2439 (2005)  auf 2425 (2006) Körperverletzungsdelikte in Freiburg jedoch positiv. "Vielleicht haben wir den Scheitelpunkt schon überschritten."



Bei den unter 'sonstigen Straftaten nach dem StGB' zusammengefassten Fällen von Beleidigung, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung sieht es ähnlich wie bei den Körperverletzungsdelikten: In den letzten zehn Jahren haben diese um 108,7% zugenommen.



Örtlicher Schwerpunkt der Körperverletzungsdelikten ist die Altstadt, wo die meisten Straftaten am Wochenende nach Mitternacht verübt werden; Für Polizeidirektor Metzger nicht überraschend. "Sowohl Körperverletzungen als auch Sachbeschädigungen und Beleidigungen gehen häufig mit Alkoholkonsum einher."

Für besonders problematisch hält er daher sowohl die Kultur des 'Warmtrinkens' unter den feierwilligen Jugendlichen als auch die Angebote der Gastronomen zu 'Flatrate-Saufen' und 'Frauen trinken bis 22 Uhr kostenlos'-Events. Metzger unterstützt die Kampagne des baden-württembergischen Innenministers Heribert Rech, der gegen Flatrate-Angebote in Kneipen vorgehen will. Auch das Schicksal des Jungen aus Berlin, der gestern an den Folgen einer Flatrate-Sauftour nach einem vierwöchigen Koma verstarb müsse eine Warnung sein.
Insgesamt wird die Polizei auch weiterhin am Wochenende Abends in der Altstadt Präsenz zeigen, sowohl mit Beamten in Uniform als auch im Einsatzanzug.

Polizeidirektor Metzger sieht die steigende Zahl an Sachbeschädigungen und Körperverletzungsdelikten als Symptom eines gesamtgesellschaftlichen Problems. "Es gibt einfach einen allgemeinen Trend zu mehr Aggressivität im Umgang miteinander. Es wird schneller zugeschlagen oder beleidigt und Sachen haben keinen Wert. Die Gewaltbereitschaft steigt einfach, und das ist ein Problem, das die Polizei nicht allein lösen kann, da ist Jeder gefragt."

Bei den Verkehrsdelikten liegt Freiburg im Landestrend: Es gab mit insgesamt 9.396 Unfällen einen geringen Anstieg zum Vorjahr, weniger Unfälle mit Personenschaden und weniger Leichtverletzte.
Gegenläufig zum Landestrend waren jedoch die sinkende Zahl der Verkehrstoten (2006: 23; 2005: 28) sowie die steigende Zahl der Schwerverletzten (2006:177; 2005: 165).
Als Hauptunfallursachen sind dabei Abstand, Vorfahrt, Abbiegen und Wende, Geschwindigkeit und Alkohol.