Freiburg im Fernsehen (4): Die Libelle

Jenni Borrmann

In der heutigen Folge von "Freiburg im TV" stellen wir euch keinen aktuellen, sondern einen Film aus dem Jahr 1984 vor: In der "Libelle" spielt Diane Keaton eine Agentin und Klaus Kinski einen israelischen Geheimdienstler. Bombenstimmung in der Freiburger Uni, Spionszenen im Colombi.



Bad Godesberg, Westdeutschland, 1981: Eine unscheinbar wirkende Frau gibt mit einem Vorwand einen Koffer bei einem Mann ab. Sein Sohn, der eine Kippa trägt, kommt gerade von der Schule nach Hause. Die Frau verlässt die Wohngegend, der Familienvater trägt indessen den Koffer in die Küche. Kamerawechsel in die Totale: Das Haus explodiert.


Der Zuschauer wird ins Geschehen geworfen: der Nahostkonflikt befand sich Anfang der 1980er Jahre auf einem Höhepunkt. Seit dem Ende der Mandatszeit Großbritanniens in Palästina und der Staatsgründung Israels finden auf beiden Seiten andauernde Kämpfe statt.

Der Film spielt kurz nach dem 1978 abgeschlossenen Friedensabkommen in Camp David, dem israelisch-ägyptischen Friedensvertrag von 1979, dem Mord an Sadat und dem völkerrechtlich nicht anerkannten Jerusalemgesetz. Fiktion und Realität treffen sich zeitlich, wenn sich erneut die Fronten erhärten: im Ersten Libanonkrieg 1982. Dieser Hintergrund bildet die gereizte Stimmung, angestachelt durch vereinzelte Attentate im sogenannten Westen.



Ortswechsel: Wir befinden uns in Dorset, hier spielt Charlie (Diane Keaton) am Theater. Später sehen wir sie im Publikum beim Vortrag eines palästinensischen Extremisten. Martin Kurtz (Klaus Kinski), Chef einer israelischen Organisation, macht sich dies zu Nutze und rekrutiert sie: Charlie soll sich in eine palästinensische Organisation einschleusen und in deren Militärcamp eine Ausbildung machen.

So soll sie an den führenden palästinensischen Terroristen Khalil (Sami Frey) herankommen und einen jüdischen Professor der Hebrew University töten – angeblich um weiteres Blutvergießen zu verhindern. Das Attentat ist während eines Vortrags an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg geplant.



Charlie kommt in einem Schwarzwaldhaus östlich der Stadt unter. Man sieht sie auch im Colombi-Hotel Kaffee trinken, während sie die Vorgänge draußen observiert – ganz in Kalter-Kriegs-Manier á la James-Bond hinter Zeitungen und Sonnenbrillen verborgen. Sie fährt herum mit einem Auto des „Arzneimittelschnelldienstes, Gebr. Keller, Heinrich-von-Stephan-Straße, Freiburg." Mit dem Koffer, in dem sich die Bombe befindet, läuft sie an Studierenden und den Philosophen vor dem Eingang des KG I vorbei in Richtung Institut für Öffentliches Recht (Verwaltungsrecht/Kirchenrecht). Dort klingelt sie ungeduldig und geht schließlich hinein.



Keatons Charakter gerät zwischen die Fronten zweier Extreme, die sich lediglich in einem einig sind: konsequente Gewaltanwendung als Notwendigkeit. Das machiavellistische Dogma „Der Zweck heiligt die Mittel“ wird im Film aber gerade deshalb immer wieder in Frage gestellt. Einige Bilder lassen den Film sehr zeitgemäß erscheinen: Ein arabischer Gefangener, bis auf die Unterwäsche ausgezogen, Hände auf dem Rücken gefesselt, einen Sack über den Kopf gestülpt, liegt zusammengekrümmt da. Abu-Ghraib lässt grüßen.

George Roy Hill (Der Clou, Butch Cassidy and the Sundance Kid) führte Regie bei der „Libelle“ – einer von 13 verfilmten Romanen des Schriftstellers John le Carré. Dieser beschäftigt sich in den meisten seiner Bücher mit Themen des Kalten Kriegs und der Nahost-Problematik. Die Geschichte der Libelle ist ein wenig verworren, viele Charaktere und Positionen kommen und gehen. Die Aktualität des Themas, das intensive Spiel Keatons und die Freiburg-Bilder machen dies aber wieder wett.

[Fotos: Karl-Friedrich Förster, Verleih, Ingo Schneider, Carolin Buchheim]

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