Freiburg, hier ist dein Hipster-Bier - es heißt Horst

Marius Buhl

Horst: Ein Männername, eine Beleidigung, ein Bier. Gebraut haben es vier Freiburger Bier-Connaisseure, die damit die Vorherrschaft des klassisch-deutschen Pilses angreifen wollen - zumindest in Freiburg. Ob Hipster-Horst so gut schmeckt wie sein Name tönt - und warum das Reinheitsgebot für die Brauer ein Graus ist:



Betulich stellt der Bartender in der Hemingway-Bar das Weinglas auf den Tisch, rückt es zurecht und füllt die goldbraune Flüssigkeit ein. Harzig duftet es aus dem langstieligen Glas, obenauf hat sich eine feste Schaumkrone gebildet. Wein ist das nicht, was da so pompös serviert wird, das ist klar. Es ist Bier - und den Typen, die es gebraut haben, und die jetzt am Bartisch sitzen, gefällt die Prozedur, die sonst Weinen vorbehalten ist. Bier vom Vorurteil des Kneipengesöffs zu lösen und zu einem kultivierten Getränk zu machen: Das ist, die Mission, die der Fotograf James Tutor, der Bildungsplaner Bernhard Frenzel, der Jurist Chris Murphy und der Chemiker Gil Scheuermann verfolgen. Die vier sind die Köpfe hinter dem "Freiburger Braukollektiv" - und ihr neuester Streich hat das Potential, Freiburgs coolstes Szene-Bier zu werden.


Horst. Der Name des Biers ist das Extrakt längerer Überlegungen. Eine wichtige Rolle kommt Ernst Horst zu, einem Deutschen der im 19. Jahrhundert in die USA auswanderte - und deutschen Hopfen mitnahm. Aus dessen Geschichte strickten die Hobbybrauer zunächst die Biernamen "David Hasselhorst" und "May the Horst be with you". Der Grafiker, der das Etikett der Flasche entworfen hat, zügelte die Wortspiellust der Vier aber. "Nennt es einfach Horst, hat er zu uns gesagt", erzählt Bernhard Frenzel. Weil Horst unter jungen Menschen mittlerweile eher augenzwinkerndes Schimpfwort denn Vorname sei (gerne auch in Verbindung mit dem Präfix "Voll-"), habe der Name hervorragend zum Konzept gepasst.

Gebraut wird das Horst in Lenzkirch, im Biertempel der Brauerei Rogg - nach einem Rezept, das die vier Bier-Kollektivisten zuvor in ihren privaten Küchen erdacht und verfeinert haben - im Kochtopf.
Speziell: Den kalifornischen Hopfen geben die Brauer erst sehr spät während des Kochvorgangs hinzu. "Durch das frühe Zumixen des Hopfens werden die Aromen gekillt, dafür wird das Bier bitterer. So kommt der klassisch-deutsche Pilsgeschmack zustande", erklärt Bernhard. "Wir geben den Hopfen spät zu, manchen sogar erst nach dem Kochvorgang - das nennt man dann Kalthopfung."

In der Tat: Mit einem klassisch-herben Pils hat das Horst nichts zu tun, viel intensiver schmeckt es, ist eher Vita Malz denn Tannenzäpfle. Passende Adjektive wären harzig, waldig, tannig. Die spezielle dunkle Farbe bekommt das Horst zudem durch die Verwendung eines extrem dunklen Schokoladen-Malzes, das aus Heidelberg bezogen wird.

Schokoladen-Malz, kalifornischer Hopfen, harzig-tanniger Geschmack - mit der guten alt-deutschen Biertradition hat das Horst recht wenig gemein. Das ist gewollt. "Deutschland hat, das wissen wir ja, eine fantastische Bier-Kultur. Leider schmecken aber alle deutschen Biere gleich", sagt Bernhard Frenzel. Schuld daran sei auch das hochgelobte Reinheitsgebot, nach dem deutsche Biere gebraut werden müssen. "Wir nennen das Ding 'Einheitsgebot', weil es verhindert, dass andere gute Rezepte zugelassen werden", sagt Frenzel und lacht. Kommunistisches Bierbussiness? "Richtig!"

Black Sheep, Horst - und jetzt?

Vor dem Horst haben die vier Freiburger bereits das Black Sheep auf den Markt gebracht, ein sehr fruchtiges Bier mit Maracuja-Aromen. Gerade planen sie ein leichtes Bier mit wenig Alkohol, das sich als Sommer-Sonne-Dreisam-Bier eigne. "Unser Hauptziel für 2015 ist es aber, endlich finanziell Plus zu machen!", erklärt Bernhard Frenzel. Die Nachfrage nach dem Bier des Braukollektivs sei da, jetzt müsse man nur mit der Lieferung nachkommen. "Wir machen das momentan ehrenamtlich, sind nur darum bemüht, Freiburg etwas Bierkultur zu geben. Wir haben ja alle Jobs, die uns sehr einspannen!", sagt Frenzel.

Auf Dauer könne er sich aber vorstellen, eine kleine Brauerei in der Stadt zu eröffnen, eventuell mit einem angeschlossenen Restaurant. "Die Zielgruppe hätten wir in Freiburg natürlich wunderbar", sagt Frenzel. Eine andere, weitaus interessantere Zielgruppe haben Frenzel und seine Bierbrauer schon längst erreicht. "Immer wieder rufen Horsts aus ganz Deutschland bei uns an - und wollen den Horst haben."

Wo krieg' ich den Horst?




Die Männer hinter Horst: Chris Murphy, Gil Scheuermann, James Tutor, Bernhard Frenzel (v.l.)

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