"Freiburg, es war sehr schön mit euch": Sizarr in Schmitz Katze

Sophie Aschenbrenner

Seelenstreichelnde Balladen, Indierock zum Ausrasten: Das Landauer Trio Sizarr hat am Freitag sein neues Album "Nurture" in Schmitz Katze vorgestellt. Sophie Aschenbrenner hat die Schönheit des Konzerts in einem Nachbericht zusammengefasst.



Ob Freiburg bereit sei zu rocken, fragt Fabian Altstötter von Sizarr nach dem ersten Song. In Stuttgart gestern seien die Leute ganz schön abgegangen. Freiburg, das wird schnell klar, ist bereit abzugehen. Die Katze ist nicht brechend, aber doch kuschlig voll, als die drei Jungs Anfang zwanzig aus Landau hier das zweite Konzert ihrer Tour spielen.


Jutebeutel, Chucks und abgeranzte Stoffschuhe, Jeanshemden, wirre Haare, Dutt-Frisuren, lässige T-Shirts: Die Crowd passt zur Band. Sizarr machen melodiösen Indie-Rock, durchsetzt von elektronischen Elementen. Und den machen sie großartig. Der Sänger Fabian Altstötter ist ein feingliedriger, schmaler junger Mann, der Doc Martens und eine schwarze Röhrenjeans trägt, dazu ein leichtes, senfgelbes Hemd. Er ist der einzige, der an diesem Abend mit der Crowd spricht, und seine Stimme ist es auch, die die Songs so besonders macht.

Die Vorband, Drangsal, bestehend aus vier Jungs, kommt wie auch Sizarr aus Landau. Ihre Musik ist härter und rockiger, laute Gitarren und viel Schlagzeug. Ihr Auftreten: Rockstar-Allüre, man trägt Schnallen-Boots, enge Levis-Jeans, das T-Shirt in die Hose gesteckt. Der Gitarrist, der dauerhaft extrem konzentriert wirkt, streichelt beim Spielen eher über sein Instrument. Betrachtet man seine Gitarre genauer, macht das Sinn: Auf ihr räkelt sich ein üppiges, nacktes Pin-Up-Girl. Meist befindet sich seine Hand auf Höhe ihrer Brüste. Eines der Lieder hat der Sänger „für und mit Fabian Altstötter“ geschrieben. Zwischen den Songs trinkt er Wodka-Bull, einmal schmiert er sich eine Handvoll durch die kurzen Haare. Harr. Mit Jubel werden Drangsal entlassen, sie haben Stimmung gemacht.

Der Umbau dauert. Extrem nice ist ein Mann im knallroten Overall kombiniert mit Hummel-Turnschuhen (ein Vater? Onkel? von einem der Jungs?), der später auch am Merchendising-Stand steht und lächelt. Wer auch immer er ist: geiles Outfit.



Sizarr spielen vor allem Songs des neuen, aber auch des alten Albums. Anders als Drangsal haben die drei Mitglieder der Band ihren Style nicht aufeinander abgestimmt. Philipp trägt weite Hosen, weiße Sneakers und einen dunkelblauen Sweater, die langen, dunkelbraunen Locken offen, immer ein freundliches Lächeln auf den Lippen. Der Drummer, ganz in schwarz, lässig. Sie werden mit Jubel begrüßt, hier sind Fans. Als Fabian nach dem ersten Song ankündigt, auch Lieder des alten Albums zu spielen, wird er laut beklatscht.

Die Lichtshow ist schlicht, aber gut: weiß blinkende Neonröhren und schlichte Scheinwerfer, keine unterschiedlichen Farben, kein Nebel. Das passt zum Konzert: Die drei performen schnörkellos, schlicht und natürlich.

Der zweite Song, „Clam“, ist getragen von schnellen Drums und Fabians fließender Stimme. Bei „Run Dry“ nimmt Fabian das Mikro in die Hand und tanzt über die Bühne, das steckt an, die Crowd wippt. „Mir ist jetzt schon heiß“, sagt er danach, dabei ist das erst der dritte Song. „Wir sind den heißen Süden nicht mehr so gewohnt.“  Er behält das Mikro in der Hand, und wenn er singt: „Take my heart, take my soul“, dann ist das schlicht grandios.

Solo-Stücke mit zarter Seele

Grandios sind auch die Solo-Stücke, zum Beispiel „Slightly“ von Philipp, der ruhig vor dem Mikro steht, mit zarter Stimmte, ganz still, begleitet nur von gedämpftem Schlagwerk und Fabian am Piano. Oder wenn Fabian bei „Untitled“ alleine auf der Bühne am Piano sitzt, sein Mund das Mikrophon beim Singen berührt, wenn er seine Seele in dieses Lied zu legen scheint, dann können auch technische Probleme und zweimaliges Unterbrechen des Songs den Zauber nicht mindern. Das Lied ist stark und leise zugleich, man möchte es immer wieder hören und will am liebsten, dass es niemals aufhört.

Doch Sizarr machen eigentlich keine Balladen-Musik. Bevor sie ihre aktuelle Singe „Scooter Accident“ spielen, sagt Fabian: „Ab jetzt ist Ausrasten angebracht.“  Schneller werdende, sich steigernde Beats, starke Klänge, im Wechsel mit der großen Stimme von Fabian, gemischt mit elektronischen Versatzstücken. Die Crowd geht richtig ab, und in diesem Moment lächelt Fabian zum ersten Mal an diesem Abend richtig breit.

Am Ende wollen die Freiburger Sizarr gar nicht gehen lassen und erzwingen eine dritte Zugabe, dann ist Schluss. „Tschüss, Freiburg, es war sehr schön mit euch“, sagt Fabian schlicht. Dann geht das Licht an. Schön wars.




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