Stadtkultur

Freiburg, das sind deine Straßenmusiker

Pascal Lienhard

Sie stehen vor dem Münster, in der KaJo oder in der Grünwälderstraße und bringen ihre Lieder an die Freiburgerinnen und Freiburger. Vier Straßenmusiker stellen sich und ihre Musik vor – und erzählen, wie es ist, wenn das Ordnungsamt droht.

Danny McClelland: "Willst ja nicht, dass keiner zuhört"

Danny McClelland ist fast fertig mit seinem Bachelorstudium Politikwissenschaft. Eigentlich aber ist er Sänger und Gitarrist der Freiburger Band "Redensart" – die Gruppe ist bereits in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien und Frankreich aufgetreten. Mit "Redensart" hat der 26-Jährige auch schon auf der Straße gespielt, und manchmal geht er allein mit Gitarre und Mundharmonika nach draußen.

Während McClelland auf der Kaiser-Joseph-Straße einige Punkrocksongs covert und "Blowin’ in the Wind" von Bob Dylan spielt, steht plötzlich ein in Pink gekleideter Mann neben ihm und probiert sich zu den Gitarrenklängen an einem Hula-Hoop-Reifen. "Applaus für den Hula-Hoop-Mann", fordert der Musiker und lacht.



"Es ist das Unerwartete, das die Straßenmusik spannend macht", findet McClelland. So muss man als Musiker auch mal mit einem grölenden Junggesellenabschied umgehen können. Schließlich will er die Leute mit seiner Musik erreichen.

Die können ja selbst entscheiden, ob sie stehen bleiben oder nicht: "Du willst ja nicht, dass keiner zuhört." Ein besonderer Augenblick mitten in der Alltagshektik – das ist es, was Straßenmusiker bieten können.

Bei der Arbeit auf der Straße kommt McClelland mit vielen Leuten ins Gespräch, natürlich auch mit Kollegen. Neben Freiburger Musikern lernt er auch die kennen, die nur kurz in der Stadt Halt machen. Die Situation in Freiburg, sagt er, sei ähnlich wie in anderen Städten. Wobei es ihm nicht einleuchtet, weshalb zum Beispiel Perkussion-Instrumente gerade am Bertoldsbrunnen verboten sind, wo es durch Straßenbahnen ohnehin sehr laut ist. "Ich finde es für eine Stadt wichtig, dass sie in Bezug auf Straßenmusik offen ist. Straßenmusik prägt das Stadtbild extrem mit. Wenn sie verschwindet, würde man erst sehen, was man daran hatte." Früher ging es für McClelland und seine Mitstreiter von "Redensart" gerne zur Volksbank an der Kaiser-Joseph-Straße.

Dort ist es allerdings ziemlich laut. Wenn er alleine spielt, schätzt er die Passage bei Galeria-Kaufhof. "Da hat man einen natürlichen Verstärker, das ist cool."

Felix Meyer: "Jede Stadt hat ihre eigenen Regeln"

Felix Meyer ist Sänger und hat mit Freiburg so seine Erfahrungen gemacht. Als er vor fünf Jahren mit seiner Band in Freiburg spielte, hatte man sich wohl nicht an alle Regeln gehalten: Schon nach 15 Minuten sei ein Anwohner mit einem Merkblatt des Amts für öffentliche Ordnung und der Bemerkung "Ich habe persönlich nichts gegen Straßenmusik" erschienen, erzählt Meyer amüsiert. "Eine eher verdruckste Ansage, um zu signalisieren, dass das so nicht geht. Wir bedankten uns und zogen weiter."

Der in Hamburg lebende Musiker ist viel herumgekommen und hat auf einigen Straßen in Europa gespielt. Nicht wenige seiner Kollegen träumen davon, auf der Straße entdeckt zu werden. So wie der Kopenhagener Straßenmusiker John Magnusson, der 1988 auf der Straße musizierte, als "Boss" Bruce Springsteen entlang kam und spontan mitspielte, wie er erzählt. Felix Meyer ist inzwischen 40. Bei einem Auftritt wurde er von Produzent Peter Hoffmann entdeckt. In diesem Jahr erschien Meyers viertes Studioalbum mit dem Titel "Fasst euch ein Herz", das es bis auf Platz 28 der deutschen Charts geschafft hat.

Doch auch nach seiner Entdeckung zieht es Meyer noch auf die Straße. "An anderen Orten hatten wir immer wieder spontane Konzerte unter freiem Himmel gegeben", erzählt der Musiker. In Freiburg sei es anders gewesen – das Merkblatt!

Trotzdem freut er sich auf den nächsten Besuch und betont: "Die Wahrnehmung einer Stadt ist immer extrem subjektiv." So ist es ein Unterschied, ob man regelmäßig in einer Stadt auftritt und sich mit Gepflogenheiten auskennt oder nur auf der Durchreise ist und spontan loslegt. Schließlich, sagt Meyer, hat jede Stadt ihre eigenen Regeln.

Alexander Denckert: "Die lockerste Stadt Deutschlands"

Alexander Denckert fällt es schwer, einen Lieblingsplatz zum Musikmachen in Freiburg auszuwählen. Ganz gut sei es hinter dem Kaufhof, da hat man seine Ruhe vor der Straßenbahn. Aber natürlich ist Denckert auch in der Kaiser-Joseph-Straße, Schienenlärm hin oder her, im Duo mit Jan Gregerson anzutreffen.

Seit fünf Jahren machen Denckert und Gregerson zusammen Musik. Als "Charme und Melone" sind sie mit einer eher unorthodoxen Besetzung – Gitarre, Gesang und Kontrabass – unterwegs. Bekannt sind sie vor allem für ihre Interpretationen von Songs aus den 60ern und 70ern wie "Help" von den Beatles oder "Ring of Fire" von Johnny Cash. Eigentlich sind beide sowohl Gitarristen als auch Sänger. Dann hat sich Denckert erinnert, dass er auch Kontrabass spielen kann. "Es gibt ja schon genug Musiker, die Gitarre spielen und an der Ecke Bob Dylan covern." So ging es los mit dem Duo.

Zu Beginn stand die Combo noch jeden Tag auf der Straße, "so oft, wie es die Stadt eben zugelassen hat". Inzwischen ist das unregelmäßiger geworden. Doch die beiden halten der Straßenmusik die Treue: "Wir bleiben dabei, das ist eine gute Sache. Man ist niemandem etwas schuldig. Man kann machen, was man will. Wir können einfach morgens aufstehen und nach Lust loslegen."



Denckert, der wie sein Kollege Gregerson aus dem Norden kommt, lobt die Situation für Straßenmusiker in der Stadt: "Freiburg ist, was Straßenmusik betrifft, die lockerste Stadt Deutschlands. Das ist auch der Grund, warum wir hier geblieben sind." Friedlich und aufgeschlossen sei es hier, und die Innenstadt sei ideal zum Musizieren.

Sebastian Hesselmann: "Das härteste Publikum"

Den Singer-Songwriter Sebastian Hesselmann zieht es oft mit Gitarre und Mundharmonika auf die Straße. Der 24-Jährige schreibt eigene Songs auf Englisch und Deutsch, auf der Straße gibt’s auch die eine oder andere Coverversion. "Man hat das härteste Publikum", erklärt er. "Die Leute kommen nicht, um mich zu hören. Wenn es dann aber jemandem gefällt, ist das etwas sehr Schönes."

Straßenmusik, sagt Hesselmann, ist wie Proben auf der Straße. Manchmal gibt es auch Feedback. Es ist möglich, bei der Liedauswahl nach der eigenen Stimmung zu gehen, was bei einem Konzert nicht immer möglich ist. Wenn es auf der Straße gerade passt, singt man eben "Wish you were here" statt etwas Eigenes.

Das kommt an: Schon bleibt eine junge Frau in der Grünwälderstraße stehen, singt mit und lobt: "Hey, cool Mann!" Solche Erlebnisse können kreativ machen: Im Song "Leise lachen" verarbeitet Hesselmann Erfahrungen, die er auf der Straße gesammelt hat.



Einer seiner Lieblingsorte ist vor dem "Harmonie"-Kino: "Gerade samstags ist das toll. Da warten die Leute auf ihren Film, das ist ein sehr gutes Publikum." Aber auch auf dem Münsterplatz spielt er oft.

Im Gegensatz zur Kaiser-Joseph-Straße bringe man die Leute in den etwas ruhigeren Gegenden eher dazu, stehen zu bleiben.

Was den Platz angeht, ist für Musiker Flexibilität gefragt: Mal ist der Lieblingsort schon vergeben, mal ist nichts los, mal ist eine Baustelle im Weg. Die Freiburger Regeln für die Straßenmusik findet Hesselmann recht locker: "Die Situation ist sehr gut und künstlerfreundlich." Was Hesselmann an der Straßenmusik ebenfalls schätzt: "In Freiburg gibt es viele, oft gute Musiker." Einen, den Hesselmann beim Spielen auf der Straße kennengelernt hat und mit dem er seitdem viel gemacht hat, ist Danny McClelland.
Die Straßenmusik-Regeln in Freiburg

Das Musizieren auf der Straße ist montags bis freitags von 10 Uhr bis 11.45 Uhr und von 16 Uhr bis 18.45 Uhr erlaubt. Samstags kann von 10 Uhr bis 18.45 Uhr musiziert werden. Angefangen werden darf frühestens zur vollen Stunde, gespielt werden darf maximal 45 Minuten. Wird nicht zur vollen Stunde begonnen, müssen die Auftritte spätestens 15 Minuten vor der nächsten vollen Stunde beendet werden. Der Standort muss gewechselt werden.
Laut Merkblatt sind "lautstarke Instrumente wie Trommeln, Trompeten, elektrische Instrumente, Tonbänder, Plattenspieler, Tonverstärker" verboten. Das Spielen ist – mit Ausnahme von Samstagen – an folgenden Orten verboten: Rathausgasse/Rathausplatz, Kaiser-Joseph-Straße/Rathausgasse, Kaiser-Joseph-Straße/Schusterstraße. Generell verboten ist das Spielen an den Haltestellenbereichen der Straßenbahnen.
Die Pressestelle des Rathauses berichtet, dass es immer mal wieder Beschwerden wegen Straßenmusik gebe. Auf ihren Kontrollgängen würde die Polizei in der Innenstadt überprüfen, ob die Straßenmusiker die Regeln einhalten.