Freiburg, das sind deine Straßenbahn-Fahrgäste

Eyüp Ertan, Leonie Sayer & Felix Klingel

Die Hölle, das sind die anderen – der existentialistische Satz von Satre passt bestens in jede Freiburger Straßenbahn. Dort sind wir umgeben von Sitzblockierern, Handy-Zombies und Plappertaschen. Eine Typologie der Straßenbahn-Fahrgäste.



1. Der Sitzblockierer

Der Sitzblockierer kommt aus diversen sozialen Milieus: Ob es nun die ältere Dame mit Einkaufstasche, das Schulkind mit Scout-Schulranzen oder eben der busy Manager mit Telefon am Ohr ist - sie alle wollen den Platz neben sich frei haben und machen mit verschiedensten Mitteln deutlich, dass ein Hinzusetzen unerwünscht ist. Ihre stärkste Waffe: der böse Blick.

2. Die Nähe-Suchende

Ist das genaue Gegenteil des Sitzblockierers. Früh morgens sitzt man in einer fast leeren Bahn in einem Vierer und will aus unterschiedlichsten Gründen seine Ruhe - nur dieser eine Mensch versteht es nicht. Setzt sich am besten noch genau neben einen und sorgt für noch bessere Stimmung.

3. Der Handy-Zombie

Ausdruckslos starrt er in sein Handy. Beim Hinsetzen, beim Aufstehen, beim Rauslaufen und Rumstehen – immer. Eigentlich stört er niemanden – doch er weckt unweigerlich den Gedanken, ob die Digitalisierung der Gesellschaft wirklich ein Segen ist.

4. Die Stehenbleiberin

Rush-Hour, Stoßzeit, am Bahnhof steigt gefühlt die ganze Bahn einmal aus und wieder ein. Die Stehenbleiberin jedoch hat das Prinzip des Ersteinsteigers nicht verstanden. Nämlich dass man intelligenterweise bis in die Bahnmitte durchläuft. Sie bleibt stattdessen in der Tür oder manchmal einen halben Meter dahinter stehen und wundert sich, warum die Bahn nicht losfährt. Im besten Fall mit Kopfhörer von der Außenwelt abgeschirmt.



5. Der Alpha-Kevin

Ist stets mit seiner Gruppe unterwegs, laut, pöbelt und macht gern die Füße auf die gegenüberliegenden Sitze. Nimmt im besten Fall "nur" keine Rücksicht auf seine Mitmenschen, im schlechtesten Fall kommt noch laute, schlechte Musik mit stechendem Geruch von unterschiedlichstem Fast-Food hinzu.

6. Die Emo-Plappertasche

Es scheint, als würde ihr außerhalb der Straßenbahn der soziale Kontakt fehlen. Sie verwechselt die Straßenbahn mit der Selbsthilfegruppe, redet immer offen mit allen Mitfahrenden über alles was sie gerade innerlich bewegt. Besonderheit: Redet auch weiter, wenn allgemeines Desinteresse der anderen Fahrgäste besteht.

7. Die Klatschbase

Entgegen der allgemeinen Annahme, dass die Klatschbase im Journalismus tätig ist und deshalb stets an die neusten Informationen kommt, sind es meistens Ü50-Frauen die gerne Gerüchte an Passanten verteilen.

8. Der Musiker

Ganz beliebt sind Straßenbahngäste mit Kontrabass und Cello - die Beweglichkeit dieser Gäste in Verbindung mit ihren Instrumenten beschränkt sich auf die eines Pinguins an Land. Sie versperren Gänge und wenn sie sich umdrehen, bekommt man als sitzender Gast ihren Koffer ins Gesicht gedrückt.

9. Der An-Die-Tür-Lehner



10. Das Baby

Es soll ja tatsächlich Babys und Kleinkinder geben, die süß sind und die vor allem schlafen. Leider passiert das nie während einer Straßenbahnfahrt. Stattdessen ist man bis zum Aussteigen gedrängt von der Hoffnung, das Baby würde doch bitte ruhig sein - nur um dann doch enttäuscht zu werden, weil Hunger, Pipi, Spielzeug kaputt oder sonst ein trivialer Grund das Kind zum Schreien animieren.

11. Die Dränglerin

Als Kind predigte die Mama stets "erst aussteigen lassen und dann einsteigen". Eine Anweisung, die durchaus Sinn ergibt, bei einigen Bahngästen jedoch noch nicht angekommen ist. Wollen schon einsteigen, obwohl nicht einmal die Hälfte der Aussteigenden auch nur ansatzweise in Türnähe sind. Ebenfalls in allen Altersklassen zu finden.



12. Der Schwarzfahrer

Nervös und hibbelig steht der Schwarzfahrer an der Eingangstür, die er so fast komplett blockiert. Sein Blick schweift stets aus dem Fenster auf die Bahnsteige – im Kopf nur eine Frage: Ist der Typ mit der Umhängetasche ein Kontrolleur?

13. Die Fahrkartenkontrolleurin

Denkt, sie sei unauffällig. Bewegt sich aber doch recht auffällig in einer Gruppe von fünf bis sechs Artgenossen. Ist dann eher einfach zu identifizieren – an der Umhängetasche.

14. Der Straßenbahnfahrer

Hat, wie der Busfahrer, nur aus einem einzigen Grund den Beruf erlernt: Um vor den Augen angerannt kommender Straßenbahngäste die Türe schließen und davonfahren zu können.

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