Freestyle-Rap-Battle: Am Donnerstag startet der monatliche Rap Anker im Freizeichen

Valentin Heneka

Zwei Rapperinnen oder Rapper treten auf der Bühne gegeneinander an und buhlen um die Gunst des Publikums: Das ist Battle-Rap, wie ihn Sergio Schmidt und Dennis Rappich ab sofort mit ihrer monatlichen Veranstaltung Rap Anker im Freizeichen zelebrieren.

Ein regelmäßiges Rap-Battle gibt es in Freiburg bisher noch nicht. Warum braucht die Stadt den Rap-Anker und wie kam die Veranstaltung zustande?

Sergio: Wir haben gemerkt, dass es in Freiburg eigentlich eine große Szene mit vielen Rappern aus allen möglichen Stilrichtungen gibt. Und es gibt vereinzelte Jams und Events, aber kaum Veranstaltungen, auf denen Rap wirklich verankert ist. Mit dem monatlichen Rap Anker wollen wir der Community eine Basis bieten. Klar, Freestyle-Battle-Rap eine sehr spezifische Hip-Hop-Disziplin, aber es ist das, was wir selbst feiern. Auf den Namen mit dem Rap-Anker kam Dennis.

Dennis: Angefangen hat es mit Colossus MC, der jetzt in Stuttgart wohnt. Vor drei Jahren haben er, Sergio und ich uns zum ersten Mal zum Freestyle getroffen. Daraus haben sich wöchentliche private Sessions entwickelt, die manchmal über viele Stunden gingen. Es kamen mehr Leute dazu, die mittlerweile aber alle wieder weggezogen sind. Sergio kam schon vor einem Jahr auf mich zu und wollte eine öffentliche Veranstaltung daraus machen. Ich hatte damals keine Lust, weil ich lieber selbst an so einem Battle teilnehmen wollte, als es zu veranstalten. Nachdem beim letzten Freiburger Rap-Battle im November…

Sergio: … das Dennis gewonnen hat.

Dennis: …das kleine KuCa in Littenweiler aus allen Nähten geplatzt ist, kam Sergio nochmal auf mich zu. Und da es so ein regelmäßiges Battle immer noch nicht gibt und die Nachfrage offensichtlich da ist, dachte ich, es sei jetzt scheinbar an der Zeit selbst zu veranstalten.
"Im Battle geht alles, wer auf die Bühne geht, muss eine dicke Haut haben." Dennis Rappich

Wer kann am Battle teilnehmen?

Dennis: Grundsätzlich jeder. Wer mitmachen will, soll sich bei uns vorab über Facebook melden. Pro Abend treten acht Rapperinnen oder Rapper gegeneinander an und wir wollen sicher sein, dass alle Turnierplätze vergeben sind. Falls jemand kurzfristig abspringt, hoffen wir, dass sich im Publikum Ersatz findet.

Wie läuft das Turnier ab?

Dennis: An einem Abend gibt es Vorrunde, Halbfinale und Finale. Zwei Rapperinnen oder Rapper stehen auf der Bühne und liefern sich einen Schlagabtausch über jeweils vier Takte. In einem Vorrunden-Match wechseln sie sich über drei Minuten ab, in einem Halbfinale über vier Minuten und im Finale über fünf Minuten. Das Publikum bestimmt, wer eine Runde weiter kommt.

Wie geht ihr mit sexistischen, homophoben, rassistischen oder antisemitischen Äußerungen auf der Bühne um?

Sergio: Das ist eine schwere Frage. Vor allem weil man differenzieren muss, etwa zwischen Alltagssexismus oder -rassismus und Sexismus und Rassismus in der Kunst. Damit will ich keine sexistischen, rassistischen oder auch antisemitischen Künstler, von denen es im Rap viele gibt, in Schutz nehmen. Grundsätzlich ist es in der Kunst aber möglich, diese -Ismen zu thematisieren ohne sie zu reproduzieren, also für ihre Verbreitung zu sorgen.

Wenn jemand sagt "Yeah, ich ficke jeden Tag eine andere Frau" dann könnte man das als Sexismus bezeichnen, weil die Frau zum Objekt gemacht wird. Oder man sieht darin eine für Rap typische Selbstinszenierung im Sinne von "Ich bin so geil, alle wollen mich". Wenn jemand diesen Satz zu mir im Alltag sagen würde, würde ich die Person zur Rede stellen. Wenn es ein Rapper sagt, denke ich mir nur, dass es eine schlechte Line ist. Da werden mir jetzt unzählige Menschen widersprechen, vielleicht auch zu Recht. Ich will darauf hinaus, dass die Grenze, ab wann etwas als sexistisch ist, total schwer auszumachen ist. Und ich finde, da sollte man in der Kunst kulanter sein, als im Alltag.

Bei erwähnten Rap-Battle im November, an dem ich auch teilgenommen habe, sind beispielsweise an verschiedenen Stellen sexistische, teilweise auch rassistische Äußerungen auf der Bühne gefallen. Die Rapper wurden damit nach ihrem Auftritt vom Publikum konfrontiert und kritisiert. Wir hoffen, dass es auch im Rahmen unserer Veranstaltung möglich ist, einen Diskurs über derartige Äußerungen zu führen, sodass am Ende nicht die sexistische Äußerung steht, sondern die Diskussion darüber.

Dennis: Ich sehe eher die Gefahr, dass das Freiburger Publikum zu sensibel reagiert. Im Battle geht alles, wer auf die Bühne geht, muss eine dicke Haut haben. Wenn ich beispielsweise gegen einen schwarzen Rapper antrete, der zu mir sagt, dass ich eine hässliche Nazifrisur habe, finde ich es rassistischer, seine Hautfarbe aus political correctness nicht zu thematisieren. Natürlich darf das nicht zu stumpf oder geschmacklos werden. Aber wenn es gut verpackt ist, geht alles. Aber das ist immer ein schmaler Grad.

"Man soll sich nicht auf die Fresse hauen." Sergio Schmidt

Klar, schon bei den oft getroffenen Aussagen über die Mutter des Gegners lässt sich Sexismus erkennen.

Sergio: Ich glaube, viele verstehen nicht, warum im Battle-Rap gerade die Mutter so häufig angegriffen wird: Die Mutter ist einen feminines, abstraktes Konstrukt, das man immer angreifen kann, da jeder eine Mutter hat. Ich glaube, das ist einfach ein Hilfskonstrukt, um eine gegen Frauen gerichtete Punchline zu bringen, wenn man keinen direkten Bezug zum Gegner herstellen kann. Deswegen sind Mutter-Lines grundsätzlich auch so schwach. Ein guter Battle-Rapper greift persönlich an und bezieht sich auf seinen Gegner, wie er vor ihm steht. Man könnte daher sagen, gute Battle-Rapper sind oberflächlich. Geiler ist es noch, wenn man sich auf persönliche Storys oder Alben des Gegners beziehen kann. Das funktioniert aber nur, wenn das Publikum mit diesen Dingen vertraut ist.

Gibt es Regeln beim Rap-Anker?

Sergio: Man soll sich nicht auf die Fresse hauen.

Dennis: Nicht anfassen.

Sergio: Selbst kleine Schubser sind auf der Bühne Tabu. Es geht um eine rein verbale Auseinandersetzung. Außerdem: Die Klappe halten, wenn jemand anderes rappt. Mit Ausnahme vielleicht, wenn es sich um eine absolut einmalige Angelegenheit handelt, bei der jemand den Reim des Gegenüber vervollständigt und alles richtig on Point ist. Ansonsten wäre es unsportlich.

Wie ist der Ablauf am Donnerstag?

Sergio: DJ No Set von Eardrum, ein cooler DJ, der überwiegend überwiegend Oldschool-Beats von Vinyl auflegt, wird ab 21 Uhr im Freizeichen auflegen. Um 22 Uhr geht das Battle los – wer daran teilnimmt, möchten wir noch nicht verraten. Danach findet die offene Cypher, die Open-Mic-Session, statt. Von der Dramaturgie her wäre es andersrum besser, aber das Battle ist das Highlight und die Veranstaltung soll nicht zu spät zu Ende gehen. Wir wollen nicht, dass nur Studenten kommen, auch Azubis und Berufstätige sollen kommen und am nächsten Tag immer noch zur Arbeit gehen können.

  • Was: 1. Ausgabe von Rap Anker mit DJ No Set, Freestyle-Rap-Battle und Open-Mic-Session
  • Wann: Donnerstag, 17. Januar 2019, 21 Uhr
  • Wo: Freizeichen (Artik)


Zu den Personen

Sergio Schmidt, Jahrgang 1995, sitzt seit 2014 für Junges Freiburg im Gemeinderat und arbeitet als Bereichsleiter Jugendkultur im Artik. Er veranstaltet den Poetry-Slam Slam 46 in der Passage 46 und ist selbst als Slammer sowie als Freestyle-Rapper aktiv.

Dennis Rappich, Jahrgang 1996, studiert Deutsch und Geographie auf Lehramt an der PH Freiburg. Er fand als Teenager über die Veranstaltung Rap am Mittwoch, bis zu ihrer Einstellung 2018 das bekannteste Rap-Turnier Deutschlands, ohne Umwege direkt zum Battle-Rap, den er selbst unter dem Künstlernamen Ars praktiziert.

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