Forum "Sustainable Consumption" an der Uni Freiburg: Nachhaltigkeit beginnt im Alltag

Martin Jost

Am Freitag veranstaltete der Studiengang Environmental Governance ein Forum über Nachhaltigkeit. Wie umweltbewusst lässt es sich in der Green City Freiburg leben? Kann man durch kalt Duschen die Welt retten? Kann man das Wort Nachhaltigkeit überhaupt noch hören?



Einen Monat nachhaltig leben, mitten in der Stadt – geht das? „Ich hab’s versucht. Es ist zum Kotzen“, sagt Luis Alfonso Bustillo Munoz. Der Mexikaner studiert an der Uni Freiburg auf den Master „Environmental Governance“ und hat mit vier Kommilitonen vier Wochen lang auf elektrisches Licht, warme Duschen, Fleisch und importiertes Essen verzichtet. „Na ja, nicht zum Kotzen. Aber es ist hart!“


Die Härten des nachhaltigen Lebens haben die Fünf in einem Blog beschrieben und hat Philippe Waldecker in einem sehr kurzweiligen und pointierten Film dokumentiert.

Der ganze Studiengang „Master’s in Environmental Governance“ (kurz MEG) präsentierte sich am Freitag in einem Student Oganized Event – einer Tagung, die die Teilnehmer des Programms selbst ausrichten müssen. In diesem Rahmen hatte auch der Film über den Freiburger Selbstversuch Premiere. Dazu gab es Vorträge von Experten und ein Moralstück in Schultheatermanier, das das schlechte Gewissen der Ersten Welt plakativ unterfütterte.
Nach vier akademischen Konferenzen war das Forum „Setting the Stage for Sustainable Consumption“ das erste MEG-Event für eine breite Öffentlichkeit. Nachhaltigkeit (Englisch: Sustainability) war überall.

Nachhaltig, nachhaltig, nachhaltig. Irgendwann vor unserer Geburt muss das Wort mal eine Bedeutung gehabt haben. Dann wurde es jahrelang vervielfältigt, instrumentalisiert und ausgehöhlt, schließlich eine sichere Wette in jeder Runde Bullshit-Bingo und heute klingt es selbst für jene so langweilig, die das Wort seinerzeit von den Ökos gekidnappt haben, dass man es getrost wieder seriös benutzen darf. Bald sieben Milliarden Menschen auf der Erde und ein Wasser-, Luft- und Energieverbrauch als würde es kein Morgen geben. Die Studenten im MEG-Programm kommen aus derzeit 19 unterschiedlichen Ländern und aus so unterschiedlichen Fachrichtungen wie Juristerei oder Forstwirtschaft und suchen gemeinsam nach Wegen, unsere Umwelt nachhaltig zu verwalten.

Nachhaltig leben im Alltag bedeutet scheinbar in erster Linie moderaten Verzicht – das klingt im verfilmten Selbstversuch der vier MEG-Studis an. In der Light-Version von «No Impact Man» sind die härtesten Prüfungen der Verzicht auf heißes Wasser und die Beschränkung auf regionale Produkte. Zusammen frisch kochen macht Spaß, unter der Woche darf man aber eben nicht die Öffnungszeiten der Bauernmärkte verschlafen. Kaffee kommt von zu weit weg und ist tabu. „Wenn man dann unter die eiskalte Dusche springt, ist man aber genau so wach“, bemerkt eine Teilnehmerin.

Als Nebenprodukt des Selbstversuchs ist eine Broschüre entstanden – „Sustainable Consumption in Freiburg“ gibt auf Englisch Tipps für Freiburger, die nachhaltig leben wollen: Adressen von Bio-Supermärkten und Tipps wie aus dem „Tierfreund“: Dusche kurz, dreh die Heizung runter, benutze Akkus. Wie viel Öko genug ist, um die Welt zu retten, steht nicht dabei. Auf ein wenig Komfort zu verzichten ist selbst für Nachhaltigkeits-Profis zum Kotzen hart, wie ihr Experiment zeigt.

Mehr dazu:

Die Selbstversuch-Doku von Philippe Waldecker soll bald auf dem MEG-Youtube-Kanal erscheinen.