Fluch der Karibik 3: Pro & Contra

Anne-Julie Maurer & Simon Heller

Die kanonenschwere Effektorgie polarisiert in der dritten Fortsetzung die Kinogänger. Einerseits hört man "Das ist der geilste Johnny Depp ever", aus anderen Kinosesseln vernimmt man tiefe Schnarchgeräusche. Zwei Ansichten.



Anne-Julie Maurer: Daumen hoch!

Die Piraten segeln wieder und am Ende ist alles beim Alten. Man geht mit diesem großen, glücklichen Grinsen aus dem Kinosaal, weil man sich freut, ein Teil der Reise gewesen zu sein.


Lieblingsidioten

Der Anfang ist viel versprechend. Singapur, die Heimat von Sao Feng, wird als Vorhof zur Hölle dargestellt und ist wunderbar düster und hässlich. Barbossa und Elizabeth Swann schlagen sich bis zu Sao Feng vor, im Untergrund begleitet von ihrer irren Crew.

Wortgefecht folgt auf Wortgefecht, die erste witzige Einlage des Films kommt von meinen zwei piratischen Lieblings-Idioten Pintel und Ragetti, die Barbossa und Elizabeth durch die Schlitze der Fußbodendielen Waffen zuwerfen. Eine nette Actionszene später schließen Will Turner und Sao Feng einen geheimen Pakt, den keiner einzuhalten gedenkt und der die Handlung erst richtig in Schwung bringt.

Äußerstes Amusement

So kann es also losgehen zum Ende der Welt, um Jack Sparrow zu retten. Gore Verbinski führt uns direkt in die wirre, verdrehte Gedankenwelt Jacks. Mit äußerstem Amüsement verfolgt man, wie Johnny Depp in seiner Paraderolle aufgeht und das gleich circa zwanzig Mal (er leidet augenscheinlich an Wahnvorstellungen). Auch die Rückkehr ins Reich der Lebenden ist einfallsreich gestaltet, so dass man für den Film beide Daumen nach oben strecken kann.



Das beste Zitat

Das Ende übertrifft sich selbst. Barbossa flieht mit der Black Pearl und will einmal mehr den Ort der Unsterblichkeit finden. Zurück bleiben Jack Sparrow und sein Matrose Gibbs, die eine wunderbare Szene mit zwei Frauen spielen – inklusive der obligatorischen Ohrfeigen und dem besten Zitat des ganzen Films:

„Ladies! Will you please shut it? Listen to me. Yes, I lied to you. No, I don't love you. Of course it makes you look fat. I've never been to Brussels. It is pronounced "egregious". By the way, no, I've never met Pizzaro but I love his pies. And all of this pales to utter insignificance in light of the fact that my ship is once again gone. Savvy?“

Grandiose Kulissen

Insgesamt eine deutliche Steigerung zum zweiten Teil.

Trotz kleiner Schwächen macht der Film Spaß, was vor allem an der Leistung der Schauspieler liegt und den grandiosen Kulissen und Kostümen, die unfassbar aufwändig und detailverliebt gestaltet wurden. Die Kameraführung ist ebenso wie der Soundtrack (bei dem Will und Jack ihr eigenes musikalisches Thema haben) erste Sahne.

Der Film beantwortet (fast) alle Fragen, und das Ende macht die alles entscheidende möglich: wird es Teil 4 geben?



Simon Heller: Daumen runter!

Wie hieß gleich der Film? Fluch der Schlaftablette? Ich dachte mir jedenfalls nichts böses, als ich mit meiner Freundin das Billett zur Spätvorstellung dieses Piratenfilms abreißen ließ.

Überladene Handlung

Dann aber wurde es bitter. Die Werbung dauerte etwa 50 Minuten. Um 0.50 Uhr Filmbeginn. Den habe ich noch mitbekommen. Mein Eindruck: die Macher von „Fluch der Karibik“ versuchen wieder einmal, viel zu viel Handlung in den Film zu quetschen. So schaukelt er mit viel Tamtam dem Abgrund entgegen.

Stone, bleib bei deiner Klampfe

Mit schweren Augenlidern erkenne ich Keith Richards’ lang erwarteten Auftritt als Vater von Jack Sparrow. Was soll das? Den hätte man getrost streichen können. Sein Erscheinen bringt der Handlung rein gar nichts.

Zwischendrin nicke ich komplett ein, mein Kopf sinkt an die Schulter meiner Freundin. Auch sie kämpft gegen den Schlaf. Die Gags sind einfach zu seicht, die Dialoge im Vergleich zu den Teilen 1 und 2 stark abgeflacht.

Schlachtszene als Tiefpunkt

Zur Pause wache ich auf, weil die Lichter im Saal angehen. Ich hole uns Kaffee. Aber der bringt nicht viel.

Als es wieder losgeht, kommt eine Schlachtszene, die ist so lang, dass ich mich nach gefühlten 30 Minuten anfange, grässlich zu langweilen. Der absolute Tiefpunkt ist erreicht. Selbst meine Freundin, die Johnny Depp eigentlich toll findet, ist angeödet.

Dieser Film war Zeit- und Geldverschwendung. Auf einen vierten Teil kann ich dankend verzichten.