Film der Woche: Tropic Thunder

David Harnasch

Mit "Tropic Thunder" gelingt Ben Stiller als Regisseur, Co-Autor, Produzent und Hauptdarsteller eine Filmbranchenparodie mit Starbesetzung. Das hochkarätige Ensemble überrascht aber vor allem in einer grandiosen Nebenrolle: Seit "Top Gun" war Tom Cruise nie derart sehenswert! Das findet zumindest David Harnasch, der den Film für fudder angeguckt hat.



Tropic Thunder handelt von der Produktion des ultimativen Vietnamfilms: Der britische Regisseur Damian Cockburn wurde verpflichtet, um die Riesenegos einiger der größten Stars unserer Zeit zu zügeln: Tugg Speedman (Ben Stiller) hat seine besten Zeiten hinter sich, soeben floppte die sechste Fortsetzung seines einzigen großen Actionerfolgs. Der Versuch, mit dem behinderten „Simple Jack“ ins Charakterfach zu wechseln, misslang ebenfalls.


An seiner Seite stümpert Jeff Portnoy (Jack Black), Komödienstar auf „Big-Mama“-Niveau mit massivem Heroinproblem. Der X-fache Oscar-Preisträger und Method-Actor Kirk Lazarus (Robert Downey Jr.) hat sich für seine Rolle als farbiger GI in einer aufwändigen Operation „pigmentieren“ lassen, während der Hip-Hop Star Alpa Chino – ja, genau so spricht man das aus -  (Brandon T. Jackson) sich bemüht, seine Merchandise-Brause „Booty Sweat“ in möglichst vielen Einstellungen unterzubringen. Nachwuchshoffnung Kevin Sandusky (Jay Baruchel) hat als einziger wenigstens das Drehbuch gelesen. Die Vorlage dazu stammt vom Vietnamveteranen Four Leaf Tayback (Nick Nolte).



Da diesem Haufen durchgeknallter Diven mit anderen Mitteln nicht beizukommen ist, beschließt Regisseur Cockburn – nachdem er einen wahrhaft fürchterlichen Anschiss von Studioboss Les Grossman (Tom Cruise) kassierte – seine Hauptdarsteller fern von Catering und speichelleckenden Assistenten im Dschungel auszusetzen und mit versteckter Kamera zu filmen.

Die fügen sich mit unterschiedlicher Begeisterung in ihr Schicksal und merken erst langsam, dass sie in einer höchst realen Krisensituation gelandet sind: Statt mit Platzpatronen und Pyrotechnik schießt das örtliche Drogenkartell mit Blei und Panzerfäusten auf die vermeintlichen US-Drogenfahnder.

Zwar zündet nicht jeder Gag hundertprozentig, aber da genug Ideen für zwei Filme verwurstet wurden, kommt auch so keine Langeweile auf. Der inzwischen beinahe kassengiftige Tom Cruise ist schlicht brillant, vielleicht wird dieser Film für seine Karriere, was „Pulp Fiction“ für John Travolta war.

Sogar noch mehr Spaß macht Robert Downey Jr. als Schauspieler, der seinen Job so ernst nimmt, dass er bereits in einer Meta-Identitätskrise steckt: „Wer bist Du?“ „Ich bin der Typ, der so tut, als wäre er ein Kerl der er einen Typ spielt!“

Da denkt man an Heath Ledger, der den „Joker“ nicht überlebt hat – und muss trotzdem lachen. Auch die Rainman/Forest-Gump-Persiflage „Simple Jack“ ist extrem lustig. Darf man über Witze über Schauspieler lachen, die Behinderte spielen? Andererseits: Wenn man eh schon über einen Heroinkranken lacht und über einen weißen Australier, der sich nicht entscheiden kann, ob er als Australier oder als (vorrübergehend) Farbiger leichter zu beleidigen ist – warum dann nicht auch über alle anderen Unmöglichkeiten in diesem an Tabubrüchen überreichen Film? Selten wurden so überragende technische und schauspielerische Leistungen auf derart schön-bescheuerte Jokes verwendet – toll!

Sechzig Millionen Dollar Budget bekam Ben Stiller 2004 mit einem Exposé von genau fünf Wörtern bewilligt: „Owen Wilson. Starsky & Hutch.“ Tropic Thunder war mit gemunkelten 150 Mio. Dollar noch teurer, aber wenn dieser Film einen einigermaßen verdienten Kassenerfolg hat, kann Stiller bis auf weiteres wirklich alles machen, was er möchte.



fudder-Bewertung

Anspruch



Gagdichte



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera



Informationsgehalt



Musik





Trailer: Tropic Thunder

Quelle: YouTube