Film der Woche: The International

Carolin Buchheim

Mit Tom Tykwers zweitem international produzierten Film "The International" wurde in der vorvergangenen Woche die diesjährige Berlinale eröffnet. Caro hat sich den Thriller mit Clive Owen und Naomi Watts angeguckt.



Es ist eine klassische Agenten-Thriller-Szene. Ein Auto auf einem Parkplatz, der Informant auf dem Fahrersitz, der Kontaktmann auf dem Rücksitz, sie sehen sich nur durch den Rückspiegel an. Der Informant will offensichtlich die Seite wechseln, doch zögert noch, ein nächster Termin zum konspirativen Gespräch wird verabredet. Doch dazu kommt es nicht, denn direkt nach dem Aussteigen aus dem Auto wird der Kontaktmann ermordet. So beginnt Tom Tykwers „The International“ vor dem Berliner Hauptbahnhof.


Der ermordete Kontaktmann gehörte zu einer Ermittlergruppe auf den Spuren der Machenschaften der International Bank of Business and Credit, der mächtigsten Bank der Welt, die ihr Portfolio um den Handel mit Waffen erweitert hat und Regierungen und Polizei bestechen und Gegner - klassischer Agenten-Thriller! - natürlich gerne einfach so umbringen.



Für die Aufräumarbeiten in diesem schmutzigen Geschäft beschäftigt die Bank den Ex-Stasi-Oberst Wilhelm Wexler (Armin Müller-Stahl, Bild oben rechts). Der trifft sich bevorzugt – klassischer Agenten-Thriller! - in Museen mit den Auftragskillern, die die mörderischen Arbeiten dann letztendlich verrichten. Kein Wunder, dass der Informant, der ein Führungsmitglied der Bank war, bald auch tot ist.

Doch die Ermittlergruppe, deren Kern der Interpol-Agent Louis Salinger (Clive Owen) und die New Yorker Staatsanwältin Eleanor Whitman (Naomi Watts) bilden, ist dem Chef der Bank, Jonas und seinen Kollegen dicht auf den Fersen. Sie jagen, der Spur des Geldes nach, und durch diverse europäische Großstädte bis nach New York, wo es im Guggenheim-Museum zu einem fantastisch choreographierten Showdown (oder Shoot-Down?) kommt.



In diversen Artikeln wurde „The International“ als 'der Film zur Bankenkrise' verkürzt, und diese Feststellung tut dem Film unrecht. „Dass der Film auf ein Thema Bezug nimmt, das in den Schlagzeilen so sehr nach vorne getreten ist, ist reiner Zufall,“ klärte Tykwer in einem Gespräch mit dem BZ-Ticket auf. „Das ist für den Film natürlich extrem positiv, hat aber kaum Bedeutung für mich. Der Komplex, um den sich der Film dreht, ist seit Jahrzehnten relevant. Es geht mehr um die Auseinandersetzung mit dem System, das dieser Interpol-Agent bekämpft, als um die konkrete Krise, die in der weltweiten Finanzwelt ausgelöst wurde.“

Und genau das macht die Spannung dieses Thrillers aus. Clive Owen hetzt zwar immer mal wieder einzelnen Gegnern hinterher (und sieht dabei, wie schon in 'Children of Men' auch ungeduscht, übermüdet und gestresst natürlich auch gut aus), das System kann er - Freunde diverser Verschwörungstheorien dürfen sich freuen - letztendlich aber natürlich nicht besiegen. Dass dieses System im Plot nur in Schlagworten und Nebensätzen überhaupt abgehandelt wird, stört dabei nicht. So viel Vorwissen über den Gang der Welt darf Tykwer gerne vorraussetzen.

"The International" ist zwar ein Agenten-Thriller, dankenswerter Weise gleitet er aber nicht in die Klischees des Genres hinab. Autojagden gibt es nicht, stattdessen wird zu Fuß hinter Verdächtigen hergehetzt, Salinger und Whitman müssen auch nicht miteinander ins Bett gehen, und das ist schon mal grundsätzlich erfrischend.  Die großartigen Kameraeinstellungen und die tolle Inszenierung der Schauplätze runden den Film ab.

Nach "The International" denkt man als Zuschauer wahrscheinlich nicht unbedingt anders über die Welt, aber dafür ist man zwei Stunden lang wirklich gut unterhalten worden.



fudder-Bewertung

Anspruch



Gagdichte



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera



Informationsgehalt



Musik

 



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Trailer: The International

Quelle: YouTube