Film der Woche: Tage des Zorns

Jennifer Borrmann

Es geht um den dänischen Widerstand während der Nazibesatzung Dänemarks 1944 in diesem Film von Ole Christian Madsen. Wie gut die Inszenierung des historischen Stoffs gelungen ist, beurteilt Jennifer im folgenden.



Geschichte im Film darzustellen bringt immer auch historische und ästhetische Verantwortung mit sich. Wie beim politischen Theater ist auch beim politischen oder historischen Film die Schwierigkeit, die Waagschalen zu halten zwischen Inhalt und Ausdruck, zwischen Wahrung historischer Tatsachen und ästhetischer Darstellung. Spätestens mit deutscher Vergangenheitsbewältigung in „Der Untergang“ oder „Das Leben der Anderen“ wissen wir als Zuschauer, wie unterschiedlich solche Darstellungen sein können.


„Nach wahren Begebenheiten“ steht zu Anfang auf der Leinwand. Gleichzeitig führt uns Flames (Thure Lindhardt) Stimme als Voice-Over in die Geschichte ein und rekapituliert die vergangenen vier Jahre nationalsozialistische deutsche Besatzungszeit in Dänemark. „Mai 1944“ wird eingeblendet und die Stimme fragt mit tief sitzender Bitterkeit „Erinnerst du dich daran, als sie kamen?“ Schwarz-weiße Archivaufnahmen der Besetzung Kopenhagens verstärken das unwohle Gefühl, das sich breitmacht.



Die Protagonisten Flame und Citron (Mads Mikkelsen) sind aktiv im dänischen Widerstand tätig und man könnte sagen, sie sind Auftragskiller mit einer beinahen Film Noir-Coolness, wäre da nicht die Tatsache, dass es sich um wirkliche Charaktere handelt. Sie sind im Mai 1944 die Staatsfeinde Nr. 1 und ein hohes Kopfgeld ist auf die beiden ausgesetzt. Polizeichef Winther (Peter Mygind) ist ihr Auftraggeber, er verschafft ihnen Informationen über dänische Kollaborateure, die Flame und Citron dann ausschalten sollen.

Nach dem Motto „Wir bringen keine Menschen um, sondern Nazis“, können die beiden heutigen Nationalhelden ihre eventuell aufkommenden Schuldgefühle leicht unterdrücken.



Nach und nach kommen jedoch Zweifel auf an der Richtigkeit der Informationen, die sie von Winther erhalten. Geheimagentin Ketty (Stine Stengade) gibt Flame weitere Hinweise, die darauf hindeuten, dass Winther private Fehden durch ihn und Citron tilgt. Ihr Gewissen schaltet sich ein. Vielleicht haben sie Unschuldige getötet. Regisseur Madsen sagt über seinen Film, dass er unterschiedliche Haltungen zum Krieg behandeln möchte. Dabei legt er das Augenmerk auf Flame und Citron, ihre Motivation zu töten und eben genau darauf, zu zeigen, was es für einen Menschen bedeutet, anderen Menschen das Leben zu nehmen.



Die Kameraarbeit von Jørgen Johansson ist einzigartig und auch der Schnitt macht den Film zu einem ästhetischen Kunstwerk. Ein leichter Sepia-Schleier verleiht den Bildern einen Hauch 1940er Jahre, ohne nostalgisch zu wirken. Diese technischen Arbeiten und die Darbietungen Lindhardts und Mikkelsens („Casino Royale“) machen es dem Zuschauer einfach, sich in die Agenten-Widerstands-Geschichte, in der viel Blut fließt und unzählige Schüsse fallen, hineinziehen zu lassen.

Umso erschrockener ist man, wenn die Leinwand plötzlich schwarz und der Film zu Ende ist.

„Flammen & Citronen“, eine dänisch-deutsche Co-Produktion, behandelt nicht nur das Widerstandsleben der beiden Protagonisten, sondern auch das Arrangement vieler Dänen mit den nationalsozialistischen deutschen Besatzern. Diese waren immerhin fünf Jahre lang in Dänemark. Und es ist gerade das Portrait einzelner Widerstandskämpfer, mit dem Regisseur Ole Christian Madsen die Kollaboration vieler im Fokus behält. Er versucht gerade nicht, diese Tatsache durch Schönmalerei oder durch das Hervorheben der einzigartigen Rettung von etwa 7000 Juden durch Dänen 1943 zu kaschieren.

fudder-Bewertung

Anspruch:



Gagdichte:



Action:



Spannung:



Schauspielerische Leistung:



Story:



Kamera:



Informationsgehalt:



Musik:



Mehr dazu:


Trailer: Tage des Zorns

Quelle: youtube