Film der Woche: Sweeney Todd - Der teuflische Barbier aus der Fleet Street

Christian Beller

Kopflose Reiter, melancholische Skelette, zerstörungswütige Marsianer oder selbsternannte Bioexorzisten - in der Welt von Tim Burton herrscht wahrlich kein Mangel an skurrilen Charakteren. Da ist der rachsüchtige Barbier Sweeney Todd natürlich wie geschaffen für Tim Burtons wundersames Gruselkabinett. Christian hat sich den gestern gestarteten Film für fudder angeguckt.



Die Geschichte von Sweeney Todd ist weitaus älter als das Kino selbst. Zur Entstehung der Figur gibt es die wildesten Spekulationen die bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen, sicher ist aber nur, dass das Schauermärchen erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts in einer englischen Wochenzeitschrift abgedruckt wurde, zur gleichen Zeit also in der jetzt auch der Film angesiedelt ist.


Der Film beginnt mit der Ankunft des Protagonisten im dunklen und nebelverhangenen London. Man erfährt, dass der einst glückliche Familienvater und Barbier Benjamin Barker (Johnny Depp) vom einflussreichen Richter Turpin (Alan Rickman) nach Australien verbannt wurde, damit dieser sich Barkers hübsche Frau greifen konnte. Nach 15 Jahren ist der Barbier nun zurück und hat nichts anderes im Sinn als sich an dem Richter zu rächen.

Er mietet sich ein Zimmer über dem Laden der erfolglosen Fleischpastetenbäckerin Mrs. Lovett (Helena Bonham Carter) von der er auch erfährt, dass sich seine ehemalige Frau vergiftet hat und seine Tochter von Turpin adoptiert wurde. Ausgerüstet mit seinen alten Rasiermessern, einem ungebremsten Hass auf die ganze Menschheit und der Hoffnung, dass ihm Richter Turpin vor die Klinge kommt, nimmt er seinen alten Beruf wieder auf - nur mit dem Unterschied dass er nicht nur die Bärte seiner Kunden stutzt und die dabei anfallenden Nebenprodukte bestens dazu geeignet sind, dem stagnierenden Fleischpastetengewerbe neues Leben einzuhauchen.



Das düstere London des vorletzten Jahrhunderts, die übertriebenen Charaktere, der schwarze Humor und das ganze morbide Szenario ist wie geschaffen für Tim Burton und dessen Handschrift ist auch sofort erkennbar. Die Ausstattung, die Ausleuchtung und die Atmosphäre sind ein Traum. Die Farben sind auf das Nötigste reduziert, wären nicht die zahlreichen grellroten Blutfontänen und eine wunderbare Strandszene vor blauem Himmel, man könnte fast meinen es wäre ein Schwarz-Weiss-Film.

Die Schauspieler, allen voran Johnny Depp, der für die Rolle einen Golden Globe erhielt, sind hervorragend und bis zur kleinsten Rolle perfekt besetzt. Worin sich der Film letztendlich sehr von anderen Tim Burton Werken unterscheidet ist die Tatsache, dass es sich hier um ein waschechtes Musical handelt. Es gibt also nicht nur ein paar Gesangseinlagen, wie das zum Beispiel bei „Corpse Bride“ oder „Charlie & die Schokoladenfabrik“ der Fall war, es wird in fast jeder Szene gesungen.

Die Musik stammt von Stephen Sondheim, der damit bereits vor 30 Jahren große Erfolge am Broadway feiern konnte. Für die Kinoversion wurde nur wenig verändert, aber die Stücke haben auch nichts an ihrer emotionalen Kraft verloren und werden von der Schauspielerriege voller Inbrunst vorgetragen.

Dass keiner der Darsteller eine Gesangsausbildung hat stört da überhaupt nicht. Dialoge gehen nahtlos in Gesang über und umgekehrt, deshalb ist es ratsam sich den Film in der Originalfassung anzuschauen, ansonsten steht einem außergewöhnlichen Kinogenuss nichts im Wege. Nur wer mit Musicals überhaupt nichts anfangen kann und wer es nicht sehen kann, wenn literweise Blut über die Leinwand strömt, der wird daran keinen Spaß haben.



fudder-Bewertung

Anspruch
TIPP: TIPP: TIPP: TIPP:


Gagdichte
TIPP: TIPP:
TIPP:

ActionTIPP:

SpannungTIPP: TIPP: TIPP:

Schauspielerische LeistungTIPP: TIPP: TIPP: TIPP: TIPP:

StoryTIPP: TIPP: TIPP:

KameraTIPP: TIPP: TIPP: TIPP: TIPP:


Musik
TIPP: TIPP: TIPP: TIPP: TIPP:

Mehr dazu: