Film der Woche: Star Trek

Christian Heller

Die letzten Inkarnationen des Star-Trek-Universums in Kino und Fernsehen siechten eher dahin, statt mit einem Knall zu enden. Anstatt aufzugeben, hält man jetzt die Zeit für einen gründlichen Neustart gekommen, der nicht nur die alteingesessene Fangemeinde, sondern vor allem auch neues Publikum in die Hände des Maschinerie locken soll. Für diese Aufgabe hat man sich J.J. Abrams ins Boot geholt, hipper Branchen-Genius spätestens seit seinen Verantwortlichkeiten "Alias", "Lost" und "Cloverfield". Christian hat die Star Trek-Prequel für Euch angeguckt.



Abrams' Reboot kehrt ganz an die Wurzel von "Star Trek" zurück: die Ursprungs-Besatzung von Kirk, Spock & Co. der "The Original Series" aus den 1960ern. Die späteren Kinofilme und der erste Franchise-Reboot ab "Star Trek: The Next Generation" weiteten die Linse von dort aus immer weiter aus auf die Zukunft bzw. zuletzt in die entfernte Vorgeschichte. Die Jahrzehnte beziehungsweise Jahrhunderte vor und zurück entsprachen dabei Jahrzehnten vorwärts im Zeitgeist des Franchise-Publikums.




Im Versuch, diese Expansion nach vorne wie nach hinten (bis, anspruchsvollerweise, zurück zum Heute) inhaltlich einigermaßen schlüssig und stabil zu vollziehen und gleichzeitig eine naive Utopie aus den 1960ern von Kennedy und Mondlandung für neue Erwartungshaltungen und Desillusionierungen der Nachfolgejahrzehnte fit zu machen, entstand ein großer Körper sehr interessanten Erweiterungs- und Anpassungs-Ballasts, den Abrams jetzt aber ziemlich gleichgültig wieder abschüttelt.

Abrams zoomt den Fokus einfach wieder auf den Ausgangspunkt zurück, und zwar nicht nur Handlungschronologisch. Sein "Star Trek" wirkt so bunt und poppig und naiv wie auch "The Original Series" heute wirkt. Er historisiert es offen retrofuturistisch, mit Bildern, die aussehen, als kämen sie von Science-Fiction-Heft-Covern aus den 1960ern und nicht, als würden sie eine von unserem Heute aus weiterdenkbare Zukunft darstellen.

Sein 23. Jahrhundert hat die Mondlandung, aber nicht das Internet erlebt. Es gibt den Warp-Antrieb, aber will man wirklich was ausrichten, muss man immer noch Nahkampf-erfahrene Helden physisch auf die gegnerische Brücke beamen. Die einzige Utopie aus den 60ern, die Abrams ablegt, zugunsten wunderschöner, erheiternd anachronistischer Product Placements, ist die vom Ende des konventionellen irdischen Kapitalismus.

Der Film ist ein kurzweiliges, oft komödiantisches Farbenspektakel, dramaturgisch ohne Tiefe, aber mit vielen so effektvollen wie austauschbaren Spitzen. Er macht es auf Ebene der Unterhaltsamkeit einem Nicht-Fangemeinde-Publikum sicherlich nicht schwer, und vielleicht geht die Rechnung so tatsächlich auf, frisches Blut an das Produkt "Star Trek" zu binden.



Explizit offenbar für die "Star Trek"-Nerds dagegen streut der Film endlos augenzwinkernde Querverweise und Verneigungen auf obskure Ränder des Franchise - bis hin zu Fan-Produktionen - und folgenlose Bestätigungen trivialer Spielregeln wie der vom unbedeutenden zusätzlichen Team-Mitglied, das leider beim Außeneinsatz rasch sterben muss. Der Film nimmt das Universum von "Star Trek" weniger aus sich heraus ernst, sondern viel mehr als beliebig rekontextualisierbaren kulturellen Text, den es auf Meta-Ebene zu kommentieren, zu verfußnoten und spielerisch zu rekombinieren gilt.

Kurzum: "Star Trek" ist endlich in der Postmoderne angekommen. Das macht es dann auch ganz ganz egal, wie hanebüchen die multiple Raum-Zeit-Verknotung daherkommt, die den neuen Handlungsraum für den Reboot, einen neuen persönlichen Hintergrund für Kirk und so weiter schafft: Denn sie ist auch einfach nur ein weiterer, nahezu parodistischer Kommentar auf die Vorliebe der bisherigen "Star Trek"-Inkarnationen für Zeitreisen und Paralleluniversen.



Dass J.J. Abrams nun einfach ein neues Paralleluniversum aufmacht und es durch einen Besuch des 'echten' Spock, authentifiziert durch Leonard Nimoy, an das altbekannte der vorherigen Filme und Serien zurückkoppelt, ist eine milde Geste des Respekts vor der Integrität des bisherigen "Star Trek". Nimoy nimmt die Schere in die Hand, schneidet das Band durch und eröffnet so den Spielplatz für Abrams, der dann darin, so ungestört vom Rest wie ungefährlich für diesen, frei herumtoben darf und schon beim ersten Versuch ziemlich achselzuckend einige grobe Nägel mit Köpfen macht.

Als ein Werk zum und über den Franchise "Star Trek" macht das so durchaus sehr viel Spaß. Aber bis zum nächsten Produkt stellt sich die Frage, wie solide und erdend dieser waghalsige und verspielte Eröffnungs-Wahnwitz als Grundlage für die Auftürmung weiterer Abenteuer und Entwicklungen funktionieren mag.



fudder-Bewertung

Anspruch



Gagdichte



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera



Informationsgehalt



Musik





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Trailer: Star Trek

Quelle: YouTube