Film der Woche: Nanny Diaries

Jonas Nonnenmann

Die Menschen auf der Upper East Side von Manhattan sind von einem besonderen Schlag. Das stellt zumindest Ethnologin Annie fest, als sie dort den Job als Kindermädchen des kleinen Grayer animmt. "Nanny Diaries", der Film nach dem Bestsellerroman von Emma McLaughlin und Nicola Kraus, ist unser Film der Woche. Jonas hat ihn sich für Euch angeschaut.



„Wer bin ich eigentlich?“, fragt sich Annie Braddock (Scarlett Johansson), die gerade ihr Ethnologie-Studium abgeschlossen hat. In ihrer Identitätskrise trifft die sympathische junge Frau im Central Park den kleinen Grayer, gut gespielt von Nicholas Reese Art. Dessen Mutter, eine unterkühlte High-Society-Tussi (Laura Linney), hält sie für eine Nanny und drückt Annie prompt ihre Visitenkarte in die Hand.


Annie nimmt das Angebot an, denn die Stelle ist für sie auch in ethnologischer Hinsicht interessant: in einem Feldforschungstagebuch analysiert sie die Eigenheiten ihrer Gastfamilie als typisches Beispiel für die Spezies der Bewohner Manhattans. Die Professionalität, mit der sie das tut, sowie ihr kluger Blick für soziale Verhaltensweisen führen zu einem Lacher nach dem anderen. Für das richtige Feeling sorgt auch die Ethno-Musik, die angenehm begleitet, aber nie die Handlung überblendet.



Grayers Eltern zeichnen die Regisseure Shari Springer Berman und Robert Pulcini so überspitzt, dass es schon satirisch wirkt. Ein besonders krasses Beispiel ist der Vater „Mr.X“, ein klassischer Workaholic, der die Familie als Aufgabe der Nanny betrachtet und den Blick vom Wall Street Journal nur hebt, um seine Frau zu betrügen. Die neue Nanny bemerkt er erst, als ihm auffällt, dass sie einen hübschen Hintern hat.

Mrs. X, die Mutter, ist übertrieben egozentrisch und unterkühlt. Ihre Liebe und Zuneigung zu Sohn Grayer drückt sie dadurch aus, Französisch in den Ernährungsplan ihres Kindes zu integrieren und darauf zu achten, dass der kleine ja kein Gramm Zucker zu sich nimmt. Doch die Mutter ist trotzdem kein flat character, sie zeigt auch menschliche Züge. Das macht sie zu einer tragischen Figur, die zwar kaum  Sympathie, aber dafür umso mehr Mitleid weckt.



Annie ist schließlich die einzige, die zu Sohn Grayer ein wirklich menschliches Verhältnis entwickelt. Die anfängliche Ablehnung des Jungen verwandelt sich so bald zu einer festen Freundschaft. Man könnte auch sagen: eine Komplizenschaft, die darauf beruht, dass Annie auf viele Regeln der Mutter pfeift. Mit der Nanny darf Grayer aus dem Marmeladenglas essen und U-Bahn fahren, trotz Millionen gefährlicher Bakterien.

Bald merkt man, dass Annie die Schnauze voll hat von Mr. und Mrs. X. Allerdings schafft sie es auch nicht, Grayer im Stich zu lassen und wird deshalb gekündigt, bevor sie selbst die Kraft dazu findet. Erst ganz zum Schluss, endlich, kommt es zu der lange erwarteten Explosion, in der Annie Klartext mit ihren Arbeitgerbern redet.



Für noch mehr Trubel sorgt der gutaussehende Nachbar Hayden, der Annie schnell den Kopf verdreht. Bis sich die beiden in den Armen liegen, braucht es allerdings etwas Nachilfe von Annies Freundin (Alicia Keys). Ob mit oder ohne Happy End, soll hier nicht verraten werden. Es sind alte Weisheiten, die der Film verkündet: Geld macht nicht glücklich, und Liebe kann man sich nicht kaufen. Trotzdem verlässt man ihn mit dem Gefühl, etwas gelernt zu haben. Das liegt wohl an der Eindringlichkeit, mit der die Schauspieler zeigen, dass ein menschlicheres Leben möglich ist.

Auch aus diesem Grund ist Nanny Diaries kein klassisches Drama. Der Schluss ist zwar einerseits traurig, andererseits merkt man, dass alle Beteiligten – sogar die Mutter – etwas grundsätzliches fürs Leben gelernt haben.

Eingeschlossen viele Zuschauer.



fudder-Bewertung

Anspruch



Gagdichte



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera



Informationsgehalt



Musik



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Trailer: Nanny Diaries

Quelle: YouTube