Film der Woche: Juno

Carolin Buchheim

Einen ganzen Haufen Auszeichnungen, darunter einen Oscar hat "Juno", Regisseur Jason Reitmans Film über die ungeplante Schwangerschaft der 16-jährigen Juno McGruff, eingesammelt. Auch die Kritiker waren begeistert und schwärmten vom "Film des Jahres" und der "besten Komödie des Jahrzehnts". Doch eigentlich gibt es bei "Juno" nicht viel zu lachen, findet fudder-Autorin Caro.



Es passiert aus Langeweile: Juno McGruff (Ellen Page), 16 Jahre alt, verführt ihren So-Ein-Bißchen-Freund, den goldene Running Shorts tragenden Paulie Bleeker (Michael Cera), auf einem alten Sessel im Keller seines Elternhauses und ein paar Wochen später ist der Schwangerschaftstest positiv.


Schwangerschaften führen üblicherweise nach neun Monaten zu einem Baby, und um das Missgeschick baldmöglichst aus der Welt zu räumen, macht sich Juno, ohne Vater und Stiefmutter von ihrer Schwangerschaft zu erzählen, auf zu einer Abtreibungsklinik.

Doch eine gelangweilte Punkerin an der Rezeption, die von den Vorteilen von Kondomen mit Brombeergeschmack spricht ("Davon schmeckt das Sperma meines Freundes wie Kuchen!") und die vor der Tür der Klinik gegen Abtreibungen demonstrierende Mitschülerin, die Juno erklärt, dass ihr Baby schon Fingernägel hat, bringen sie von ihrem Plan ab.

Als Juno ihren Eltern schließlich doch von der Schwangerschaft erzählt, reagieren die wenig schockiert ("Ich hätte eher erwartet, dass sie drogenabhängig oder von der Schule geflogen ist"), denn Juno liefert zum Geständnis ihres Zustands gleich die Lösung dazu: Sie wird das Baby zur Adoption freigeben.

Die perfekten Adoptiveltern hat sie auch schon im lokalen Anzeigenblättchen, Typ Zypresse, gefunden: Vanessa (Jennifer Garner) und Marc (Jason Bateman), denen zum perfekten Leben in einem sterilen McMansion-Haus nur noch ein Baby fehlt. "In 32 Wochen, können wir alle so tun, als wäre es nie passiert", verspricht Juno.



In den USA war "Juno" ein Hit bei Kritikern und Publikum: Insgeamt 21 Nominierungen und 37 Auszeichnungen, darunter einen Oscar für das Beste Drehbuch, bekam der Film; "Juno" spielte fast 200 Millionen Dollar ein und hält auf der Film-Bewertungswebsite Rotten Tomatoes die überaus positive Bewertung von 93%. Der Soundtrack, in weiten Teilen von Ex-Mouldy Peaches Frau Kimya Dawson bestritten und mit Songs von Belle & Sebastian, Sonic Youth und Cat Power versehen, war fast drei Monate lang das meistverkaufte Album bei iTunes USA.

Das Zweitlingswerk von Regisseur Jason Reitman ("Thank you for smoking"), Sohn des Blockbuster-Regisseur Ivan Reitman ("Ghostbusters", "Sechs Tage, Sieben Nächte"), ist ein unsentimentaler, gewollt niedlicher Film auf Basis des Erstlings-Drehbuchs der Ex-Bloggerin und -Stripperin Diablo Cody. Ihre Dialoge sind aufgeputschte, zuckrige Wortwitz- und Schlagfertigkeitsschlachten, randvoll mit Popkulturreferenzen, die in ihrer Künstlichkeit auch schon vor der eher leidlichen Übersetzung ins Deutsche nur schwer zu ertragen waren.

"Juno" wurde, trotz Finanzierung durch ein großes Studio, Fox Searchlight, wie ein Indie-Film vermarktet, und diese Marketing-Taktik ist beispielhaft für den ganzen Film.

Denn was so süß, wortgewandt und unkonventionell, so vollkommen Indie daherkommt,  ist ein reaktionärer Film voller Stereotypen, der eine US-amerikanische Mainstream-Haltung propagiert, an der auch George W. Bush Gefallen hat: Teenager sollten keinen Sex haben, Abtreibung ist unmoralisch, und da Teenager, selbst in festen, liebevollen Beziehungen zwangsläufig schlechte Eltern sein würden, müssen reiche Adoptiveltern für das Missgeschick-Baby her. Danach kann das Leben weitergehen wie bisher, dank Inkognito-Adoption auch ohne weitere emotionale Komplikationen.



"Schwanger, Na Und?" lautet der deutsche Claim des Films, und fasst die Haltung Junos gegenüber ihrer Schwangerschaft perfekt zusammen.

Juno ist, bei allem Selbstbewußtsein, Charme und Witz, und aller Sympathie, die man für eine zumindest äußerlich so untypische Filmheldin empfindet, eine reflektionsfreie und emotionslose junge Schwangere, und Ellen Page spielt diese Rolle so hervorragend, dass es den Zuschauer frösteln lässt.

Besonders schwer zu ertragen und eher Brechreiz als Lachkrämpfe auslösend, sind die Szenen zwischen Juno und dem angehenden Adoptivater Marc. Auch die Szenen mit dem von Michael Cera bezaubernd gespielten Bleeker verwirren mehr, als dass sie belustigen, denn über ihr gemeinsames Kind reden die beiden ach so smarten Teenager nicht, obwohl Junos Bauch unübersehbar zwischen ihnen liegt. Stattdessen wird diskutiert, wer mit wem zum Schulball geht. Und über die vor Junos Bauch auf die Knie fallende Vanessa, von Jennifer Garner in herzzerreissender Perfektion gespielt, mag man erst recht nicht lachen.

Erst zum Ende des Films, als Junos perfekter Plan zu scheitern droht, zeigen die Charaktere Gefühle und reden nicht mehr nur in Schlagfertigkeiten. Dadurch gewinnt der Film an Glaubwürdigkeit - und vorallem an Wärme.

Doch auch das kann den Film nicht retten. Letztendlich bleibt "Juno" eine herzlose Komödie über ein Thema, das ganz und gar nicht zum Lachen ist.



Mehr dazu:

  • Rotten Tomatoes: Juno

Verlosung

fudder verlost 3 Juno-Hamburger-Telefone. Um an der Verlosung teilzunehmen, schickt einfach eine E-Mail mit Eurem Namen, Eurer Adresse und der Betreffzeile Juno an gewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist Montag, der 31. März 2008, 18 Uhr. Die Gewinner werden nach dem Ende der Verlosung per E-Mail benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.



fudder-Bewertung

Anspruch

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Action

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Spannung

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Schauspielerische Leistung

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Story

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Kamera

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