Film der Woche: James Bond - Ein Quantum Trost

Christian Heller

Es gibt einen Trend, einstigen unbeschwerten Comic-Pulp in einen politisch aufgeladenen Mix aus Ernsthaftigkeit, Realismus und Düsternis zu überführen: Batman. Kampfstern Galactica. James Bond? 2006 ist die Serie mit "Casino Royale" einem Neustart unterzogen worden. Dessen Ausrichtung entlang der Trends zur neuen Ernsthaftigkeit bestätigt "Ein Quantum Trost" auf markante Weise.



Die Düsternis ist persönlich wie global. Die Handlung schließt direkt an Bonds eigene Tragödie an, mit der "Casino Royale" endet, und setzt nahtlos die dortige Schluss-Szene fort. Bond muss sich infolge zur Professionalität zügeln, um nicht alle Gegner, die ihm unter die Hand kommen, sofort zu töten, bevor sie befragt werden können. Es hagelt Kollateralschäden. Die einzige Frau, mit der er hier noch ins Bett steigt, erleidet wieder einen grausamen Tod.


Der Welt drumrum geht es nicht besser: Ressourcen werden knapp. Das zwingt die Nationen und ihre Geheimdienste in geostrategische Korruption. Staaten werden zu Geiseln wirtschaftspolitischer Verschwörungen. Da kann die Staatsräson auch schon mal Agenten der eigenen Seite auf den Kieker nehmen. Es zeichnet sich ab: Auch wenn die Verschwörung des Tages erledigt sein mag, wird es wenig Grund zum Jubeln geben, denn die eigentlich drängenden Probleme liegen tiefer: strukturell, ökonomisch, politisch. Sie werden sich durch keinen Alleingang eines noch so stählernen Filmhelden lösen lassen.

Die Härte in der Stimmung geht auf Kosten von vielem, was die James-Bond-Filmserie früher attraktiv gemacht hat. Die Absurdität der Techno-Gimmicks ist nur noch vage Erinnerung. Wir sehen zwar noch massig vorderste Technologie, vom Touchscreen-Tisch bis zum hyperpotenten Mobilgerät, aber das ist alles naheliegendes, obligatorisches Werkzeug für die Interaktion mit der modernen globalisierten Technologie-Welt, keine Spielerei, sondern notwendiges Alltagsprodukt ab nächstem Quartal. Bond ist nicht "cool", sondern kühl, und trinkt seine Cocktails offenbar weniger aus Gründen des Genusses, sondern der Bewältigung des Drucks wegen, der auf ihm lastet. Der Bösewicht verfügt abseits des gekonnt psychopathischen Blicks von Mathieu Almaric über kein besonderes eigenes Charisma und taugt gerade mal als Handlanger von etwas angedeutet Größerem.

Die glänzende Jet-Set-Dekadenz Europas zerfasert in der Kürze hektischer Schnitte, wie übrigens auch die Übersichtlichkeit der Action-Sequenzen. Letztere glänzen stattdessen durch schroffe Materialität und blutrünstige Schmerzhaftigkeit.



Bezüglich der Actionszenen gibt es ein bedauerliches dramaturgisches Ungleichgewicht in ihrer Häufung und Kraft: Die zweite Hälfte lässt gegenüber der ersten nach. Nach dem energischen Noch-Eins-Drauf-Setzen, mit dem "Casino Royale" unerwartet mit ganzen absackenden Häusern schloss, bleibt es im Fall von "Ein Quantum Trost" bei einfallslosen Flammenmeerkämpfen, die längst nicht so aufregend choreographiert sind wie die Eröffnungssequenzen.

Das Noch-Eins-Drauf-Setzen erfolgt hier – was Absicht sein mag – nicht mit weiterem äußerem Spektakel, sondern mit weiterer moralischer Härte in Konfrontation mit den Gegnern.

Es bleibt abzuwarten, ob die Serie zu den lässigen Pointen und Spektakeln des klassischen James Bond zurückfinden oder noch tiefer in die neue Ernsthaftigkeit eindringen wird. Es liegt nahe, auch "Ein Quantum Trost" noch nicht als Vollendung der Neuentwicklung festzuhalten. Es tröpfeln sorgfältig geerdet weitere klassische Elemente hinein, die in "Casino Royale" noch fehlten – von der Vor-/Abspann-Dekoration bis zur Konkretisierung einer feindlichen Gegenorganisation, "Quantum", die sich wohl noch über mehrere Filme hinziehen wird: das neue "SPECTRE". Warum sollte da nicht im nächsten Teil zum Beispiel auch ein Charakter namens "Q" eingeführt werden? Der würde vielleicht noch eher in das neue Bond-Universum passen als eine Miss Moneypenny.



fudder-Bewertung

Anspruch



Gagdichte



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera



Informationsgehalt



Musik





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Trailer: Ein Quantum Trost

Quelle: YouTube