Film der Woche: Die Bienenhüterin

Jennifer Bormann

Nachdem der historische Roman "The Secret Life of Bees" der Autorin Sue Monk Kidd 2002 erschien, blieb er zwei Jahre auf der Bestseller-Liste der New York Times. Jetzt wurde das Buch verfilmt. Jenni hat "Die Bienenhüterin" angeguckt.



1964: Die 14-jährige Lily Owens (Dakota Fanning) wohnt mit ihrem Vater T. Ray (Paul Bettany) im Süden der USA. Das politische Klima passt zu dem der familiären Beziehung zwischen den beiden und dem meteorologischen der Südstaaten: hitzig. Wortkarg und launisch lässt der Vater seine Frustration an der Tochter aus. Seine scheinbar fehlenden Vatergefühle offenbaren sich vor allem in drakonischen Strafen.


Rosaleen Daise (Jennifer Hudson) ist die afroamerikanische Haushaltshilfe im Hause Owens. Die mangelnde Emotionalität in der Familie wird zumindest in einer Art Freundschaft zwischen Rosaleen und Lily kompensiert. Beide haben ihre persönlichen Gründe, auf der einen Seite die Suche nach Freiheit und auf der anderen die Suche nach der Vergangenheit, die zusammen mit rassistischen Übergriffen und dem schlechten Karma im Haus dazu führen, dass die beiden gemeinsam die Flucht ergreifen.



Ziel ist Tiburon ist der Ort, der auf einem kleinen Zettel Lilys früh verstorbener Mutter geschrieben steht. Dort finden sie eine Imkerei, betrieben von den drei ebenfalls afroamerikanischen Schwestern August (Queen Latifah), June (Alicia Keys) und Mae Boatwright (Sophie Okonedo).

Die mütterliche Liebe ausstrahlende August nimmt Rosaleen und Lily auf, obwohl sie weiß, dass ihre Lügengeschichte, wie sie zu ihnen gefunden haben wollen, nicht stimmt. June ist im Gegenteil sehr kritisch und launisch, wirkt zuerst abweisend gegen die Neuen. Die verträumte und in ihrer eigenen Welt lebende Mae dagegen ist herzlich und liebevoll. So entwickelt sich zwischen den unterschiedlichen Charakteren eine Art Familie.



Während Lily der Spur ihrer Mutter folgt und langsam ihre Vergangenheit aufdeckt, macht sich Rosaleen daran, ihre Freiheit und Emanzipation zu erkämpfen: Sie lässt sich als Wählerin registrieren, was ihr aufgrund ihrer Hautfarbe bis dahin verwehrt blieb. Am 2. Juli 1964 wurde das Bürgerrechtsgesetz, der sogenannte Civil Rights Act, das die Rassentrennung (jedenfalls theoretisch) für illegal erklärte, auf den Weg gebracht. Daneben führt August Lily in die Geheimnisse der Imkerei ein, wobei sie Zach (Tristan Wilds) kennenlernt, der den Schwestern in der Imkerei hilft, und erlebt mit ihm ihre erste Liebe.



Warme Sommerfarben, die gemütlich wirkenden langgezogenen Worte des Südstaatenakzents und eine ruhige, freundliche Stimmung im Haus der Bienenhüterinnen bilden eine entspannte Atmosphäre. Dabei wird es einem leicht gemacht, über die nur angedeutete Thematisierung des politischen und gesellschaftlichen Klimas hinweg zu sehen und nur die Geschichte der weiblichen Charaktere wahrzunehmen, die man auch so genießen kann. Die Atmosphäre überdeckt damit aber eben auch die rassistischen Übergriffe in der Geschichte und den politischen Hintergrund: J.F. Kennedys Ermordung, der ein Jahr zuvor stattgefundene March of Washington und die „I have a dream“-Rede Martin Luther Kings werden lediglich nebenbei angedeutet.

So bleibt am Ende alles ein wenig klischeehaft und platt in Szene gesetzt zurück, was eine geschichtstreue Darstellung betrifft, beispielsweise wenn das junge Verliebtsein zwischen einer weißen und einem afroamerikanischen Jugendlichen stattfindet oder die neue Familie ebenfalls als Überwindung der bisherigen Rassentrennung dargestellt wird.

Neben den in den letzten Jahren produzierten Filmen, die aus einem wie es scheint neu erweckten und starken Politikinteresse Hollywoods entstanden, kommt dieser Film ein wenig traurig, da unglaubwürdig und schönredend, daher.



fudder-Bewertung

Anspruch



Gagdichte



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera



Informationsgehalt



Musik





Trailer: The Secret Life of Bees

Quelle: YouTube