Filialleiter Stefan Haupt: On the road to success

Meike Riebau

Fünf Jahre Praktika ohne Festanstellung – so sehen die Perspektiven für Akademiker aus, unken böse Schwarzmaler. Dass es auch anders laufen kann, zeigt Stefan Haupt. Der 27-Jährige ist einer der jüngsten Filialleiter in der Geschichte der Deutschen Bank. Im fudder-Interview erzählt er, wie es ist, 55-Jährigen Anweisungen zu geben, die ersten 100 Tage im Amt, und was für ihn die größten Herausforderungen waren.



Der Sachse hatte schon ein BWL-Studium in Leipzig mit Auslandssemester in London hinter sich, als er beim Trainee-Programm der Deutschen Bank genommen wurde. Die erste Station war Freiburg, wo er auch heute noch lebt. Vom Geldzähler und Schalterbedienung wurde er innerhalb einen Jahres zum Filialleiter in Rastatt befördert - als einer der jüngsten Leiter in der Geschichte der Deutschen Bank.


Stefan, mit 26 hast du deine erste Filiale übernommen. Wie hat es sich angefühlt, auf einmal 55-Jährigen sagen zu müssen, was sie wie zu tun haben?

Diese erste Phase war natürlich extrem spannend. Ich habe versucht, die Mitarbeiter, – damals waren es sechs, heute sind es sieben – erst einmal kennen zu lernen. Es ist eine sehr gemischte Gruppe, also vom 55-jährigen, sehr erfahrenen Mitarbeiter bis hin zur Auszubildenden. Gerade bei dem 55-Jährigen, der alles schon kennt und auf einmal jemanden vorgesetzt bekommt, der 20 oder 30 Jahre jünger ist, muss man natürlich sehr vorsichtig sein.
Irgendwie muss man sich da zwar schon zeigen, aber ich hatte nie das Gefühl, mich besonders beweisen zu müssen. Auf diese Anfangszeit wurde ich aber sehr gut vorbereitet während meiner Trainee-Zeit.

Wie liefen dann die ersten 100 Tage im Amt, hattest du Angst vor dem ersten Tag?

Ein wenig Ehrfurcht vor dem neuen Job hatte ich schon. Zwar war ich einerseits gut vorbereitet auf den Job, aber Theorie und Praxis sind ja immer zwei Paar Schuhe. Es gehört in dieser Anfangsphase schon eine gewisse Portion Mut dazu. Ich war natürlich aufgeregt und habe versucht, mir das nicht anmerken zu lassen. Aber letztlich konnte ich nach diesen 100 Tagen ein sehr gutes Resumee ziehen.

Hattest du jemals das Gefühl, dich aufgrund deines Alters beweisen zu müssen?

Ich kannte den Bereich Vertrieb ja nicht nur aus dem Trainee-Programm bei der Deutschen Bank sondern schon aus anderen Firmen, bei denen ich beispielsweise ein Praktikum während des Studiums absolviert hatte. Ich wusste also ungefähr, was mich erwarten würde auf der fachlichen Seite. Das spannende war dann der Umgang mit den Mitarbeitern - aber auch auf der Front lief es gut.
Allerdings glaube ich auch, dass dieses Jung-Alt-Vorturteil überholt ist. Von mir werden die gleichen Ergebnisse erwartet wie von jedem anderen.

Wie war denn der Umgang mit den älteren Mitarbeitern am Anfang, gab es da nie Probleme?

Nein. Das Alter stand und steht nicht im Vordergrund. Es kommt viel mehr darauf an, wie man mit dem ganzen Team kommuniziert und zusammenarbeitet. Man muss natürlich berücksichtigen, dass der andere sehr viel mehr Lebenserfahrung hat als man selbst. Wenn der andere aber merkt, dass du dich für ihn interessierst, hilft das schon sehr. Das Alter rückt irgendwann in den Hintergrund. Meine Mitarbeiter werden vielleicht schon mal gesagt haben, "„Mensch, ist schon ein junger Kerl"“, aber es ist nie Thema geworden.

Bist du, weil du jung bist, anders in deiner Führungsrolle ? Vielleicht etwas weicher, netter?

Das können meine Mitarbeiter besser als ich beantworten. Ich weiß, dass ich eine Filiale zu leiten habe. Doch als zu nett würde ich mich nicht bezeichnen.

Hast du das Gefühl, dich in den letzten zwei Jahren durch die Arbeit verändert zu haben?

Nein, verändert habe ich mich nicht. Natürlich habe ich in meinem beruflichen Alltag mit Themen zu tun, die andere Menschen in meinem Alter eher weniger interessieren, oder die ihnen fremd erscheinen. Das war manchmal natürlich schon schwierig, denn ich musste mich mit Themen beschäftigen, die andere in meinem Alter, in meinem Freundeskreis gar nicht interessieren. Eine Art Doppelleben, wenn man es ganz übertrieben sagen will.

Was war deine schwierigste Entscheidung?

Von "der" schwierigsten Entscheidung kann man nicht sprechen, aber personelle Entscheidungen sind schon deshalb immer die schwierigsten, weil man da jemand anderen einschätzen muss, eine Beurteilung über ihn abgeben muss. Ich musste zum Glück niemanden entlassen bis jetzt. Genauso schwierig sind teilweise die wirtschaftlichen Entscheidungen.

Was ist dein Rezept zum Erfolg?

Man muss ein Feeling dafür haben, wie Leute funktionieren – nicht nur die eigenen Mitarbeiter, auch die Kunden. Da hat jeder Markt sein eigenes Klientel, der Markt in Rastatt ist anders als der in Freiburg. Der eine Kunde, möchte sich gerne mit dir über Kunst unterhalten.
Der fand es natürlich ganz toll, dass wir jetzt bei uns Gerhard Richter-Exponate hängen haben. Den anderen Kunden geht es nur um den Zinssatz. Man muss verstehen, auf die Baucheben zu kommen.

Was sind deine Zukunftspläne?

Ich möchte bei der Deutschen Bank weiterhin Verantwortung übernehmen und mich weiterentwickeln. Da gibt es gute und interessante Möglichkeiten innerhalb des Unternehmens. Ich kann mir beispielsweise vorstellen, für die Bank in Asien oder in Südeuropa zu arbeiten.