FIFA 16 mit Nationaltorhüterin Laura Benkarth vom SC Freiburg

Tamara Keller

Beim SC Freiburg spielt Torhüterin Laura Benkarth in jedem Bundesligaspiel, doch in der Nationalmannschaft kam sie noch nie zum Einsatz. An diesem Donnerstag könnte sich das endlich ändern. fudder-Autorin Tamara Keller hat sich schon mal angeschaut, wie Laura mit dem Adler auf der Brust spielt - und sie zu einer Partie FIFA 16 herausgefordert:


Laura Benkarth (links) mit fudder-Autorin Tamara Keller

Die Zuschauer jubeln von den Rängen im ausverkauften Olympiastadion. Die Nationalhymne erklingt. Auf dem Fernsehbildschirm hält die Frau mit der Nummer 21 und den schwarz-roten Torwarthandschuhen die rechte Hand auf die linke Brust - dort wo der Adler prangt. „Wir singen jetzt aber nicht. Das will keiner hören“, sagt Nationaltorhüterin Laura Benkarth. Sie sitzt neben mir auf dem Sofa. Auf dem echten Platz ist das aber anders? „Ja, da singen wir immer. Auch auf der Bank.“


Ich habe Laura zu einem Fußballspiel bei FIFA 16 herausgefordert, bei dem es erstmals möglich ist, mit Frauen zu spielen - wenn auch nur mit den Nationalmannschaften. Sie selbst, seit drei Jahren Stammtorhüterin des SC Freiburg, hat noch nie ein Spiel für die erste deutsche Frauenauswahl absolviert. Denn erst seit dem Karriereende von Nadine Angerer im vergangenen Juli ist die 23-Jährige in der Torwartreihenfolge auf die Nummer zwei vorgerückt.

Video: FIFA 16 gegen Laura Benkarth



Was macht sie so als gesetzter Dauerbankwärmer? "Ich versuche, die Mannschaft von außen zu pushen und im Training alles zu geben, um die anderen zu fordern. Mehr kann man nicht tun." In unserem Spiel kann sie alles, denn jetzt hat sie die Kontrolle.

Sie spielt Deutschland, das ist klar - schließlich muss sie sich ja selber spielen. Doch mit wem trete ich an? Laura soll sich ein Spiel aus dem vergangenen Jahr aussuchen, das sie gerne wiederholen würde - um das Ergebnis zu ändern. Sie wählt das Halbfinale der WM 2015 in Kanada. Deutschland unterlag den USA mit 0:2. "Das hätten wir natürlich gerne gewonnen - aber ob das jetzt anders ausgeht?"

Zunächst wird die Startelf geändert: Im Mittelfeld stellt sie die Ex-Freiburgerin Melanie Behringer auf. Und vorne? "Die Lena, ja, die lassen wir spielen!" SC-Spielerin Lena Petermann bildet die Sturmspitze.

"Okay, jetzt wird es ernst." Leger gekleidet, in schwarzer Sweatjacke und schwarzer Hose, hält Laura den Controller in der Hand und steuert ihr FIFA-Ich im knallgrünen Torwartdress. Was beide vereint: Die langen braunen Haare, die zu einem Pferdeschwanz nach hinten gebunden sind. "Außer den Haaren sehe ich mir aber nicht besonders ähnlich", sagt sie.

Laura hat Anstoß und beginnt mit einem schönem Passspiel nach vorne, doch meine Spielerin kann dazwischen gehen. Blöderweise landet der Ball sofort im Aus.



"Schon der erste Fehlpass." Sie stichelt. Psychischer Druck, von dem ich mich natürlich nicht beeindrucken lasse! Das Spiel ist ausgeglichen - bis zur siebten Minute. Der Ball kommt hoch, Petermann köpft… "Tor!" Laura lacht. Dabei blitzt eine kleine Zahnlücke zwischen den oberen Schneidezähnen hervor. Ein Merkmal, dass ihrem Double in FIFA noch fehlt. "Die Freiburger richten das."

Keine drei Minuten später landet der Ball erneut in meinem Netz. Eine Chancenverwertung, die die Vermutung nahelegt, dass Laura öfter zockt. "Ich habe das Spiel zwar, spiele es aber selten." Mit den FIFA-Frauen erst zum zweiten Mal. Ich drohe mich zu blamieren. Gekonnt grätscht sie mir im Aufbau dazwischen und trifft dabei nur den Ball. Mir gelingt das nie - ich treffe nur die Füße von Behringer.

"Foul!" Die Schiedsrichterin zeigt meiner Spielerin Rot - gerade mal 29 Minuten sind da gespielt. Doch mein fatalster Fehler soll noch folgen: Nachdem mein Torwart super gehalten hat, will ich den Ball einer Verteidigerin zurollen, stattdessen landet er vor den Füßen von Petermann. Die braucht nur noch vorzulegen. Was für ein Torwart-Patzer! Wäre der auch Laura passiert? "So vielleicht nicht. Ich habe aber auch schon Fehler gemacht."

Was war der schlimmste? "Ziemlich blöd war einer vor zwei Jahren gegen Potsdam. Eine harmlose Flanke ist mir durch die Hände gerutscht. Das passiert, wenn die Bälle vermeintlich zu einfach sind und man sich zu wenig konzentriert, weil man mit den Gedanken bereits in der nächsten Aktion ist."

Das geht mir ähnlich. Wieder passe ich mit dem Torwart zum Gegner - und kassiere das 5:0. Doppelpack Petermann. "Danke fürs Geschenk", sagt Laura. "Aber Geschenke muss man auch annehmen können!" Wieder das sympathische Zahnlückenlachen. Hat ein Torwart nicht irgendwie die Buhmannrolle? "Das macht diese Position aus: Man kann der Depp sein oder man ist der Held."



Für Lauras Double ist das FIFA-Revival des WM-Halbfinales einer dieser heldenhaften Tage: Ab und an muss sie einen Torschuss parieren, hechtet nach links oder nach rechts. Sonst hat sie nichts zu tun. Nach 63 Spielminuten steht es 9:0. "Soll ich mal mit mir selbst nach vorne dribbeln?", fragt die echte Laura, kneift aber doch, als sich die Gelegenheit dazu bietet. "Ich will zu Null spielen."

In der Bundesliga hat das am vergangenen Wochenende mit einem 0:0 beim SC Sand geklappt. Laura hat Freiburg damit einen wichtigen Punkt gesichert. Mit zwei Niederlagen, fünf Unentschieden und nur zwei Siegen steht der SC Freiburg im Mittelfeld der Tabelle. Was glaubt die Kapitänin, wie es in dieser Saison weitergeht? "Wir spielen eigentlich immer gut. Manchmal hatten wir einfach Pech, dass wir unsere Chancen nicht richtig genutzt haben. Es werden aber noch mehr Siege kommen, davon sind wir überzeugt."

Die Schiedsrichterin pfeift unsere Partie ab. Es bleibt beim 9:0, das Gewinnerlächeln triumphiert. "Wäre das Halbfinale so ausgegangen - das wäre schön gewesen", sagt Laura. "Aber ein bisschen utopisch."

Für den Donnerstag in dieser Woche stehen die Chancen nun sehr gut, dass Laura wie ihr FIFA-Klon endlich für die Nationalmannschaft ran darf: Stammtorhüterin Almuth Schult hat sich am Fuß verletzt und wurde für das Freundschaftsspiel gegen England erst gar nicht nominiert. "Ich würde mich riesig freuen, wenn ich auf dem Platz stehen dürfte", sagt Laura.