Felix Groteloh ist Freiburgs Nightlife-Fotograf

Gina Kutkat

Felix Groteloh fotografiert Freiburgs Wirte, DJs und Musiker – in einem Stil, den man sofort als seinen erkennt. Ab Freitag stellt er Bilder seiner Fotoreihe "Nightlife" in der Rido Weinbar aus.

Fotograf? Musiker? Künstler? Der Freiburger Felix Groteloh ist alles auf einmal. Seine Bilder haben in den letzten Jahren die Szene wachgerüttelt. Neben seinem Tagesgeschäft, für das er hauptsächlich Menschen porträtiert, verfolgt er Projekte, die ihm am Herzen liegen. Eines seiner bekanntesten ist eine Fotoreihe Freiburger Gastrogrößen. Die Bilder sind ab Freitag in der Ausstellung "Nightlife" im Rido zu sehen.


"Ich bin schnell." Das ist das Erste, was Felix Groteloh über sich als Fotograf sagt. Nichts über Technik, Bildausschnitt oder Einstellungen. Seine Stärke sei die Schnelligkeit. Was nicht bedeutet, dass Kunden bei ihm abgefertigt würden. Er kann Stunden mit ihnen verbringen, dabei Musik hören oder quatschen. Schnelligkeit ist nützlich: "Ich habe nur ein paar Augenblicke Zeit, ein Foto zu machen", sagt Groteloh. Wichtig ist ihm auch der Blickkontakt: "In dem Moment, in dem ich aufs Display schaue, habe ich verloren." Es sind zwischenmenschliche Nuancen, auf die er Wert legt.

Entscheidung: Musik oder Fotografie?

Der 40-jährige Wahlfreiburger ist ein Späteinsteiger in die Fotografie. Er sei da "irgendwie reingerutscht", sagt er und nimmt seine Cap ab, auf der in großen Buchstaben "Gotcha" – "Hab’ dich" – steht. Groteloh ist 20 Jahre lang Berufsmusiker, gibt Gitarrenunterricht und veranstaltet zehn Jahre lang die Jazz-ohne-Stress-Abende im Waldsee, bis er den Beruf an den Nagel hängt. "Mir hat Musik Spaß gemacht, bis zu dem Zeitpunkt, an dem mir Fotografie mehr Spaß gemacht hat."

Mit seiner ersten Kamera probiert er viel rum, fotografiert befreundete Musiker und veranstaltet Shootings, "ohne wirklich zu wissen, was ich da tue." Das Internet, Bücher und Bilder von anderen Fotografen helfen ihm, sich einzuarbeiten. Eines Tages steht er vor der Entscheidung: Musik oder Fotografie?

Die Kamera stets griffbereit

Groteloh ist seit 2014 hauptberuflich Fotograf. Er fotografiert Bands, Künstler, Kneipenbesitzer, Geschäftsleute, Heimatlose. Freiburger DJ’s, Nachtmacher, Schnapsbrenner, Kulturleute. Es sind Menschen, die ihn interessieren. "Vor allem die Geschichten dahinter." Wenn ihn eine Biografie fesselt, opfert er auch mal Stunden, um zu reden. Ein Konflikt mit der Schnelligkeit, die er sich selbst attestiert, ist das nicht. Die hilft ihm nur beim Auslösen – alles andere ist Vorarbeit. "Ich gebe den Leuten meistens keine Chance, ’Nein’ zu sagen", sagt er.

Seine Kamera hat er griffbereit, die Knöpfe sind voreingestellt. Wenn er das Haus ohne sie verlässt, fragt seine Frau, ob er krank sei. Trotzdem – er fotografiert nicht jeden: "Wenn zwischen mir und meinen Kunden kein Draht zustande kommt, entsteht kein gutes Foto", sagt er. "Dann breche ich das Shooting ab." Das ist bisher erst einmal passiert.

fudders Stilfrage mit Freiburger Obdachlosen

Groteloh ist erst kurz dabei – trotzdem sind seine Fotos als Groteloh-Fotos zu erkennen. "Viel passiert bei mir durch Bildbearbeitung." Sein Spiel mit Schärfe, seine Liebe zu Details, sein eigener Filterlook. Die Menschen haben bei ihm Augenringe, Falten, schiefe Nasen und sichtbare Narben. Weil er Fudders Stilfrage belanglos findet, startet er selbst eine auf seinem Blog – mit Freiburger Obdachlosen. Skrupel, sie anzusprechen, hat er kaum. "Aber ein bisschen geht mir dabei schon die Pumpe."

Vor einem Jahr hat Groteloh mit den ersten Bildern einer Fotoreihe begonnen, für die er Freiburger Gastrogrößen fotografiert hat. "Ich bekam den Auftrag, jeweils die markanteste Interieur-Ecke einiger Lokale zu fotografieren, aber darauf hatte ich keinen Bock", sagt Groteloh. Er entschied sich für Umfeld-Porträts, die mittlerweile ihre Runde durch die Freiburger Szene gemacht haben. Weil sie Wirte zeigen, die zum Nachtleben unverkennbar dazugehören. Freiburger Originale eben. Weil die Wirte authentisch wirken, und doch irgendwie anders. Weil Groteloh sie vor der Theke zeigt, nicht dahinter. Weil es ihm gelungen ist, Leute zu fotografieren, die sich nicht gerne fotografieren lassen: Tom vom Räng Teng Teng, Mitch vom Walfisch, Kadda aus der Bar Erika, Chico vom Swamp.

Das Typische der Nachtmenschen einfangen

"Das sind alles Menschen mit Seele – die Bilder erzählen durch sie eine Geschichte." Groteloh gelingt es, das Typische dieser Nachtmenschen einzufangen, ohne sie zu überzeichnen. Wer gerne im Räng feiert, kann die Geste von Tom verstehen, die er auf seinem Foto macht.

"Nach ein paar Aufnahmen hatte er die Idee, sich auf die Theke zu legen." Groteloh hat die Personen des Freiburger Nachtlebens in ihrer Umgebung inszeniert, er hat sie für das Foto positioniert und er hat ihnen Anweisungen gegeben, wie sie in die Kamera schauen sollen. Einige, wie Willi Krüger vom Littfass, mussten sich dafür überwinden.

Ausstellung "Nightlife" im Rido

Die Fotoreihe der Nachtmenschen ist ab Freitagabend im Rido in der Ausstellung "Nightlife" zu sehen. Sie findet statt, obwohl das Projekt noch nicht beendet ist. "Ich habe noch ein paar Freiburger Urgesteine auf meiner Liste", sagt Groteloh. Um sie zu fotografieren, muss er sich Zeit frei schaufeln, denn das Projekt verfolgt er neben seinem Tagesgeschäft.

Manchmal habe er Stunden in einer Kneipe verbracht, bevor er jemanden fragte, ein Bild von ihm machen zu können. Stunden, die er mit Beobachten und Bier trinken verbringt. Die "Nightlife"-Bilder sind alle vor den regulären Öffnungszeiten entstanden. "Damit die Leute auch Zeit hatten, sich mit mir zu unterhalten."

Sein liebstes Bild: Das von Rudi Kuhne

In die meisten Lokale ist er einfach reingelaufen, hat sein Equipment aufgebaut und die Leute überrascht – "Gotcha!". Wie er die unwilligen Wirte überzeugt hat? "Ich habe mir ihre Geschichte erzählen lassen", sagt Groteloh. "Wenn sie mich kennenlernen und mir vertrauen, darf ich meistens auch ein Foto machen."

Groteloh hat für die Aufnahmen seine Mittelformatkamera und eine Blitzanlage verwendet und seine Bilder wieder stark bearbeitet. "Mir war wichtig, dass alle Details aus den Schankräumen sichtbar werden." Groteloh betrachtet das Bild aus der Möslestube und deutet auf die Schnapsgläser, die in Reih und Glied im Regal stehen. Die Tittenpostkarten und die Plastikspinne, mit der Rudi Kuhne seine Gäste erschreckt. Es ist sein liebstes Bild, weil er den Wirt in sein Herz geschlossen hat.
  • Was: Nightlife presented by Felix Groteloh
  • Wann: Freitag, 27. Januar 2017, 22 Uhr bis Freitag, 31. März
  • Wo: Rido Freiburg, Gartenstraße 13
  • Eintritt: frei