fudder-Interview

Feine Sahne Fischfilet: "Wissen nicht, ob der Verfassungsschutz die Leberwurst gegessen hat"

Jannis Jäger

Ihr Konzert auf dem ZMF musste abgesagt werden. Die Punk-Kapelle Feine Sahne Fischfilet spielt dafür im Dezember in der Sick-Arena in Freiburg. Bassist Kai Irrgang stellt sich im Vorfeld dem fudder-Interview – und wir verlosen Tickets.

Ihr musstet euer ZMF Konzert im August absagen. Wie kam es dazu?

Kai: Unser Gitarrist Christoph hat sich beim Fahrradfahren den Arm verletzt. Da haben wir ein paar Konzerte absagen müssen. Er hatte dann den Arm eine ganze Weile in Gips, hat dann mit Physiotherapie angefangen und ich glaube einen Monat später konnten wir schon wieder paar Konzerte spielen. Manche mussten wir aber komplett absagen und Freiburg war leider eins davon. Aber zum Glück konnten wir es so hinbekommen, dass wir stattdessen jetzt auf der Tour in Freiburg spielen.

Ihr habt es aus dem Dorf auf die größten Bühnen des Landes geschafft. Wenn man mal von allem Idealismus absieht, fühlt es sich manchmal auch einfach gut an, erfolgreich zu sein?

Klar. Letztes Jahr war für mich wirklich der Punkt, an dem mir bewusst wurde, wie krass das alles ist, als ich aufgehört habe nebenher zu arbeiten. Ich meine, es war nicht alles Glück, was wir hatten. Wir haben hart gearbeitet aber schlussendlich fühlt es sich an wie ein Sechser im Lotto. Ich kann meinen Kram machen, auf den ich Bock hab und mit meinen Freunden auf Tour fahren. Darauf kann ich mich voll konzentrieren und gleichzeitig meine Miete und mein Essen bezahlen. Das ist Hammer und ein großes Privileg, das wir alle sehr zu schätzen wissen.

Habt ihr Euch in den letzten Jahren auch musikalisch weiterentwickelt?

Zumindest hoffe ich, dass die Leute, die uns schon einige Jahre begleiten, das sagen. Ich selber würde es so einschätzen. Mit dem letzten Album haben wir klanglich noch eine Schippe drauf gelegt. Und ich denke, was uns bandintern angeht, waren wir noch nie so glücklich mit einem Album, wie jetzt mit "Sturm und Dreck". Die Reaktionen, die wir so mitbekommen haben, haben uns das auch nochmal bestätigt.



Ihr sprecht oft von den "coolen Leuten da draußen". Was haltet ihr von Fridays for Future?

Ich finde das auf jeden Fall sehr unterstützenswert, richtig toll und gerade auch sehr ermutigend. Auch für uns, wenn wir sehen, wie viele junge Leute da auf die Straße gehen, wegen einem Thema, das einerseits ihnen wichtig ist und auf der anderen Seite jedem wichtig sein sollte. Es ist aber auch bezeichnend, was das für Reaktionen hervorruft, wenn man sich mal die Kommentarspalten mancher Medien oder Social-Media-Kanäle anschaut. Das ist einfach total abgefucked und erschreckend, zu sehen, was erwachsene Männer da über Kinder und Jugendliche schreiben. Ich kann nur hoffen, dass Fridays for Future sich weiterentwickelt, dass sie klar ihre Position behalten und dass das noch weiter geht, bis es Resultate hervor bringt. Also ich finde es ganz großartig, dass es das gibt.
"Alles ganz witzig, aber im Konkreten kann eine Erwähnung im Verfassungsschutzbericht sehr negative Folgen haben."

Habt ihr einen Rat für die Leute, damit sie nicht resignieren?

Ja, das ist vielleicht gar nicht so einfach. Wichtig ist, dass man die Erfahrung macht, dass es immer noch genug Leute um einen herum gibt, die sich engagieren, die sich für eine offene Gesellschaft einsetzen. Ich glaube, wenn man das hat, dann kriegt man das hin. Aber klar, wenn Leute irgendwo in Kleinstädten oder auf dem Land das nicht mehr haben, kann ich es auch sehr sehr gut verstehen, wenn die irgendwann die Sachen packen und abhauen, irgendwohin, wo es entspannter ist zu leben.

Euer Song "Für diese eine Nacht" beginnt auch dementsprechend mit den Worten: "Meine ganze Generation/ jeder hier kennt die Frage schon/ in Dauerschleife diese Zeilen/ Gehen oder Bleiben?"

Ja genau. Wobei eben nicht nur wegen der politischen Perspektive viele Leute hier in Mecklenburg-Vorpommern, mit denen wir auch zur Schule gegangen sind, einfach abhauen, sondern es ganz klar auch wirtschaftliche Faktoren gibt. Man sagt das immer so, dass es da sehr strukturschwach ist, aber es stimmt eben wirklich. Aus der Stadt, in der ich aufgewachsen bin, fährt Samstagmittag kein Bus raus. Und viele Freunde, die können sich noch so sehr anstrengen, die finden dort keinen Job, von dem sie ihr Leben bestreiten können. Und natürlich gehen die dann irgendwann nach Berlin, Leipzig oder Hamburg, wo die Bedingungen besser sind. Das ist bei uns immer ein großes Thema.



Wenn man sich mit Euch beschäftigt, stößt man unausweichlich auf den Verfassungsschutzbericht von 2011 und eure prominente Rolle darin. Seid ihr dankbar für den PR-Boos, den euch der Verfassungsschutz damals gegeben hat?

Klar, wir nutzen so etwas natürlich immer gerne aus. Aber letztendlich sagt man sich dann auch: Alles ganz witzig, aber im Konkreten kann eine Erwähnung im Verfassungsschutzbericht sehr negative Folgen haben. Für uns genauso wie zum Beispiel für Einrichtungen, in denen wir gespielt haben. Da kann immer darauf verwiesen werden, dass wir ja da drin stehen und Staatsfeinde sind. Das darf man nicht vergessen. Auf der anderen Seite sagen wir nicht: Oh, es ist so schlimm, dass der Verfassungsschutz uns nicht mag. Wenn ich mir anschaue, welchen Support rechte Strukturen in der Vergangenheit vom Verfassungsschutz bekommen haben, bin ich nicht traurig, wenn die uns kacke finden. Ich fände es eher komisch, wenn sie uns beklatschen würden.

Ihr habt später der Verfassungsschutzzentrale einen Präsentkorb vorbei gebracht. Habt ihr da im Nachhinein nochmal was gehört?

Im Nachhinein eigentlich nicht mehr. Aber es war noch ganz witzig, weil der Pressesprecher uns damals in Empfang genommen hat. Und der hat uns dann erzählt, dass er uns ja kennt, weil seine Tochter immer zu unseren Konzerten geht. Und ich glaube, irgendwer von uns hat die Tochter mal kennengelernt. Die kam ein oder zwei Jahre später mal auf einem Konzert an und meinte: Ja, das war mein Vater. Aber sonst haben wir nicht gehört, ob sie jetzt die Leberwurst gegessen haben oder so.
Verlosung

fudder verlost unter allen Mitgliedern im Club der Freunde drei Mal zwei Tickets für das Konzert von Feine Sahne Fischfilet am Mittwoch, 11. Dezember 2019 um 20 Uhr in der Sick-Arena Freiburg.

Mitglied in fudders Club der Freunde kannst Du hier werden. Um zu gewinnen, schicke eine E-Mail mit deinem Namen und dem Betreff "Verfassungsschutz" an gewinnen@fudder.de.

Sollten keine Club-Mitglieder an der Verlosung teilnehmen, werden die Karten unter den restlichen Einsendungen verlost. Teilnahme ab 18 Jahren, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsendeschluss ist Donnerstag, der 14. November, um 12 Uhr. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt.

  • Was: Feine Sahne Fischfilet
  • Wann: Mittwoch, 11. Dezember, 20 Uhr
  • Wo: Sick-Arena Freiburg
  • Tickets: 37, 45 Euro