Fasnet: Wo es sich lohnt, im Umland Fasnet zu feiern

fudder-Redaktion

Die badisch-alemannische Fastnacht ist für Menschen, die außerhalb Badens geboren worden sind, eine recht seltsame Angelegenheit. Warum haben die alle Masken auf? Oder Nachthemden an? Und was bitte ist "Schnurren"? Drei leidenschaftliche Narren erklären, warum es sich lohnt, in ihren Heimatorten Todtnau, Waldkirch und Endingen die Fasnet zu feiern, welche Grundausrüstung man braucht und was man auf jeden Fall vermeiden muss. Eins vorneweg: Ohne Verkleidung? Geht nix.





Fasnet in Todtnau


Wo:
Todtnau (GoogleMaps), 30km von Freiburg entfernt.

Der Tippgeber: Clemens Janus, Todtnauer Narrenzunft

Darum musst du an Fasnet nach Todtnau:


Die Todtnauer Fasnet ist eine Kombination aus "Stroße-Fasnet", Spektakel in verschiedenen Wirtschaften und vielen kleinen Events rund um die Hästrägercliquen. Die Mischung ist was ganz Besonderes. Von zoten-reißenden Rätschgoschen bis zum Auf-Den-Tischen-tanzen ist alles mit dabei.

Diese Grundausrüstung brauchst Du für die Fasnet in Todtnau:

Verkleidung, ohne geht gar nicht. Eine große Klappe zum Sprüche klopfen und am Besten ein närrisches Utensil, von dem man vom närrischen Geschwätz bis zum Flirt alles ableiten kann.

Das sind die Hot-Spots bei der Todtnauer Fasnet:

In Todtnau ist vom "Faiße-Dunnschdig" bis zum Fasnets-Zieschdig rund um die Uhr was los, außer am Sonntag, an dem die Hästräger außerhalb unterwegs sind und die restlichen Todtnauer sich auf den Rosenmontag vorbereiten.

Für mich sind die Top-Events an diesen Tagen der Freitag mit dem Narrengericht auf dem Marktplatz, den Rätschgoschen in verschiedenen Lokalen am frühen Abend und das absolute Highlight.-Der Hexenball in der Alten Münz. Die Hexen sind so gut, dass man oft seine eigene Schwester nicht erkennt.

Der höchste Tag der Todtnauer Fasnet ist ganz klar der Rosenmontagsumzug: sieben Stadtteile (Zinken) wetteifern beim Wagenbau um den begehrten Pokal des besten Umzugwagens. Was da mechanisch, elektrisch und künstlerisch gezaubert wird lässt manchen Industriebetrieb blass aussehen. Das ganze Städtle ist randvoll mit Narren und Zuschauern aus dem ganzen Wiesental und auch von der anderen Seite des Schauinslands.

Nach dem Umzug ist in allen Todntauer Wirtschaften richtig was los - und je nach Laune legt der Beschallungsmeister Paule auf dem Marktplatz bis spät in den Abend auf.

Unbedingt vermeiden bei der Todtnauer Fasnet solltest Du:

Unverkleidet kommen, sich dem Narrenpolizisten zu widersetzen- du könntest im nächsten Jahr vor dem Narrengericht landen.

Fasnet in Waldkirch



Wo:
Waldkirch (GoogleMaps), 20km von Freiburg entfernt.

Der Tippgeber:
Marc Schätzle, 31

Darum musst du an Fasnet nach Waldkirch:


Weil in Waldkirch die einzig wahre Straßenfastnacht stattfindet. Das wird wahrscheinlich jeder aus seinem Dorf oder seiner Stadt sagen, doch ich spreche aus Erfahrung.

Zur Waldkircher Fasnet kommen sie sogar aus Freiburg angereist, um ein Mal im Jahr „lustig" zu sein. Die ankommenden Züge sind meist voll mit Narren und Närrinnen aus den umliegenden Gegenden. Zentraler Ort ist der Waldkircher Marktplatz wo zahlreiche Kneipen und Gasthäuser geöffnet haben.

Diese Grundausrüstung brauchst Du für die Fasnet in Waldkirch:

Am Schmutzige Dunnschtig zieht man in Waldkirch einen sogenannten „Hemdglunker“ an. Das ist ein weißes Nachthemd. Viele tragen dazu noch rote und blaue Ringelsocken, Strohschuhe und eine weiße Mütze. Außerdem: Kläpperle. Das sind zwei Holzstücke, die man in der Hand zwischen Fingern rhytmisch bewegt. Richtig können das allerdings nur die „Eingeborenen“, die Waldkircher..  Und nicht zu verwechseln mit "Klopfer" oder "Klöpferle", die kleinen Alkfläschchen, die man mit dem Kopf nach unten auf den Tisch schlägt und sich vor dem Austrinken den Verschluss an die Nase klebt.

Apropos Alkfläschchen: Nüchtern auf der Fasnet in Waldkirch ist die Hölle auf Erden. Allerdings ist das wohl überall so. Daher ist flüssiger Proviant ratsam, auch zum Anstoßen mit den Feierfreudigen.

Ab 19 Uhr findet am Samstag der Hexensabbat der Kandelhexen auf dem Marktplatz statt. Danach ist große Straßenfasnet, wo alle in ihren Kostümen, die zum Teil liebevoll über das ganze Jahr ausgedacht, genäht und perfektioniert wurden zum gemeinsamen Feiern die Stadt fluten.

Das sind die Hot-Spots bei der Waldkircher Fasnet:

Eigentlich ist in jeder Kneipe die Hölle los, aber die drei Hotspots wo ich mich immer rumtreib' sind der Marktplatz, das DaVinci und das Bayersepple.

Unbedingt vermeiden bei der Waldkircher Fasnet solltest Du:

Narrenmärsche und -lieder aus angrenzenden Dörfern singen, in einem anderen Häs, als dem der Waldkircher Narrenzunft, erscheinen. Ganz schlimm: nicht verkleidet auf die Fasnet gehen, oder sich lediglich einen Hut aufsetzen.



Fasnet in Endingen


Wo:
Endingen am Kaiserstuhl (GoogleMaps), 25km von Freiburg entfernt

Der Tippgeber: Björn Hofert, 30, Endinger Narrenzunft

Darum musst du an Fasnet nach Endingen:

Die Fasnet in Endingen ist urwüchsig, traditionsbewusst und originell. Sie hat überhaupt nichts mit der Zeltfastnacht in anderen Städten zu tun: bei uns geht um das Verkleiden und um das Fastnachtstreiben an sich. Endingen ist zwar eine weinselige Stadt, und wir Narren trinken auch gerne mal, aber die Fastnacht ist kein Volksfes zum Besaufen.

Diese Grundausrüstung brauchst Du für die Fasnet in Endingen:

Verkleiden ist ganz wichtig! Endinger tragen natürlich das Jokili, das Traditionsgewand der Endinger Fasnet. Zuschauer tragen häufig auch das sogenannte Jokili-Zivil, also eine Verkleidung im Jokili-Stil in den Farben rot, blau und weiß, oder auch Anzughose und Weste. Zur Grundausrüstung für die Endinger Fastnacht gehört aber vor allem der Spaß am Fastnachtsbrauchtum. Den muss man unbedingt mitbringen!

Das sind die Hot Spots bei der Endinger Fasnet:

Die Haupttage der Endinger Fasnet sind der „Fasnet-Sunndig“ und der „Fasnet-Mändig“. Am Sonntag findet um halb drei der Jokili-Umzug statt und abends ab sieben gibt's nach dem Jokili-Aufzug den legendären „Jokili-Tanz“ auf dem Marktplatz zu sehen.

Der Fasnet-Mändig ist auch super, denn da gibt es ebenfalls ab halb drei den großen Umzug. Dort laufen dann nicht nur die vielen Jokili mit, sondern auch die sogenannten Narrennester, den närrischen Ortsvierteln. Diese glossieren mit zum Teil aufwändig gestalteten Umzugswagen und Laufgruppen das örtliche Geschehen des vergangenen Jahres. Danach ist in der ganzen Narrenstadt und in den Lokalen eine Bombenstimmung.

Am Montag abends wird „geschnurrt“. Dazu finden sich Leute, losgelöst von der Zunft, zu Schnurrgruppen zusammen und ziehen, gemeinsam unter einem bestimmten Thema verkleidet los, und ziehen von Wirtschaft zu Wirtschaft. Da gibt es jedes Jahr die wildesten Dinge: zum Beispiel Indianer, die einen Marterpfahl mitschleppen und dann in der Kneipe Leute daranbinden.

Weitere Besonderheiten: An den Fasnetstagen gibt es in Endingen keine Hallenfastnacht. Traditionell wird diese nur in der historischen Altstadt, in den Gasthäusern und Einkehren gefeiert. Und: die Endinger Narrenzunft ist zwar eine reine Männerzunft, wie in vielen anderen Orten auch. Das Tragen des Jokili und die Teilnahme an der Fasnet steht jedoch allen offen. Die Fasnet wird zwar von der Zunft organisiert, aber getragen und „gemacht“ wird sie von allen Endingern, ob im Jokili, in einem der vielen Narrennester oder in einer freien „Schnurrgruppe“. Das, und die lange gewachsenen Traditionen, machen die Endinger Fasnet zu etwas ganz besonderem.

Unbedingt vermeiden bei der Fasnet in Endingen solltest Du:

Unverkleidet zu kommen, Helau statt Narri zu rufen oder Dir das das Schnurren, zum Beispiel am Montag abend, entgehen zu lassen.

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