Faschingsaufklärung aus Sicht einer 16-Jährigen

Nadja Kölblin

Der Suchtbeauftragte im Freiburger Rathaus, Uwe Müller-Herzog, lässt zum Start der Fasnet eine Broschüre verteilen mit dem Titel "Fasnet und Jugendschutz". fudder-Praktikantin Nadja (16) hat sich den gutgemeinten Warncomic angesehen und für zwiespältig befunden.



In der Broschüre "Fasching, Fasnet, Fasnacht und Jugendschutz" wird erklärt, wie man sich als Mutter/Vater in verschiedenen "Risikosituationen" entscheiden soll. Die Freiburger Kinder- und Jugendhilfe (Herausgeber) will Fragen klären, die bei Veranstaltern, Zünften, Vereinen und Eltern an Fasnacht immer wieder auftauchen. Die Fälle kommen in kleinen Geschichten und Bildern zur Darstellung.


Fall 1

Zwei 13-jährige Kinder, Jan und Paula, rauchen am Schmutzigen Dunnschtig ihre erste Zigarette. Die Mutter sieht es und fragt sich, was zu tun ist.

Der Mutter wird empfohlen, den Kindern das Rauchen zu verbieten: "In der Öffentlichkeit dürfen Tabakwaren an Jugendliche unter 16 Jahren generell nicht abgegeben oder ihnen das Rauchen gestattet werden, auch nicht mit Erlaubnis der Eltern."

Hm, die als aktuell beworbene Broschüre ist wohl etwas veraltet. Ist die Altersgrenze fürs Rauchen nicht am 1. September 2007 von 16 auf 18 Jahre angehoben worden?

Wie auch immer: Ich würde meinen Kindern das Rauchen natürlich auch verbieten. Keine Mutter will, dass ihr 13-jähriges Kind raucht.



Fall 2

Die 15-jährige Petra will in die Faschingsdisco gehen. Auch hier wird der Mutter empfohlen, nein zu sagen, da Discobesuche laut Jugendschutzgesetz erst ab 16 Jahren erlaubt sind. Ich würde meiner Tochter auch nicht erlauben, mit 15 in eine Disco zu gehen. Wobei sie ohne Personalausweis sowieso nicht reinkommen würde.

Fall 3

Erneut ist es die 15-jährige Petra, die die Organisatoren des Zunftabends fragt, wann sie die Veranstaltung verlassen muss. Den Organisatoren wird empfohlen, dass sie den Einlass unter 16 Jahren nur dann erlauben, wenn die Eltern auch wirklich auf ihre Kinder achtgeben.

Meine Meinung dazu: Welche Eltern haben Lust, den ganzen Abend lang nach ihren Kindern zu schauen? Auch über 30 will man sich doch noch amüsieren. Bei Zunftabenden bleibt die Entscheidung sowieso nicht den Eltern überlassen, sondern dem Türsteher.



Fall 4

Anke (15) und Jan (13) fragen beim Rosenmontagsumzug die Erwachsenen, ob sie einen Schluck Schnaps haben dürfen. Die Broschüre rät, dieser Bitte nicht nachzukommen.

Da kann ich nur zustimmen. Als Mutter ist man verpflichtet, Kindern harten Alkohol zu verbieten. Bei einem Bier oder einem Sekt kann man aber ruhig mal ein Auge zudrücken. Wie ich finde, sogar schon bei einem 13jährigen Kind.

Einen "kleinen Probierer" kann man seinen Kindern an Fasnacht schon mal gewähren. Davon wird kein Kind süchtig.

Aber Wodka und so weiter sollte unter 16 Jahren schon verboten sein. Man will ja auch nicht, dass sein Kind mit 15 kotzend in der Ecke liegt.

Fall 5

Soll man den Zunftkindern unter 16 Jahren erlauben, beim Kneipenzug mitzukommen? Antwort: Nur dann, wenn eine erziehungsbeauftragte Person sie begleitet. Den mahnenden Tonfall zu diesem Thema finde ich etwas übertrieben.



Fall 6

Dürfen Kinder am Getränke- oder Wurststand aushelfen? Das wird zumindest den Unter-15-Jährigen ausdrücklich untersagt. Ein bisschen streng, finde ich. Solange die Kinder (immerhin 13-jährig) nicht gezwungen werden und kein Alkohol ausschenken, kann man doch nicht von "Kinderarbeit" sprechen, oder?

Fazit

Als Ratgeber für Eltern finde ich die Broschüre gar nicht mal so schlecht. Viele sind bestimmt nicht über die Änderungen im Jugendschutzgesetz informiert. Ob der Jugendliche dann aber eine alkoholfreie Fasnet verbringt, ist wohl eher unwahrscheinlich.

Das Gesetz interessiert die meisten im Feierrausch sowieso eher weniger. Als 16-Jährige kann ich über die Broschüre nur schmunzeln. An Fasnet kriegt man doch, egal ob Bier oder Wodka, fast alles schon ab 14. Also sollte man das Heftchen wohl besser erstmal an alle Fasnetsveranstalter verteilen.

Die Broschüre "Fasnet und Jugendschutz" ist erhältlich an der Rathausinformation, im Sozial- und Jugendamt und in Jugendhilfeeinrichtungen.