Müllproblem in Weingarten

Falsch gefüllte gelbe Säcke locken Ratten in Weingarten an

Anja Bochtler

Rund um die Blocks in der Sulzburger Straße 3 bis 13 haben sich die Müllprobleme zugespitzt. Manche hier wollen nicht mal mehr Besuch bekommen: Sie schämen sich für die Umgebung, in der sie wohnen.

Engagierte Mieterinnen und Mieter sagen, sie hätten seit 2009 Briefe an die Freiburger Stadtbau (FSB) geschickt, der die 56 Wohnungen gehören. Sie seien immer vertröstet worden. Jetzt glauben sie der FSB nicht mehr, trotz deren Zusage, im Oktober das längst versprochene Müllhäuschen zu bauen. Außerdem wollen sie nicht mehr zwei Monate ausharren.


Vor einigen Tagen waren die Ratten noch oft zu sehen – inzwischen wurden Köder ausgelegt. Die Ratten waren überall, erzählen Anwohner, auch auf dem Spielplatz zwischen den Wohnblocks, wo eigentlich Kinder spielen sollen. In der Erde neben dem Müllplatz sind etliche Rattenlöcher.

Doch selbst wenn die Ratten nun vertrieben werden, bleiben die Probleme, die sie herbeigelockt haben: Auf dem Müllplatz stapeln sich gelbe Säcke, viele sind aufgeplatzt, weil sie mit spitzen Gegenständen gefüllt sind, oder wurden von Tieren aufgerissen – Müll quillt heraus. Als der Mitarbeiter einer Reinigungsfirma vorbeikommt und die Säcke abtransportiert, erkennt er sofort, dass nur wenige Säcke korrekt gefüllt sind. Das sei generell die Erfahrung mit den gelben Säcken, sagt Rene Derjung, der Pressesprecher der FSB: In vielen Säcken seien Speisereste, die dort nicht hineingehören – das locke Ratten und andere Tiere an.

Die Mitarbeiter der Reinigungsfirma holen die gelben Säcke im Auftrag der "Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg" (ASF) darum drei Mal in der Woche ab. Das ist eine Zusatzmaßnahme der FSB, regulär werden die gelben Säcke nur alle zwei Wochen abtransportiert. "Aber viele Mieter legen ihre gelben Säcke schon ein paar Stunden nach dem Abholen wieder raus", erzählt eine Anwohnerin, die um die Ecke wohnt. Außerdem würden etliche Säcke an komplett falschen Orten abgelegt – zum Beispiel vor anderen Müllplätzen. Dort lägen sie, bis die zuständigen Mieter sie entfernten. Für die Bewohner der Sulzburger Straße 3-13 ist klar: Ihr Müllplatz ist viel zu klein. Die gelben Säcke stapeln sich übereinander, daneben stehen Tonnen, die normalerweise in den Kellern der Mieter stehen müssten. Doch für Ältere sei es zu mühsam, die schwere Tonne über weitere Strecken hin und her zu schieben.

Freiburger Stadtbau verspricht: Müllhaus kommt im Oktober

Die Mieter fordern seit langem einen größeren Müllplatz und ein Müllhaus. Seit sieben Jahren schreiben sie Briefe an die FSB, erzählen sie, lange sei nichts geschehen. 2014 sei angekündigt worden, dass bis zum Jahresende ein Müllhäuschen gebaut werde – das sei nicht passiert. 2015 hätten sie erfahren, dass erst der Bebauungsplan geändert werden müsse, damals sei das Müllhäuschen für Mitte 2016 versprochen worden. Jetzt sei von Oktober die Rede – sie glauben nicht mehr dran. Und sie wollen nicht mehr warten. Gerade jetzt im Sommer, wo alle draußen seien und Kinder auf dem Spielplatz spielen, sei es unerträglich.

FSB-Sprecher Rene Derjung versichert auf Anfrage der BZ: "Wir können mit Bestimmtheit sagen, dass das für dieses Jahr angekündigte Müllhaus definitiv im Oktober 2016 fertiggestellt wird." Es werde ausreichend Platz für alle Mülltonnen und gelben Säcke bieten. In der Sulzburger Straße 27 sei bereits ein Müllhaus errichtet worden, ein weiteres folge im Hügelheimer Weg, ebenfalls im Oktober. Generell habe sich die Müllsituation in Weingarten durch ein im vergangenen Jahr eingeführtes Reinigungskonzept verbessert. Im Oktober werde die FSB zudem erneut über korrekte Müllentsorgung informieren. Die bisherigen Versuche der FSB in diese Richtung hätten keinen Erfolg gehabt, kritisieren die Mieter: Viele Bewohner könnten nicht nur kein Deutsch, sondern seien Analphabeten. Darum nutze auch das mehrsprachige Schild am Müllplatz nichts, das außerdem zu weit unten hänge und von den gelben Säcken verdeckt werde.

Abhilfe könnten nur regelmäßige persönliche Gespräche mit denen leisten, die sich nicht an Regeln halten, glaubt ein älterer Mann. Das sei Aufgabe der Stadtbau, die dafür sorgen müsse, dass die Menschen den Umgang mit Müll lernen: "Da gibt es doch eine Fürsorgepflicht!" Früher habe ein Hausmeister für sowas gesorgt, der sei aus Kostengründen abgeschafft worden. Der Einsatz eines Hausmeisters sei nicht geplant, sagt Rene Derjung.