Freiburg

Fall Maria L.: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Mordes

Frank Zimmermann

Die Staatsanwaltschaft Freiburg hat fünf Monate nach der Tat Anklage wegen Mordes gegen Hussein K. erhoben. Er soll im vergangenen Oktober Studentin Maria L. vergewaltigt und umgebracht haben.

Die Anklage gegen den mutmaßlich aus Afghanistan stammenden Hussein K. geht an die Jugendkammer des Landgerichts Freiburg, obwohl die Staatsanwaltschaft aufgrund medizinischer Gutachten zur Altersbestimmung mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgeht, dass K. mindestens 22 Jahre alt ist.


Der Tatverdächtige selbst hatte bei seiner Einreise im November 2015 angegeben, 16 zu sein, demnach wäre er zum Zeitpunkt der Tat 17 und somit minderjährig gewesen. Dies würde eine nicht-öffentliche Verhandlung vor einem Jugendgericht zwingend erforderlich machen. Aufgrund des Gutachtens wäre K. erwachsen.

Gericht behandelt Hussein K. wie einen Heranwachsenden

Da das Alter aber auch gutachterlich nicht hundertprozentig nachgewiesen ist und Zweifel bestehen, geht die Staatsanwaltschaft auf Nummer sicher. So vermeidet sie das Risiko, dass es wegen des Alters zur Revision kommt. Die Ermittlungsbehörde wird K. deshalb als Heranwachsenden (18 bis 21 Jahre) einstufen, was zur Folge hat, dass vor der Jugendkammer des Landgerichts verhandelt wird. Bei einer Verurteilung wegen Mordes steht eine 15 Jahre lange Freiheitsstrafe im Raum, wenn er nach Jugendstrafrecht verurteilt wird. Ein Heranwachsender kann aber auch vom Jugendgericht – je nach Ergebnis der Beweisaufnahme – nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden. Dann käme im Falle einer Verurteilung wegen Mordes eine lebenslange Freiheitsstrafe in Frage.

Die Jugendkammer des Landgerichts Freiburg muss nun über die Zulassung der Anklage, die Eröffnung des Hauptverfahrens und gegebenenfalls die Bestimmung eines Hauptverhandlungstermins entscheiden.

Dem Beschuldigten, der sich in dieser Sache seit Dezember 2016 in Untersuchungshaft befindet, wird ein Verbrechen des Mordes in Tateinheit mit Verbrechen der besonders schweren Vergewaltigung zur Last gelegt. Das Onlineportal Bild.de berichtete Anfang März, K. habe an Weihnachten versucht, in der Haft Suizid zu begehen. Ein Justizbeamter habe das bemerkt und ihn davon abgehalten.

Anklage sieht zwei Mordmerkmale erfüllt

In einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft heißt es, dass K. in der Nacht zum 16. Oktober 2016 an der Dreisam auf Höhe des Schwarzwaldstadions die damals 19 Jahre alte Studentin Maria L. angegriffen, gewürgt und vergewaltigt haben soll.

Anschließend soll er sein bewusstloses Opfer im Wasser der Dreisam abgelegt haben, wo sie letztlich durch Ertrinken verstorben sei. Die Anklage geht davon aus, dass der Beschuldigte sein Opfer heimtückisch und zur Befriedigung des Geschlechtstriebs getötet hat. Erst die Erfüllung dieser "Mordmerkmale" führen dazu, dass ein Tötungsdelikt juristisch als Mord eingestuft wird.

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