Ermittlungen

Fall Maria L. : Kein Treffer bei DNA-Abgleich mit Studenten

Frank Zimmermann & Joachim Röderer

Im Fall der ermordeten Studentin Maria L. bleibt ein Fahndungserfolg aus. Auch der Abgleich mit dem Genmaterial von mehr als 100 Studenten hat keinen Treffer gebracht. Wie geht es nun weiter?

Wieder kein Ermittlungserfolg: Die Beamten der Sonderkommission Dreisam konnten beim Abgleich der männlichen DNA, die am Körper der getöteten Medizinstudentin Maria L. sichergestellt wurde, mit den europaweiten Straftäter-Datenbanken keinen Treffer landen (Hintergrund). Die mutmaßliche Täter-DNA war außer an der Leiche auch an einem herrenlosen lila Damenrad gefunden worden, welches mehrere hundert Meter entfernt vom Tatort in Richtung Ebnet auf dem Dreisamuferweg abgestellt gewesen war.


Die deutsche Polizei hat automatisch Zugang zu den DNA-Datenbanken der EU-Staaten. Gibt es einen Treffer, werden automatisch sowohl die anfragende als auch die angefragte Polizei informiert, erklärt Horst Haug, Sprecher des Landeskriminalamts (LKA). Um genauere Informationen über die betreffende Person zu bekommen, müsse Rechtshilfe beantragt werden.

Zum Abgleich der Gendaten mit Daten der europäischen Staaten, die nicht der EU angehören, müssen LKA und Bundeskriminalamt bei Interpol anfragen. Laut Polizei konnte auf diese Sucharten kein Treffer erzielt werden.

Kein Treffer mit Speichelproben aus Hörsaal

Auch der Abgleich mit dem Genmaterial, das die Polizei am vergangenen Freitag bei Studenten in einem Biochemie-Hörsaal der Uni gesichert hatte, blieb erfolglos. Zu dem Hörsaal war die Polizei mit Hilfe eines Spürhundes gelangt. Die Polizei hatte alle anwesenden Männer um eine freiwillige Speichelprobe gebeten.

Mehr als 100 erklärten sich bereit, "weniger als fünf" hätten die Abgabe verweigert, so eine Angabe von Polizeisprecherin Laura Riske. Diesen Studenten will die Polizei durch Fragen auf den Zahn fühlen. Befragt worden seien aber alle Anwesenden im Hörsaal, auch die Frauen, sagt Riske. Vom Richter angeordnet werden kann eine Speichelprobe nur, wenn die betreffende Person beschuldigt wird.

Fragenkatalog für Studenten

Um noch mehr Teilnehmer der Fachschaftsparty "Big Medi Night" in der Nacht vom 15. auf den 16. Oktober in der Mensa Institutsviertel zu erreichen, die Maria L. besucht hatte, hat die Polizei auf der zentralen Lernplattform der Universität einen Fragenkatalog eingestellt. Auf die Lernplattform gelangen Studierende nur mit ihren persönlichen Zugangsdaten über die Rubriken "Magazin" und "Semesterübergreifende Inhalte".

Die Polizei will von den Studierenden wissen, wann sie die Party verlassen und ob sie die Garderobe benutzt haben, fragt nach Auffälligkeiten, ob sie die getötete Studentin kannten und ob sie in Begleitung auf der Party waren. Zudem bittet die Polizei, Fotos der Party zu schicken und Namen weiterer Gäste mitzuteilen. Bislang hat die Soko 200 Partygäste befragt. Mehr als 1000 sollen in jener Nacht in der Mensa gewesen sein.

Oberste Priorität beim LKA

Im LKA werden die beiden Mordfälle aus Südbaden mit oberster Priorität bearbeitet. "Unsere Leute arbeiten auch abends und an den Wochenenden", so LKA-Sprecher Haug. Allein aus dem Fall Maria L. hatten die Kriminaltechniker 269 DNA-Spuren untersuchen. Das dauere eben seine Zeit, so Hauk.

Wäre es nicht sinnvoll, um wertvolle Zeit zu sparen, die Vergleichsproben extern untersuchen zu lassen, etwa in einem rechtsmedizinischen Institut? Nein, sagt der LKA-Sprecher. Es sei gut, wenn alle Untersuchungen an einem Ort ausgeführt worden. Nach BZ-Informationen werden die Fälle aus Freiburg und Endingen in Stuttgart im LKA in getrennten Laboren untersucht, um das Vermischen von Spuren zu verhindern.

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