Fahrradpilgern: Ja, mir san mim Radl do!

Regina Kleissler

Geschafft! Glücklich aussehende, verschwitzte Menschen schieben ihre Fahrräder in das Parkhaus des Kauflands am Komturplatz. Kaum jemand verschnauft oder nimmt einen Schluck aus der Trinkflasche. Alle treibt es sofort weiter: Richtung Flugplatz, zum Gottesdienst.



Vikar Christian Müller (37) und Ministrant Florian Weis (17) sind noch im Dunkeln und bei sternenklarer Nacht in Buchholz losgefahren. „Wir haben uns aus praktischen Gründen für das Fahrrad entschieden“, sagt Christian. „Wir hatten einfach die Sorge, dass die Züge sehr voll sind. Außerdem hoffen wir, nach der Messe so wieder schneller aus Freiburg rauszukommen. Es ist ja auch nicht weit, und ein bisschen Bewegung tut gut.“


10 Kilometer sind es von Buchholz bis nach Freiburg. Der Fahrradweg führt über Feldwege, zwischen Maisfeldern und Obstbäumen entlang. Um 6:45 Uhr geht's los. Da schimmert noch die schmale Mondsichel am dunklen Himmel. Als wir eine Viertelstunde später Denzlingen passieren, sind schon die ersten Sonnenstrahlen zu sehen.



Der Anblick des rosafarben-blau gefärbten Himmels ist wunderschön. Alleine dafür hat sich das frühe Aufstehen gelohnt. Wer den Anschluss halten will, darf aber nicht durch Träumen und Herumgucken das Treten vergessen. Denn eins steht fest: Wer heute mit dem Fahrrad nach Freiburg fährt, tut das nicht zum ersten Mal.

In einem Affenzahn brettern wir die Wege entlang. Immer mehr Fahrradfahrer stoßen von anderen Feldwegen zu uns. So gewinnt das Fahrerfeld an Stärke. Alle Dynamolichter zusammen bilden einen vorgezogenen Laternenumzug. Als wir in Gundelfingen ankommen, ist es taghell. Kurzer Stop an einer roten Ampel. Es fährt zwar sonst niemand weit und breit über die Straße, aber Papstbesucher beachten auch um 7 Uhr morgens die Straßenverkehrsordnung.

Am Ortseingang Freiburg-Zähringen verkündet ein großes Plakat: Wir sind Papst. Direkt dahinter steht auch schon das erste Polizeiauto. Unsere fröhlichen „Guten Morgen!“-Grüße werden von den ernst dreinblickenden Ordnern nicht erwidert. Eine Gruppe von Menschen hat sich auf dem Parkplatz eines Supermarkts eingefunden und stimmt sich durch gemeinsames Singen ein.



Vor allem Eltern mit ihren Kindern und (erstaunlicherweise) Menschen jenseits der 50 reisen mit dem Fahrrad an. Matthias Mohler (15) hat sich mit seinem Vater in Emmendingen auf den Sattel geschwungen. „Ich bin schon öfters mit dem Fahrrad nach Freiburg gefahren. Den Papst habe ich schon einmal in Rom gesehen. Ich denke, es wird ziemlich voll, aber ich freue mich auf die schöne Atmosphäre. Wenn ich nach Hause komme, muss ich aber erst mal nachschlafen.“

Da ist er wahrscheinlich nicht der Einzige. Helfer Markus Ruder erzählt, dass die ersten Räder bereits um 4:30 Uhr im Parkhaus standen. Um 8 Uhr belegen die abgestellten Fahrräder etwa ein Drittel der Fläche. „Die zweite Ebene brauchen wir wohl nicht.“ Gegen 8.30 Uhr wird es ruhig im Fahrradparkhaus. Die Radler, die noch ankommen, haben es eilig. Denn nach der ersten Etappe auf dem Fahrrad steht ihnen noch eine halbe Stunde Fußmarsch bevor. Eins steht somit fest: Das Sportprogramm ist trotz Papstbesuch nicht zu kurz gekommen.