Extrabreit über Polizisten

Stephan Elsemann

Morgen spielen Extrabreit im Crash. Extrabreit ist eine Rockband mit Punkwurzeln, die Anfang der 80er Jahre zu einem Aushängeschild der Neuen Deutschen Welle wurde. Im fudder-Interview spricht Sänger Kai Havaii über einen frühen Gig in Freiburg und er sagt, warum er den Song "Polizisten" immer noch aktuell findet.



Kai, was zieht Euch nach Freiburg ?

Es ist ist für uns der Auftakt zu unserer traditionellen Weihnachts-Blitz-Tournee. Da spielen wir immer in sieben, acht Clubs. Das ist jetzt einige Jahre her, dass wir nicht in Freiburg gespielt haben. Ich bin sehr gespannt aufs Crash. Wir freuen uns auf den Laden. Die freuen sich auch auf uns. Wir werden einen schönen, langen Gig spielen – mindestens zwei Stunden und auch mal nicht nur die bekanntesten Sachen. Aber natürlich gibt's auch "Flieger, grüß mir die Sonne" und "Polizisten".

"Polizisten haben viele Pflichten, eine Frau und zwei Kinder", heißt es spöttisch in diesem Lied. Hat Kai Havaii denn inzwischen auch ein paar Pflichten ?

Pflichten, ja doch, man muss ja irgendwie durchkommen. Kinder habe ich allerdings keine, aber dafür zwei kleine Neffen.

Die auch Extrabreit hören?

Der eine ist noch zu klein, der andere ist sieben. Der hört Extrabreit in der Tat. Hab ihm 'ne Best of gegeben. Ich glaub', es gefällt ihm ganz gut – nicht nur weil's der Onkel gemacht hat.



"Polizisten" wurde auch zu einer Freiburger Hymne der Hausbesetzer. Lange ist das her. Habt ihr Anfang der Achtziger auch in Freiburg gespielt?

Ja klar, aber ich kann mich nur noch dunkel an ein Konzert erinnern. Viele Hippies und Linksalternative waren da. Die saßen auf dem Boden. Das war für uns ziemlich ungewöhnlich. Das machte man damals eigentlich schon nicht mehr. Aber irgendwann sind sie dann doch aufgestanden und fingen an mitzurocken.

"Polizisten rauchen Milde Sorte, weil das Leben ist doch hart genug", heißt eine andere Zeile im Lied. Milde Sorte gibt's schon seit geraumer Zeit nicht mehr, weil Zigaretten nicht mild heißen dürfen. Rauchst du denn noch?

Nicht zu knapp, aber mit etwas gemischten Gefühlen inzwischen.



Hat die "Milde Sorte" im Polizistensong überlebt?

Hat sie. Ich mag es nicht, im Nachhinein an Texten rumzuschrauben. Das Lied ist ja durchaus aktuell.

Versteht das denn jemand?

Das mag natürlich etwas rätselhaft erscheinen, aber das Lied funktioniert ja noch. Andererseits sagte mir mein kleiner Neffe neulich: Im Lied heißt es doch "Polizisten werden jeden Tag und jeden Monat immer mehr", und das kann ja nicht stimmen. Sonst hätte man das doch wohl in der Zeitung gelesen. Ich sagte ihm: "Damals war das so." Und er: "Ja, ja, damals, damals."



Seid ihr zu nostalgisch?

Nein, eigentlich nicht, hoffe ich. Altersmelancholie ist nicht unser Ding. Wir sind mit unseren Texten doch immer an den Themen der Zeit. Wir spielen am Freitag auch einige Lieder von unserer neuen CD, die erst im kommenden Frühjahr erscheint. Wir haben ganz intensiv daran gearbeitet und ich habe Augenringe, die würden einem Waschbären zur Ehre gereichen.

Und die neuen Lieder sind anders als die alten ?

Klar, dass wir uns an unserer Tradition orientieren. Wir sind eine Rockband, die sehr stark vom Punk beeinflusst wurde. Bei den neuen Liedern sind auch viele schnelle Zweieinhalb-Minuten-Nummern dabei, ironische fröhliche Sachen, aber auch ernstere Lieder, die die Wirklichkeit mit etwas härterem Blick und anderen musikalischen Mitteln beschreiben – wie "Der Präsident ist tot" oder eben "Polizisten".



Punk und der harte Blick auf die Wirklichkeit, andererseits "Gib Gas, ich will Spaß". Ihr wart ja auch ein Aushängeschild der Neuen Deutschen Welle.

Als wir anfingen, war die Neue Deutsche Welle noch gar nicht erfunden. Viele Bands entdeckten in dieser Zeit die deutsche Sprache neu. Und weil das auf ein breites Interesse stieß, hatte die Öffentlichkeit schnell den Begriff NDW zur Hand. Wir sind dann auch von dieser Welle erfasst worden. Das hat uns sehr schnell bekannt gemacht. Das hätten wir gar nicht verhindern können. Das hätten wir aber auch nicht verhindern wollen.

Die Abbildungen stammen aus dem Bandarchiv auf der Homepage.


Verlosung:

fudder verlost 2x2 Eintrittskarten für das Konzert. Wer gewinnen möchte schickt eine E-Mail mit dem Betreff "Extrabreit" an gewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist Freitag, 7. Dezember, 12 Uhr. Die Gewinner werden am Freitag bis spätestens 13 Uhr per Mail benachrichtigt, also schaut in eure Postfächer. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück!

Was: Extrabreit und Der dicke Polizist
Wann: Morgen, Freitag, 7. Dezember, 20 Uhr
Wo: Crash, Schnewlinstraße 7, 79098 Freiburg, 0761-382916
Eintritt: 19 Euro Abendkasse, kein Vorverkauf mehr